Weinwinter auf Langeoog {enthält Werbung}

Dünenhotel Strandeck
Dünenhotel Strandeck

Ihr wisst es ja schon, ich war im Januar für ein paar Tage auf der ostfriesischen Insel Langeoog. Über einige meiner Erlebnisse (überwinternde Strandkörbe, Süßwasserlinsen und auch den Winter auf der Insel) hatte ich auch damals schon, also recht zeitnah, berichtet. Heute möchte ich Euch etwas zum Anlass meines Aufenthaltes auf Langeoog verraten.

 

Ein Besuch auf Langeoog im Winter ist ein ganz anderes Erlebnis als im Sommer – aber nicht weniger reizvoll. Wer im Winter Langeoog einen Besuch abstattet, hat viel Ruhe und die Gelegenheit, nach innen zu horchen, einmal ganz bei sich selbst zu sein, die Natur, den Strand und das Meer viel intensiver zu genießen als es in den Sommermonaten möglich ist.

 

Genießen ist auch das Stichwort gewesen für Maike und Michael Recktenwald. Die alteingesessenen Langeooger Gastgeber dachten sich nämlich „Warum nicht einmal während unseres Winters Winzer auf die Insel einladen, kulinarischen Genuss und Weingenuss miteinander verbinden?“. Und so entstand der Langeooger WeinWinter. Er verbindet Neugier, Spaß Kennenlernen, Freude, gutes Essen und Wein. Also eigentlich Weinkultur „at its best“: genießen, probieren, staunen, Menschen kennenlernen und gemeinsam feiern.

Dünenhotel Strandeck

Tee zum Frühstück im Dünenhotel Strandeck
Tee zum Frühstück im Dünenhotel Strandeck

Gewohnt habe ich bei meinem Aufenthalt auf Langeoog im Dünenhotel Strandeck der Recktenwalds. Es ist auf der Insel fürs Leben das einzige Bio-Hotel, was 100 % „Bio“ bedeutet, von Käsen oder Schinken aus der Region bis zu hausgemachten Konfitüren, vom Hausschnaps „Seedüwel“ über die Säfte, bis hin zum regionalen „Tide-Bier“. Die Brötchen zum Frühstück kommen aus der Bio-Bäckerei der Familie, die Zutaten der Marmeladen sammeln Chef, Familie und Mitarbeiter zum Teil selbst zwischen den Dünen.

WeinWinter auf Langeoog

 im Panorama Restaurant „Seekrug“
im Panorama Restaurant „Seekrug“

Urlaub pur ist es auch, im angeschlossenen Panorama Restaurant Seekrug bei toller (Bio-)Küche und einem einzigartigen Blick über das Meer den Sonnenuntergang zu genießen. Wir hatten beim gemeinsamen Abendessen ein fantastisches Menü, bestehend aus einer Langeooger Wildcremesuppe, winterlichen Salaten und als Hauptgang der Keule vom Inselhasen ohne Knochen mit Wirsing, Schmorapfel und hausgemachten Kartoffelknödeln. Klingt ebenso gut wie es geschmeckt hat!  Die Inselküche lohnt also in jedem Fall einen Besuch, auch im Winter.

 

Und dies gilt ganz besonders, wenn die Insel fürs Leben eine „WeinWinter Insel“ für Genießer, Liebhaber kulinarischer Köstlichkeiten und Weintrinker ist. Vom 06.01.2018 bis zum 21.01.2018 werden sich zum 3. Langeooger WeinWinter zahlreiche Biowinzer, Sommeliers und Wein-Fans auf der Insel einfinden, um ungewöhnliche Aktionen, Menüs und Tastings zu erleben und zu genießen.

 

Ich hatte im Januar beim 2. Weinwinter die Chance, einige Veranstaltungen zu erleben und möchte Euch heute Appetit machen. Vielleicht sucht Ihr ja noch nach einer kleinen, feinen Auszeit im nächsten Januar beim 3. Langeooger WeinWinter?

Rum-Tasting in der Weinperle

Endlich darf er auf einer Insel leben, auf der man das Geistreiche schätzt, sagt der Winzer und Weinhändler Bernd Frech von der „Weinperle“ im Restaurant He’ Tant auf Langeoog. Vielleicht braucht man es auch manches Mal, gegen die Kälte des ostfriesischen Inselwinters?

 

Eigentlich kommt er aus der Stuttgarter Ecke, ist also kein echtes Nordlicht. Und was hat ihn in der Bierregion Ostfriesland (wir erinnern uns … friesisch herb, wie das Land, so das …) ausgerechnet dazu gebracht, Wein verkaufen zu wollen? Es ist ganz einfach, die Touristen bringen ihn mit, den Wunsch nach einem guten Wein, nach verschiedenen Weinen, nicht nur rot oder weiß, süß oder halbtrocken. So ist Bernd Frech mit dem gemütlichen kleinen Laden mitten im Langeooger Zentrum in eine echte Marktlücke gestoßen.

