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Weinanbau in Neuseeland: Weingüter in Blenheim {enthält Werbung}

Wein im Anbaugebiet Marlborough
Wein im Anbaugebiet Marlborough

Der Weinbau in Neuseeland hat eine noch junge Geschichte, doch sich mit den Weinsorten Sauvignon Blanc, Pinot Noir und Chardonnay sich der Weinbau den Platz als acht-wichtigste Exportbranche des Landes gesichert.

 

Mit rund 79 % der gesamten Weinproduktion und knapp 24 ha Anbaufläche ist die Region Marlborough rund um Blenheim das größte Weinanbaugebiet Neuseelands. Marlborough liegt im Nordosten der Südinsel Neuseelands. Die langgezogene Bergkette im Westen sorgt für einen natürlichen Regenschutz (durchschnittlich nur 652 mm Niederschlag) und macht das Gebiet zu einem der sonnigsten (über 2400 Sonnenstunden im Jahr) und wärmsten (höchste gemessene Temperatur lag bei 36 C, die niedrigste bei  −8 C) in Neuseeland. Vorteilhaft ist auch die Lage direkt am Meer. Sonnige, nicht zu heiße Tage und durch die abendlichen Seebrisen kühlere Nächte schaffen das ideale Klima für eine langsame Reifeperiode der Trauben. 

 

Was lag also näher, als uns hier vor unserem Wechsel auf die Nordinsel einmal aufzumachen, die Vielfalt von Marlboroughs Weingütern und ihrer Weine zu entdecken?

Die Region Marlborough rund um Blenheim

am State Highway 63 bei Blenheim
am State Highway 63 bei Blenheim

Schon am ersten Abend unseres Aufenthaltes sind wir ein wenig durch die Gegend gefahren und haben uns den Weinanbau in der Landschaft rund um Blenheim angesehen. Die Rebstöcke sind exakt in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, damit die Sonne auf ihrem höchsten Stand mittags beide Seiten der Pflanzen erreicht.

 

Neuseeland ist Europa nicht nur zwölf Stunden, sondern auch sechs Monate voraus, was die Weinernte betrifft. Im Februar ist noch Sommer auf der Südhalbkugel und ab April, wenn der Herbst kommt, beginnt die Weinlese: Für mich bedeutete dies: der 2017er Jahrgang war hier schon in Vorbereitung, während wir in Europa noch nicht einmal den 2016er Jahrgang kennengelernt haben. Ich konnte also bereits einige neuseeländische 2016er Weine probieren!

Unsere Weingüter Route in Blenheim

Yealands Estate

Yealands Estate
Yealands Estate

Für 10:00 Uhr am nächsten Vormittag hatte ich einen ersten Termin vereinbart. Es ging auf zu Yealands Estate

 

Yealands Estate liegt südlich von Blenheim an der (aktuell wegen Erdbebenschäden noch geschlossenen) Straße nach Kaikoura im Awatere Valley. Es ist mit über 1.000 Hektar Anbaufläche Neuseelands größtes Weingut in privater Hand. Spannend fand ich bereits im Vorfeld die Philosophie dieses erst 2008 gegründeten Weingutes: oberstes Ziel ist nachhaltige, umweltfreundliche Produktion. Yealands Estate ist eines von weltweit 12 Carbon Zero zertifizierten Weingütern. Das gesamte Dach des Hauptgebäudes besteht aus Solarpaneelen, die die größte Solaranlage in ganz Neuseeland darstellen.

Rund 12.000 Tonnen Trauben werden hier verarbeitet. Da einzelne Parzellen individuell bearbeitet werden, können auch die Geschmacksprofile der verschiedenen Lagen berücksichtigt werden.

Und ein weiterer Grund, dieses Weingut zu besuchen ist seine absolut fantastische Lage. Diese kann man am besten schon vor der Weinprobe auf einer Rundfahrt auf der „weißen Straße“ durch das Weingut entdecken. Dabei gibt es verschiedene Stopps, die in einer kostenlosen App jeweils näher beschrieben werden.

 

Wir hatten Glück mit dem Wetter und unsere gut einstündige Rundfahrt mit einigen Stopps war spannend und wunderschön. Und wir haben einiges über den Weinanbau auf Yealands erfahren.

