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Auf den Spuren des Weins in Franschhoek

Definitiv liebe ich Wein. Meine Familie ist eine ganz und gar typische Weintrinkerfamilie: Vater und Mutter hatten immer Wein im Haus, abends gab es ein Gläschen (oder auch zwei...), meine Schwester ist Weintrinkerin... und die Nichte hat inzwischen auch begonnen, Gefallen am Wein zu finden.

 

Klar war also: auch bei der diesjährigen Reise durch Südafrika würde der Wein einen eigenen Programmpunkt bekommen. Dieses Mal, nach einem Besuch auf Yonder Hill im Jahr 2012, hat uns die Route nach Franschhoek geführt.

 

Leider waren wir am Montag nach dem Franschhoek uncorked Festival da. Das Festival ist eine alljährlich stattfindende Veranstaltung, bei der die Winzer ihre Keller öffnen, es gibt Weinverkostungen, leckeres Essen, kulturelles Programm und das Leben brummt im sonst fast beschaulichen und etwas "poshen" Franschhoek. Leider bedeutete dies auch: nicht alle Winzer hatten am Montag geöffnet, meine vorab akribisch geplante Route mussten wir daher ein wenig verkürzen.

 

An einem nicht wirklich schönen Tag - es war kühl, feucht, Wolken hingen tief im Tal - machten wir uns also auf, den Spuren des Weins zu folgen.

Dieser Beitrag enthält Werbung für Wein.
Er darf daher von Jugendlichen unter 16 Jahren nur in Begleitung
ihrer Erziehungsberechtigten gelesen werden.
Panorama des Tales von Franschhoek
Panorama des Tales von Franschhoek

Unsere Weingüter Route in Franschhoek

Haute Cabriere

Der erste Stopp auf unserer Tour war ein traditionsreiches Weingut im französisch geprägten Franschhoek Tal, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1694 zurückreichen. Haute Cabrière ist die Heimat von Südafrikas renommierter Sektmarke Pierre Jourdan, aber auch Wein gibt es dort. Wir hatten uns bereits vorab zu einer Besichtigung des Weinkellers und einer anschließenden Weinverkostung angemeldet.

 

Barrierefrei ist auf Haute Cabrière der Wine Tasting Room (und wohl auch auch das Restaurant), der Keller ist hier ein wirklicher Keller und nicht mit dem Rollstuhl erreichbar.

Pünktlich um 11 Uhr vormittags ging es los. Zunächst draußen vor der Tür, mit einer (normalerweise, wenn nicht das Zelt für Franschhoek uncorked den Ausblick verbaut) schönen Aussicht auf das Tal von Franschhoek. Wir bekamen umfangreiche Informationen über Geschichte und Schwerpunkte des Weingutes. Es ist in starkem Maße von seinem Chef, dem deutsch stämmigen Achim von Arnim geprägt. Zuvor hat er auf Boschendal gearbeitet, konnte aber offenbar 1982 seine damaligen Chefs überzeugen, ihn beim Schritt in die Selbstständigkeit zu unterstützen.

 

Weiter ging es in den Kellern, wo uns nicht nur die zahllosen Fässer aus französischer Eiche mit den edlen Tropfen beeindruckten. Wir erfuhren viel über die Technik der Weinherstellung - und diese ist selbst auf diesem traditionsbewussten Weingut nicht von gestern, sondern hochmodern und mit moderner Technik ausgestattet.

Und dennoch: auch die Geschichte des Weinbaues, die Entwicklung des Champagners kommt bei der Kellerführung nicht zu kurz. Kurzweilig hörten wir vom Abt und der Witwe ... und deren Entdeckungen, die zum edlen französischen Champagner führten. Und zum Abschluss erlebten wir, wie man fachgerecht eine Flasche des prickelnden Getränkes mit einem Säbel öffnet.

 

Aber wir erfuhren auch vom Selbstbewusstsein der Franzosen und ihrem Kampf um die geschützte Marke "Champagner". Er darf nur in dem Weinbaugebiet Champagne in Frankreich nach streng festgelegten Regeln angebaut und gekeltert werden, der Markenschutz ist sehr, sehr streng. Nicht zuletzt deshalb gehört Achim von Arnim mit einigen anderen zu den Vätern der Methode Cap Classique (MCC), der Herstellung von Sekt. Auf Haute Cabriere werden diese in Flaschengärung aus Pinot Noir und Chardonnay hergestellt - und was soll ich sagen? Sie schmecken vorzüglich, am besten gefiel uns der Pierre Jourdan Brut Cuvée Belle Rosé brut.

Aber nicht nur die netten "bubblies" haben wir bei der abschließenden Weinverkostung probieren können, auch Weine aus Pinot Noir sowie eine Cuvee aus Chardonnay und Pinot Noir Trauben haben wir getrunken. Lecker waren sie, diese Weine. Eine Flasche Haute Cabrière Pinot Noir Reserve fand den Weg in den Rucksack der jüngsten Testerin, kam heil in Berlin an und wartet nun darauf, zu einer ganz besonderen Gelegenheit einmal getrunken zu werden. Zum Wohl!

Leopard’s Leap Family Vineyards

Unser nächster Stopp an diesem Montag sollte Leopard’s Leap Family Vineyards sein, es liegt direkt neben dem altehrwürdigen La Motte. Ausgesucht hatte ich dieses Weingut wegen seines viel gelobten und von seiner Architektur her besonders interessanten Besuchercenters. Es besteht aus grafischen Stahlelementen und hohen Decken im Eingangsbereich mit vielen Glas-, Holz-, und Wasserelementen. So entsteht eine ganz moderne und harmonische Stimmung in einer naturbelassenen Umgebung. Leider war an unserem Besuchstag geschlossen.