 

Wir hatten die Chance, anlässlich des 2. Langeooger WeinWinters bei ihm einiges über Rum zu erfahren. Rum, das klassische Getränk der Insulaner, also, am liebsten als Mittel gegen die winterliche Kälte. Und was ich da alles gelernt habe. Nicht nur die braune, alkoholische Flüssigkeit für in den Kuchen oder in den Tee, verdünnt mit heißem Wasser als Grog gegen die Kälte. Oh nein, Rum kann und ist so viel mehr!  

  • Gestartet sind wir mit dem Rum Don Papa von den Philippinen, genauer von der Insel Negros. Wir erfahren, dieser Rum wird aus Melasse hergestellt, reift dann für 10 Jahre in einem Holzfass. Lecker mild, ein wenig süß schmeckt er. 
  • Weiter ging es mit einem Rum aus der Dominikanischen Republik Ron Esclavo. Er kommt in drei Alterungsstufen, nämlich 12, 15 und 23 Jahre alt. Muss ich erwähnen, dass der Preis mit dem Alter steigt? - erschwinglich bleibt er jedenfalls. Mein Favorit beim Tasting war der 15-jährige, mit 38 Vol.% der „schwächste“ der drei Brüder. Er war für meiner Auffassung der mit einem tatsächlich runden, vollen und weichen Geschmack. Der ältere Bruder mit 42 Vol.% kam mir persönlich zu nussig und mit einem leichten Lederton daher. 
  • Umgehauen, einfach weil ich nie damit gerechnet hatte, hat mich ein Rum von der Insel Mauritius mit dem einfachen und sehr treffenden Namen Gold of Mauritius. So eine Geschmacksexplosion mit Aromen von Früchten, etwas Holz und einem Nachklang von dunkler Schokolade, das traute ich bis dahin einem Rum nicht zu.

Alles in allem ein wunderbares Erlebnis, ein solches fachkundig begleitetes Rum-Tasting. Von mir gibt es eine unbedingte Empfehlung, wenn Ihr auf Langeoog seid und die Gelegenheit habt: unbedingt teilnehmen! Und wenn das nicht der Fall ist, dann schaut auf jeden Fall dennoch 'rein in die Weinperle, auf ein Glas Wein oder einen Rum, auf einen Schnack mit dem netten und vor allem fachkundigen Gastgeber Bernd Frech!

Der Sherry-Botschafter erzählt

der Sherry-Botschafter bei seinem Vortrag
der Sherry-Botschafter bei seinem Vortrag

Michael Recktenwald ist nicht nur Hotelier, Gastronom und (Mit-)Organisator des Langeooger Weinwinters, er ist auch Sherry-Botschafter. Was lag also näher, als einen Abend mit ihm zu verbringen und mehr über Sherry zu erfahren.

 

Und eines muss ich zu meiner Schande gestehen, von Sherry hatte ich bislang keine Ahnung – und wie ein echter Banause habe ich das edle Getränk bisher behandelt. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur eines anführen: vielleicht lag es daran, dass man in deutschen Restaurants (*Ich entschuldige mich ausdrücklich bei allen Restaurants, die mit Sherry sachkundig und liebevoller umgehen für meine möglicherweise unzulässige Verallgemeinerung!) Sherry nur in drei Varianten kennt – trocken, süß oder medium? Und von diesem Angebot hat mich offen gestanden bislang nichts so wirklich vom Hocker gerissen. Das wiederum mag darin begründet sein, dass die Flaschen mancherorts oft genug staubig über Wochen (oder gar Monate?) geöffnet irgendwo herum gestanden hatten, bevor sie ausgeschenkt wurden …

 

Denn dies war meine erste Lektion:  Sherry ist ein Wein und wie jeder Wein nach Anbruch gekühlt und dunkel allenfalls noch für 5 oder 6 Tage haltbar (etwas anderes gilt für ältere und alkoholreichere Sherrys, die halten es u. U. auch mal einen Monat kühl, ruhig und dunkel aus). Eine geöffnete Flasche Wein würdet Ihr ja schließlich auch nicht monatelang auf dem Wohnzimmerschrank stehen lassen, oder?  Im Gegensatz zu anderen Weinen empfiehlt es sich auch, Sherry stehend zu lagern. Dadurch kommt nur ganz wenig Wein oben im Flaschenhals mit Luft in Kontakt und die Oxidation kann weitestgehend vermieden werden.