 

So müssen die Weinstöcke z. B. jedes Jahr beschnitten werden, da Trauben nur an Holz wächst, das jünger als ein Jahr ist. Dieser Beschnitt wird auf Yealands gesammelt und zu großen Rollen zusammen gebunden. Die Blätter kommen zusammen mit Muschelschalen und sonstigem organischen Abfall in den Kompost (50.000 t pro Jahr) und werden nach mehr als neun Monaten zwischen den Weinstöcken verteilt, um dort als Dünger zu dienen. Ist das zusammengebundene Holz trocken, wird damit Energie zum Heizen und zum Kühlen gewonnen. Dadurch werden 500 MWh Strom gewonnen (ausreichend für die Versorgung von 18 Haushalten für ein Jahr) und ca. 200 t CO² jährlich eingespart. Die Ökobilanz von Yealands sieht also hervorragend aus.

Hühner auf Yealands
Hühner auf Yealands

Auch bei den Holzpfählen, die für die Weinstöcke benötigt werden und die in der Regel chemisch behandelt sind, versucht man eine umweltverträgliche Lösung zu finden, wenn diese nicht mehr gebraucht werden können.

 

Auf dem Gelände gibt es über 20 angelegte Feuchtbiotope, um Niederschläge langsam dem Boden zuzuführen und einheimische Artenvielfalt zu fördern.

 

Auf Yealands experimentiert man auch mit Musik. Man will herausfinden, ob der Wein besser wächst, wenn er mit Musik beschallt wird. In Abständen stehen im Gelände immer wieder hohe Pfähle, an denen oben Lautsprecher befestigt sind, aus denen die unterschiedlichste Musik kommt.

 

Darüber hinaus werden Schweine und Mini-Schafe (sogenannte Baby-Doll-Schafe) gehalten. Die Schafe erreichen eine maximale Höhe von 30 bis unter 60 cm und sind deshalb nicht groß genug, um die Trauben zu erreichen. Aufgabe dieser Tiere ist es, das Gras zwischen den Weinstücken kurz zu halten, so das hier nicht zusätzlich gemäht werden muss. Gleichzeitig liefern die Tiere natürlichen Dünger. Ebenfalls werden zahlreiche Hühner gehalten. Leider konnten wir nur die Hühner (die wegen der Musik angeblich 18 % größere Eier legen) sehen, Schweine und Schafe waren "in Urlaub", weil Ende März/Anfang April mit der Lese begonnen wird und die Tiere dabei einfach im Weg wären.

 

Und schließlich gibt es auf dem Weingut einen Aussichtspunkt, von dem aus wir die Nordinsel sehen konnten. So klar war das Wetter, was offensichtlich nur sehr selten vorkommt.

Weinprobe auf Yealands Estate
Weinprobe auf Yealands Estate

Nach Abschluss der Runde über das Weingut sind wir in das Haupthaus zurückgekehrt, das mit seinen Solarpaneelen die größte Solaranlage in ganz Neuseeland ist. Hier wurden wir überaus freundlich von Rebecca zur Weinprobe empfangen. Es gab, nicht zuletzt angesichts der frühen Morgenstunde, zwei Weine zu probieren:

  • Yealands Estate Single Vineyard Sauvignon Blanc - mein klarer Favorit bei der kleinen Verkostung, die wir im Anschluss an unsere Rundfahrt genießen konnten. Ein typischer Marlborough Sauvignon Blanc, mineralisch und frisch, mit Melone und Zitronenaromen, aber nicht zu viel Säure, der einfach nur Freude beim Trinken bereitet.
  • Yealands Estate Winemaker’s Reserve Awatere Valley Pinot Noir, einen wirklich voll und rund schmeckenden Roten mit einem Geschmack nach reifen Pflaumen und dezenten Holz- und Rauchnoten. Wirklich sehr lecker und in Deutschland leider nur online erhältlich.

Rebecca war sehr zuvorkommend und hat geduldig all unsere Fragen beantwortet. Aber für uns war es dann doch auch an der Zeit, weiter zu fahren und den anderen Weingütern auf unserer Route einen Besuch abzustatten.