 

So fuhren wir direkt weiter zu unserem nächsten Ziel.

Boschendal

Das Weingut Boschendal („boss en dal“ = Wald und Tal, wo der oben genannte Achim von Arnim arbeitete, bevor er sich auf Haute Cabriére selbstständig machte) ist eine der ältesten Weinfarmen Südafrikas. Es liegt am Eingang zum Franschhoek-Tal zwischen Simonsberg und den Groot Drakenstein Bergen.

 

Neben dem Weinbau ist auf Boschendal das Herrenhaus „La Rhône“ besonders beeindruckend, wie ich finde. Es gilt nicht umsonst als ein besonders gelungenes Beispiel kapholländischer Architektur. Es ist restauriert und steht heute unter Denkmalschutz. Leider war es wegen umfassender Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen zum Zeitpunkt unseres Besuches geschlossen, man konnte es nur von außen betrachten. Auf die nähere Betrachtung der schönen Yellowwood-Böden, der Möbel und Gemälde oder des Ming-Porzellans mußten wir leider verzichten.

 

Geöffnet war zum Glück der Farm Shop mit seinem Deli (und dem fröhlich prasselnden Kaminfeuer, an dem wir uns mal richtig aufwärmen konnten). Hier hatten wir die Gelegenheit, uns mit einem Imbiss zu stärken. Die Speisekarte bietet frische Gerichte nach aktuellem Angebot, Sandwiches, Burger, Salate und auch hausgebackenen Kuchen. Bei schönem Wetter kann man unter alten Bäumen auf dem grünen Rasen von Boschendal hervorragend picknicken (verschiedene Picknickkörbe kann und sollte man vorbestellen).

 

Die Gartenanlagen rund um die schöne Hofanlage sind ebenfalls einen Besuch wert (wenn man nicht so friert wie wir es bei unserem Besuch und unter 10°C taten).

 

Boschendal ist (fast) barrierefrei, es gibt Rampen, wenn nicht fest eingebaute so doch mobile, die bei Bedarf angelegt werden können. Die Wege sind ein wenig holprig, aber man kommt auch mit dem Rollstuhl klar. Ausgewiesene Behindertenparkplätze gibt es nahe zum Eingang der alten Hofanlage.

La Motte

Auf dem Plan stand eigentlich als nächstes Ziel La Motte. Hier wurde 1752 erstmals Wein angebaut und das Herrenhaus (auch Nationaldenkmal) entstand. Aber auch La Motte war geschlossen, es begann zu regnen, wir waren verfroren - daher ging es gleich weiter zu unserer zweiten Verabredung für den Tag.

Black Elephant Vintners

Zum Abschluss unserer Runde durch das Tal des Weines hatte ich mir noch ein weiteres Ziel ausgesucht. Dieses Mal ging es zu den viel gelobten Weinmachern außerhalb des Mainstream, nämlich Black Elephant Vintners. Hier liegt das Ziel ab von der Hauptroute, ein wenig den Berg hinauf und dann in einem kleinen, privat anmutenden Landhaus und seinen Nebengebäuden. Wir waren uns zunächst gar nicht so sicher, ob wir richtig angekommen waren. Ein netter, herzlicher Empfang machte uns aber schnell klar: hier sind wir richtig. Der Probierraum ist ebenerdig erreichbar, parken kann man unmittelbar vor dem Eingang - alles barrierefrei also.

 

Eigene Weinreben werden hier nur in ganz kleinem Umfang angebaut. Hier hat man sich darauf spezialisiert, die Trauben anderer kleiner, qualitätsbewusster Winzer aufzukaufen und im eigenen Haus zu Weinen auszubauen.Black Elephant Vintners gehört drei Männern - zwei Aussteigern aus der Finanz- und Consultingbranche und einem Weinmacher. So kam das junge Unternehmen auch zu seinem Namen:

 

Kevin Swart = Black

Raymond Ndlovu = Elefant auf Zulu

Jacques Wentzel = ist der Winzer, also vintner

 

Wir hatten das Glück, von Jacques Wentzel persönlich ein wenig über das Unternehmen, seine Philosophie und die Weine zu erfahren. Gemütlich war es in der kleinen und sehr interessanten Probierstube. Viel Zeit hat er sich für uns genommen, viel erzählt und erklärt und unsere Fragen geduldig beantwortet.

 

Gekostet haben wir mehrere Weine - aber ich habe meinen Favoriten ganz klar gefunden. Am besten hat mir (der bekennenden Weißweintrinkerin!) der Amistad Pinotage 2014 geschmeckt: mit Beerennoten, nach Gewürzen duftend und mit grad richtigen Tanninen.

Gut gefallen hat mir auch: die Etiketten von Black Elephant Vintners erzählen manches Mal ganze Geschichten über den Wein, wann und mit wem man ihn trinken sollte. So beim "Two Dogs, a Peacock and a Horse, Sauvignon Blanc" oder bei meinem Lieblingswein, dem Amistad Pinotage:

 

Sieh's ein. Der Mensch braucht einen Freund. Einen Kumpel. Einen Freund. Das ist eine universelle Wahrheit. Jemanden, mit dem man die sonnigen Tage teilen kann. Einen Flügelmann für die nassen und windigen Tage. Man braucht einen Freund, der nicht nur da ist, wenn's ein Picknick gibt.Du brauchst einen, der mit der Schaufel kommt, mit Macheten oder einem Abschleppwagen, wenn Du stecken bleibst.

Das Leben ist gut. Das Leben ist rutschig. Sorg dafür, das du eine Hand hast, an der du dich fest halten kannst.

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