 

Dass jeder Sherry ein bestimmtes Alter hat und dass er seine Reifezeit höchst kompliziert im Ausbau nach dem Criadera-Solera-System wusste ich bisher auch nicht. Seinen Namen hat das Verfahren von der Bezeichnung der untersten Fassreihe solera, das heißt am Boden liegend, die darüber gestapelten Reihen nennt man criaderas, was Zucht heißt. Aus der untersten Reihe Fässer wird etwa ein Drittel des fertig gereiften Sherry abgefüllt. Diese teilweise geleerten Fässer werden sodann mit jüngerem Wein aus der nächsthöheren Reihe befüllt. Diese Vorgehensweise wird wiederholt, bis die höchste Reihe leer ist und mit frischem Wein nachgefüllt wird.

 

Spätestens jetzt war mir klar: der 08/15 Sherry aus dem Supermarkt hat nichts mit einem wahren Sherry gemeinsam – außer seinem Namen und sicher der EU-rechtlich geschützten Herkunft. Ein echter Winzersherry ist da eine ganz andere Hausnummer.  In Andalusien heißt es: Es gibt für jeden Geschmack und für jede Gelegenheit den passenden Sherry. Ich kann es mir vorstellen, dass Sherrys klar und gelbgrün über Schattierungen von Gold, Bernstein und Kastanienbraun bis hin zu den dunklen Farben der natursüßen Weine auch eine vergleichbare Geschmacksvielfalt mitbringen. Wir haben verschiedene Sherrys verkosten können und dabei die erstaunliche Bandbreite der Sherry-Weine erfahren

  • Fino – ein trockener, weißer Wein von hellgelber Strohfarbe mit einem frischen Geschmack
  • Manzanilla – ein trockener und süffiger Wein mit einer weniger ausgeprägten Sherry Note
  • Amontillado – ein stärker oxidierter Sherry in bernsteinfarbenen Tönen mit einem höheren Alkoholgehalt, der es auch als Begleiter mit scharf gewürzten Gerichten aufnehmen kann (den trinkt Miss Sophie beim „Dinner for one“ zur Mulligatawny-Suppe)
  • Oloroso – dieser Sherry wird von Anfang an „aufgespritet“, es wird ihm also Weingeist zugesetzt um auf einen Alkoholgehalt von 17 bis 22 Vol.% zu kommen. Er schmeckt recht kraftvoll und komplex. Aufgrund der längeren Lagerung weist er eine deutlich dunklere Farbe auf.
  • Pedro Ximenez oder PX – die namensgebenden Trauben für diesen Sherry werden an der Sonne getrocknet, bis ihr Zuckergehalt stark erhöht ist und sie zu Rosinen werden. So entsteht der wahrscheinlich süßeste Wein der Welt. Erstaunlicherweise schmeckt er dennoch fruchtig und dank des Alkoholgehaltes gut ausbalanciert.

Der Abend war kurzweilig, amüsant und auch lehrreich. Michael Recktenwald als Sherry-Botschafter ist ein engagierter Erzähler, der es mit Leichtigkeit, Fachwissen und Humor geschafft hat, mich für den Sherry ganz anders zu begeistern. Auch hier: es lohnt sich, an einer vergleichbaren Veranstaltung teilzunehmen.

Ergänzende Informationen

Die Blogger mit Hinrik Dollmann, Tourismusmanager der Insel Langeoog
Die Blogger mit Hinrik Dollmann, Tourismusmanager der Insel Langeoog

Weitere Berichte von mir gibt es zum Reisen nach Langeoog im Winter, zu Strandkörben und  zu Wasserlinse und Ostfriesentee.

Gemeinsam mit mir waren ebenfalls andere Blogger auf Langeoog. Deren Beiträge findet Ihr hier:

Ich wurde zu dieser Reise von Tourismus Service Langeoog eingeladen. Vielen Dank für die Einladung und die Möglichkeit, die Insel im Winter so intensiv erleben zu können. Das hier ist meine persönliche Meinung!

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... noch mehr Wein gibt es hier

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Kommentare: 2
  • #1

    Beate (Samstag, 23 September 2017 11:58)

    Das macht Spaß auf Langeoog im Winter, klingt alles sehr gut und lecker. Na ja, bis auf die Marmeladen, deren Zutaten "zwischen den Dünen" gesammelt werden ... oder habe nur ich zuviel Fantasie bei der Überlegung, was man dort so alles finden kann? :-))

  • #2

    Zypresse (Dienstag, 26 September 2017 08:49)

    Liebe Beate, ja, ich denke, Du hast zu viel Phantasie. Sammelst Du keine Brombeeren oder Pilze? Nichts anderes ist das doch mit Hagebutten oder Sanddorn die in den Dünen wachsen. Die Hagebuttensalsa vom Strandeck ist jedenfalls ganz besonders lecker, sowohl zu Fleisch (was Dir ja egal ist), als auch zu Käse!