Unterwegs mit einem Zweimaster in der Bay of Islands {enthält Werbung}

R. Tucker Thompson am Anleger in Russell
R. Tucker Thompson am Anleger in Russell

Wir waren ein wenig zu früh im Hafen von Russell, der idylisch an der Bay of Islands liegt, und konnten so die R. Tucker Thompson schon beim Anlegen ausführlich bewundern. Ein wunderschönes und stolzes Schiff, das sich anmutig dem Pier näherte.

 

Schnell wurde noch eine Tablette gegen Seekrankheit eingeworfen, bevor wir mit ca. 40 anderen an Bord gingen. Der Durchbruch in der Reling für den Einstieg hätte keinen Zentimeter schmaler sein dürfen. Aber so passte der Rollstuhl ohne weiteres haargenau durch.

 

Die Fahrt mit dem Motorsegler sollte ca. 5 Stunden dauern. Bevor es dann endlich losging, gab der Skipper noch die notwendigen Sicherheitshinweise. Das Wetter war super toll. Die Sonne strahlte vom wieder ein Mal absolut blauen Himmel und nachdem zunächst zwei Segel gesetzt waren, gab es auch ausreichend Schatten, um nicht sofort von der Sonne verbrannt zu werden. Allerdings hat die Crew auch Sonnenschutzcreme verteilt.

 

Die Passagiere waren aufgefordert, beim Segelsetzen zu helfen. Und so haben wir dann, in Erinnerung an unsere Prüfung für den Motorbootführerschein, eine Klampe mit Kopfschlag belegt. Die Segel dienten jedoch zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht der Fortbewegung. Dafür gab es nicht genügend Wind. Darauf hatte auch der Skipper schon hingewiesen. Deshalb schipperten wir vorerst noch mit Motorkraft durch die Bay of Islands über sehr klares und sehr blaues Wasser vorbei an zahlreichen Inseln und Inselchen. Die Bay of Islands lag an diesem Vormittag ganz ruhig da und es gab nur ganz kleine Wellen. Nur wenn ein anderes Schiff vorbeikam, schaukelte es ein wenig mehr, was aber sehr angenehm war.

Die R. Tucker Thompson

R. Tucker Thompson kurz vor dem Anleger in Russell
R. Tucker Thompson kurz vor dem Anleger in Russell

Bei der "R. Tucker Thompson" handelt es sich um einen Zweimast-Schoner, der dem R. Tucker Thompson Sail Training Trust gehört. Während der Saison von Oktober bis April segelt das Schiff zwei Mal täglich in der Bay of Islands und ermöglicht dabei Touristen einen unvergesslichen Tag auf See. Zwischen Mai und September dient es unter dem Motto "Lernen für das Leben durch das Meer" als Schulschiff für Jugendliche.

 

1977 begann Robert Tucker Thompson mit seinem Sohn Tod das Schiff zu bauen. Leider wurde Tucker 1978 krank und starb kurz danach im Alter von nur 49 Jahren. Die Arbeiten an dem Schiff ruhten bereits einige Jahre, bevor sein Sohn Tod 1982 beschloss, den  Bau zusammen mit Russel Harris wieder fortzuführen. Wegen der sehr begrenzten finanziellen Mittel mussten zahlreiche Ausrüstungsteile gewissermaßen "recycelt" werden. 

R. Tucker Thompson
R. Tucker Thompson

So wurden zum Beispiel

  • der Anker in einem Pub in Auckland ersteigert
  • die Ankerwinde aus einer Planierraupe hergestellt
  • Belegnägel und das Steuerrad aus alten Pururi Zaunpfosten gefertigt
  • Holme aus Abrissholz eines alten Gebäudes in Auckland gebaut
  • die Oberlichter aus der Yacht Askoy ausgebaut und in die "R. Tucker Thompson" wieder eingebaut

Der Stapellauf der R. Tucker Thompson erfolgte am 12. Oktober 1985 auf Mangawhai Beach. Die erste große Fahrt erfolgte dann Ende 1986. Die R. Tucker Thompson segelte durch den Südpazifik und den Panamakanal nach England. Dort schloss sie sich einem Flottenverband von sechs weiteren Segelschiffen an, der auf den Wegen der ersten Flottenreise nach Australien gelangen wollte: eine Neuinszenierung zur Feier der australischen Zweihundertjahrfeier. Sie verließ England im Mai 1987 nach Australien und segelte mit der Flotte über Teneriffa, Rio de Janeiro, Kapstadt, Mauritius und Fremantle um am Australien-Tag (26. Januar 1988) in Sydney anzukommen.