 

Und auch in Deutschland könnt Ihr einen Yealands Sauvignon Blanc* kaufen.

Brancott Estate Heritage Center

Brancott Estate
Brancott Estate

Beim anschließenden Besuch zur Mittagszeit auf Brancott Estate war allerdings nicht eine Kellerbesichtigung oder Weinprobe unser Ziel. Nein, hier ging es um den Besuch des auf einem Hügelkamm hoch gelegenen Restaurants mit einem herrlichen Ausblick über die Reben.

 

Wir hatten es leider versäumt, einen Tisch zu reservieren, so mussten wir den einzigen noch freien Tisch (ohne Aussicht) nehmen. Ganz hervorragend gegessen haben wir dennoch: Lammfilet mit einem Gemüse-Gersten-Salat und Zaziki. Anschließend gab es noch einen Espresso und ein paar süße Desserts.

 

Und für die Weinliebhaber noch eine kurze Information: Brancott baute als erstes Weingut 1979 in Neuseeland die Rebsorte Sauvignon Blanc* an und machte sie weltberühmt. Und zum Lammfilet habe ich selbstverständlich ein Glas probiert...

Villa Maria Estate Marlborough Winery

Villa Maria Estate
Villa Maria Estate

Unsere zweite Weinprobe des Tages hatten wir bei  Villa Maria Estate. Das Weingut wurde schon 1961 von George Fistonich gegründet. Heute ist es eines der erfolgreichsten Weingüter im Privatbesitz.  Auch hier spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle: seit 2010 werden alle Kohlenstoff-Emissionen gemessen, angefangen vom Weinanbau, die Weinherstellung, die Abfüllung bis hin zu den Fahrzeugemissionen, Reisen oder Verpackungsherstellung.

 

Hier hatten wir viel Spaß bei der Weinprobe und einem fröhlichen Gespräch mit Michelle und ihrer Kollegin Phyllie.

 

Michelle erzählte uns, dass es keine Maria gäbe, nach der das Weingut benannt worden sei. Es handele sich vielmehr um einen Marketingtrick, um die Weine im Ausland, insbesondere in Europa verkaufen zu können. Alle Marketingstrategen, die den Namen in der Vergangenheit ändern wollten, hätten sich aber nicht gegen George, den Besitzer, durchsetzen können.

 

Hauptabsatzmarkt für die Weine von Villa Maria ist England, danach folgen Holland, die skandinavischen Länder und Belgien.

 

Michelle konnte uns auch die Frage beantworten, warum wir immer wieder auf unserer Rundfahrt in weiße oder grüne Netze eingepackte Rebstöcke gesehen hatten. Das dient dem Schutz der zu dieser Zeit schon ziemlich reifen Trauben vor Vögeln. Es gäbe auch noch andere Methoden, wie zum Beispiel das Abfeuern von Schreckschüssen, das Erzeugen von Bewegung oder den Einsatz von Falken. Die Falken wären eigentlich die beste Methode, die Trauben-Räuber in Schach zu halten. Allerdings könne man ihnen nicht beibringen, dass und wo sie über die Weinfelder zu wachen haben.

Weinprobe auf Villa Maria Estate - Flasche Nummer 1087
Weinprobe auf Villa Maria Estate - Flasche Nummer 1087

Welche Weine habe ich bei Villa Maria Estate verkostet? Nun, es gab

  • Single Vineyard Taylors Pass Sauvignon Blanc ist ein für Marlborough typischer Wein, fein, sauber und gut ausbalanciert, mit Duft nach frischen Beeren und Passionsfrucht - einfach lecker!
  • Single Vineyard Seddon Pinot Gris, ein fruchtiger Wein mit Anklängen an Birne und ein paar Gewürznoten, lang anhaltend im Geschmack.
  • Ich bin ja keine Freundin von Süßweinen - aber der Marlborough Noble Riesling Botrytis Selection ist eine Auslese mit wunderbaren Honignoten von  Botrytis - sicher ein Genuss zu Käse.