Segeltörn in der Bay of Islands

Der Skipper der R. Tucker Thompson gibt die Sicherheitsunterweisung
Der Skipper der R. Tucker Thompson gibt die Sicherheitsunterweisung

Nach gut 2 Stunden „Segeln“ gingen wir vor einer kleinen Insel vor Anker. Das Beiboot wurde von der Crew klargemacht und alle, die trockenen Fußes den Strand erreichen wollten, wurden übergesetzt. Einige sind auch, nach einem beherzten Sprung ins Wasser, zur Insel geschwommen. Das Schiff bewegte sich ganz leicht in der Dünung. Der Himmel war immer noch blau, die Sonne schien und es wehte ein laues Lüftchen Und alles wäre wunderbar gewesen, wären da nicht zwei deutsche Pärchen gewesen, die sich die ganze Zeit so laut unterhalten mussten, dass es mit der Ruhe absolut vorbei war. Schon während der Fahrt konnten die Mutigen in die Wanten klettern, natürlich gesichert durch ein entsprechendes Klettergeschirr, und von weit oben die Aussicht genießen. Bei unserer Pause vor der Insel gab es auch die Möglichkeit, sich an einem Seil über Bord zu schwingen und dann ins Wasser plumpsen zu lassen. Für Unterhaltung war also gesorgt, so dass sich niemand langweilen musste.

Essen an Bord

Mittagessen an Bord der R. Tucker Thompson
Mittagessen an Bord der R. Tucker Thompson

Kurz nach dem Ablegen gab es frisch gebackene Scones mit Erdbeermarmelade und Clotted Cream sowie Tee oder Kaffee. Sehr lecker und genau im richtigen Moment.

 

Während des Ankerns wurde von der Crew das Mittagessen vorbereitet. Nachdem der Skipper es nach mehreren Anläufen geschafft hatte, den Grill an Deck anzuschmeißen, wurde zuvor bereits eingelegtes Hühnchen geröstet. Unter Deck wurden grüner Salat und Kartoffelsalat vorbereitet. Nach dem alle wieder eingesammelt und an Bord waren, stürzten sich alle auf das Essen. Erwerben konnte man alkoholische oder auch nicht alkoholische Getränke. Wasser aus der Leitung war inbegriffen und konnte in ausreichendem Maße unter Deck gezapft werden. Leider gab es nach dem Mittagessen weder Kaffee noch Tee.

R. Tucker Thompson unter Segeln

R. Tucker Thompson unter Segeln zurück nach Russell
R. Tucker Thompson unter Segeln zurück nach Russell

Nachdem alle ausreichend gegessen und getrunken hatten und alles wieder aufgeräumt war, konnten wir unseren Segeltörn fortzusetzen. Allerdings war inzwischen der Wind aufgefrischt, so dass sich das Schiff nach dem Setzen weiterer Segel tatsächlich ohne Motorkraft fortbewegen konnte. Zwar wurde es durch den Wind auch ein wenig kühler. Aber das ruhige Gleiten über das Wasser ohne Motorenlärm entschädigte dafür ohne weiteres.

 

Zwischendurch wurden auch noch Souvenirs zum Kauf angeboten, deren Erlös ebenfalls der Stiftung zugute kommt. Unglaublich schnell, für uns viel zu schnell, näherten wir uns auch schon wieder Russell. Die Segel wurden gerefft und kurz nach drei waren wir auch schon wieder am Steg.

 

Nachdem wir (ein wenig traurig) das Schiff verlassen hatten, haben wir an der Promenade erst einmal einen Kaffee getrunken und ein Stück Kuchen geteilt. Um 16:00 Uhr ist die R. Tucker Thomson wieder ausgelaufen und erneut voll besetzt, dieses Mal aber ohne uns, in den Sonnenuntergang gesegelt. Dieser Segeltörn war eine der wenigen win-win-Situationen im Leben: zum einen finanziell für die Stiftung, zum anderen für uns als sicherlich unvergessliches Reiseerlebnis.

Information und Barrierefreiheit

Auf der R. Tucker Thompson als Rollstuhlfahrer
Auf der R. Tucker Thompson als Rollstuhlfahrer

Wäre der Rollstuhl breiter als 60 cm gewesen, hätte der Zugang zum Schiff nicht so ohne weiteres geklappt. Allerdings hätte die Crew den Rollstuhl samt Inhalt sicherlich auch über die Reling gehoben, denn bei der Buchung wurde uns versichert, dass der Törn auch für Rollis geeignet ist. Die Toiletten waren allerdings im Unterdeck und nur über eine schmale Leiter zu erreichen. Insofern kann der Törn nur Rollis mit gut trainierter Blase empfohlen werden.

 

In der Saison 2017/2018 ist die R Tucker Thompson mit Touristen wieder ab 28.10.2017 bis zum 15.04.2018 unterwegs. Der Törn kostet

  • für Erwachsene NZ$149.00
  • für Kinder zwischen 5 und 14 Jahren NZ$74.50

Mit der R. Tucker Thompson auf einen Segeltörn zu gehen war übrigens eine Empfehlung von Jochen und Georg von Neuseeland-erleben.info - Danke dafür, dieser Tag gehörte definitiv zu den Highlights unserer Reise!

Unsere Tour in der Bay of Islands hat der R. Tucker Thompson Sail Training Trust durch einen Rabatt auf den Ticketpreis unterstützt. Ich bedanke mich herzlich dafür. Meinung und Bewertung bleiben wie immer meine ganz persönliche.

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Kommentare: 4
  • #1

    Robert (Mittwoch, 17 Mai 2017 09:29)

    Hallo Ulrike, schöner Bericht über Euren Segeltörn mit der R Tucker Thompson. Ich war im Dezember1999/Januar2000 in Neuseeland unterwegs, hab die letzte Woche meines NZ-Aufenthalts in Paihia verbracht und seinerzeit auch den Segeltörn unternommen, der damals noch eine Tagestour war, soweit ich mich erinnere. Eine herrliche Tour, und ich durfte seinerzeit gut 2 Stunden Steuermann dieses Schiffes sein, natürlich unter Anweisung der Skipperin.
    LG Robert

  • #2

    Zypresse (Mittwoch, 17 Mai 2017 13:13)

    Hallo Robert,
    der Skipper ist jetzt ein alter Seebär... nett und mitteilsam ist er. Und wer möchte darf immer noch das Steuer übernehmen. Ich habe lieber fotografiert, mir den Wind um die Nase wehen lassen und die Tour genossen.
    Bis bald mal,
    Ulrike

  • #3

    Beate (Donnerstag, 18 Mai 2017 07:50)

    Seufz …
    "Südliche Meere und ein gutes Schiff – das Leben hat nichts Besseres zu bieten" meinte Mark Twain. Recht hatte er! Dein Sehnsucht machender Bericht und die Fotos erinnern mich an unseren großartigen Törn auf dem Zweimast-Schoner "Appledore" vor Key West: zwar gab es leider keinen Cornish cream tea, aber dafür Cocktails. Denn bei uns hieß es im April 2010: mit vollen Segeln in den Sonnenuntergang!
    LG Beate

  • #4

    Zypresse (Donnerstag, 18 Mai 2017 09:33)

    Och ja... die Sonnenuntergangstour hätte vielleicht auch Cocktails zu bieten gehabt, liebe Beate. Aber so haben wir den Untergang der Sonne mit einem schönen Blick über Russell und die Bay of Islands von unserer Terrasse aus genossen - mit einem Glas gut gekühltem Sauvignon Blanc von Yealands (siehe https://www.zypresseunterwegs.de/2017/04/09/weinanbau-in-neuseeland-weing%C3%BCter-in-blenheim/ ), das war auch schön.