Quasi außer Konkurrenz gab es einen weiteren Wein zum Probieren: einen orangen Wein. Hier hat der Winemaker - dem Trend folgend - experimentiert und einen Wein hergestellt, von dem es nur insgesamt 1500 Flaschen gibt (ich habe aus der Flasche mit der Nummer 1087 getrunken). Ein interessanter Geschmack - aber mein persönlicher Liebling wird dies eher nicht.

 

Bei einem orangen Wein, auch im deutschen Sprachgebrauch häufig Orange Wine, handelt es sich um einen Weißwein, der wie ein Rotwein hergestellt wird. Die Weißweintrauben werden mit den Beerenschalen vergoren und extrahieren dadurch mehr Tannine und Farbstoffe aus den Beerenschalen. Oranger Wein ist gekennzeichnet durch eine dunkelgelbe bis orange Farbe.

 

Von den Weinen, die auf dem Weingut produziert werden, werden ohnehin nur wenige nach Deutschland exportiert: die Reihe Private Bin. Empfehlen kann ich Euch hier ebenfalls den Sauvignon Blanc*. Michelle war hier eine ungemein kenntnisreiche Gastgeberin - so macht eine Weinprobe richtig Freude! Wir haben uns erst spät und mit einem ein bisschen schwerem Herz von den beiden freundlichen Damen verabschiedet.

Information und Barrierefreiheit

Alle drei von uns besuchten Weingüter waren barrierefrei erreichbar. Villa Maria verfügt über eine Toilette für Rollstuhlfahrer. Brancott Estate ermöglicht Rollstuhlfahrern direkt am Haupteingang zu Restaurant und Cellar Door zu parken, das macht den Besuch wirklich einfach.

Wir waren auch schon in Südafrikas Franschhoek Tal auf den Spuren des Weins unterwegs und im Rheingau auf den Spuren des Rieslings bei Kloster Eberbach und Schloss Johannisberg.

Unsere Entdeckungstour durch die Vielfalt von Marlboroughs Weingütern und ihren Weinen haben die Weingüter Yealands Estate und Villa Maria Blenheim durch eine kostenlose Weinprobe und eine geschenkte Flasche ihres Weines unterstützt. Ich bedanke mich herzlich dafür. Meinung und Bewertung bleiben wie immer meine ganz persönliche.

Übrigens: wenn Ihr auf einen der oben mit * versehenen Produktlinks klickt werdet Ihr zu Amazon weitergeleitet. Wenn Ihr dann noch kauft erhalte ich von Amazon dafür eine kleine Provision ohne dass Ihr mehr bezahlen müsst.

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Und zum guten Schluss noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache:

lange Urlaub haben bei Nebenbei-Bloggern zur Folge, dass nach der Heimkehr zunächst der Alltag abgearbeitet werden muss. Seid also bitte geduldig, weitere Neuseeland Beiträge werden folgen - aber wir brauchen einfach noch ein bisschen Zeit. Danke für Euer Verständnis.

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Kommentare: 4
  • #1

    Brigitte (Sonntag, 09 April 2017 16:30)

    Hey danke für die tolle Verlinkung! Die Weingüter, über die Du geschrieben hast, haben wir nicht besucht. Ist daher total interessant zu lesen! Wir trinken nämlich auch Zuhause gern neuseeländischen Wein! Lg Brigitte

  • #2

    Zypresse (Sonntag, 09 April 2017)

    Gerne doch - ich finde es immer sehr spannend, auch andere Blogger zum gleichen Thema zu lesen...

  • #3

    Beate (Dienstag, 11 April 2017 06:43)

    Weinproben zu früher Morgenstunde, Schweine und Schafe im Weinberg ... das klingt alles sehr exotisch und genau richtig fürs andere Ende der Welt. Bei unserer Tour 1985 hatten wir den Wein noch nicht auf dem Radar, umso mehr habe ich jetzt Deine Erzählungen und die großartigen Fotos genossen.
    Danke! und liebe Grüße
    Beate
    Ach ja, ich nehme den Sauvignon Blanc! :-)

  • #4

    Zypresse (Dienstag, 11 April 2017 08:28)

    Moin Beate, so früh und schon ein Glas Wein? OK, ich mache mit - dann zum Wohl!