Ausflug in die Geschichte - Waitangi Treaty Grounds

Waitangi Treaty Grounds - Eingangsgebäude
Waitangi Treaty Grounds - Eingangsgebäude

Am 6. Februar 1840 wurde in einem Zelt vor dem "Treaty House" der Vertrag von Waitangi von Vertretern Großbritanniens und einigen Maoriführern ratifiziert. Durch diesen Staatsvertrag wurde Neuseeland offiziell eine Kolonie und gehörte somit zum Britischen Empire. Dieses Datum wird als „Geburtsstunde“ des modernen Neuseeland gesehen und der Tag seit 1974 als Nationalfeiertag von Neuseeland gefeiert, der Waitangi Day.

 

Auf dem Gelände der Waitangi Treaty Grounds steht ein modernes historisches Museum, das am Waitangi Day 2016 eröffnet wurde. Zur Jahrhundertfeier des Vertrages wurde 1940 bereits das Te Whare Runanga, ein traditionelles Versammlungshaus der Maori, errichtet. Ebenfalls ist ein Nachbau von Waka Ngatokimatawhaorua, einem Maori-Kriegs-Kanu, zu sehen, das in einer mit traditionellem Schnitzereien versehenen Bootshalle ausgestellt ist.

Te Kōngahu - Museum von Waitangi

Te Kōngahu - Museum von Waitangi
Te Kōngahu - Museum von Waitangi

Zunächst konnten wir uns ca. 1 Stunde lang das am 6. Februar 2016 eröffnete Te Kōngahu Museum of Waitangi ansehen. Hier sind die Ereignisse seit dem ersten Zusammentreffen von Engländern und Maori bis zum heutigen Tage chronologisch dokumentiert. Die Geschichte der Besiedlung sowie die Beziehungen zwischen Maori und späteren Einwanderern werden ausführlich und nachvollziehbar dargestellt.

 

Der größte Teil der Ausstellung widmet sich natürlich dem Vertrag von Waitangi und den Problemen, die durch die unterschiedlichen Auslegungen der differierenden Übersetzungen entstanden sind. 43 Maori-Häuptlinge traten damals ihre Hoheitsrechte an das Vereinigte Königreich und Königin Victoria ab und wurden mit ihrem Volk, rechtlich gesehen, den britischen Staatsbürgern gleichgestellt. In der Folgezeit wurde der Vertrag auf "Reisen" geschickt und mehr als 500 Maori-Führer haben den Vertrag unterschrieben.

im Museum werden interessante Kurzfilme zur Geschichte des Vertrags von Waitangi gezeigt
im Museum werden interessante Kurzfilme zur Geschichte des Vertrags von Waitangi gezeigt

Der genaue Inhalt dieses Vertrages ist bis heute eine Frage, über die in Neuseeland immer noch heftig gestritten wird. Denn es geht dabei vor allem um Fragen des Landbesitzes. Den Vertrag gab es in zwei Varianten: Die englische "Urfassung" wurde in Maori "übersetzt". Die Übersetzungen weichen teilweise voneinander ab und sind mitunter auch nicht eindeutig formuliert. Bis heute beschäftigt die korrekte Auslegung die höchsten Gerichte des Landes. Auch in zahlreichen Museen sind ausführliche Informationen zu dem Thema zu finden. In jüngster Zeit gab es endlich Schadensersatzzahlungen an Maori-Stämme, die für die widerrechtliche Enteignung von Fischgründen entschädigt wurden.

Waka Ngatokimatawhaorua

Waka Ngatokimatawhaorua, das größte Maori-Kriegs-Kanu der Welt
Waka Ngatokimatawhaorua, das größte Maori-Kriegs-Kanu der Welt

Waka Ngatokimatawhaorua ist das größte Maori-Kriegs-Kanu der Welt. Jedes Jahr zu den traditionellen Feierlichkeiten zum "Waitangi Day" am 6. Februar wird das Boot zu Wasser gelassen. Das sechs Tonnen schwere Kanu benötigt eine Besatzung von mindestens 76 Ruderern, um eine Höchstgeschwindigkeit von rund 25 Km/h zu erreichen. Das Maori-Kriegs-Kanu erhielt deshalb auch einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde.

 

Die schönen Schnitzereien stellen die Fertigkeiten anschaulich dar, mit denen die Maori diese Kunst beherrschen. Die geschnitzten Gesichter haben Augen aus Paua Muscheln.

 

Kanu heißt Waka in Maori. Das Waka Ngatokimatawhaorua brachte die ersten Maori aus Polynesien nach Neuseeland. Ursprünglich handelte es sich um einen 35 Meter langen Einbaum, der in der traditionellen Technik der Maori aus nur einem einzigen Kauribaum geschlagen worden war. Der Nachbau, der auf den Waitangi Treaty Grounds besichtigt werden kann, wurde dagegen aus drei Kauribäumen zusammengesetzt. Häuptling auf dem Waka war Nukutawhiti, der Enkel von Kupe, der Aotearoa (das Land der langen weißen Wolke), wie Neuseeland auf Maori heißt, entdeckt hat.

Te Whare Runanga

Te Whare Runanga -Versammlungshaus oder Marae
Te Whare Runanga -Versammlungshaus oder Marae

Te Whare Runanga stellt ein Symbol für die Beteiligung der Maori am Vertrag dar. Das Versammlungshaus, Marae genannt, wurde im typischen Stil der Maori Versammlungshäuser 1940 zur 100-Jahr-Feier erbaut und darf betreten und, im Gegensatz zu anderen Marae, sogar fotografiert werden. Die Besonderheit: Dieses Marae gehört keinem Stamm alleine, sondern allen Maori gemeinsam. Auch hier haben die Erbauer wieder ihre hervorragenden Fähigkeit im Bereich des Holzschnitzens gezeigt. 

 

Der Kopf bzw. die Figur an der Dachspitze stellt den Vorfahren dar, der Dachfirst ist der Rücken und die über die Außenwände ragenden Dachbalken sollen die Arme symbolisieren, die in Finger auslaufen. Die inneren Stützbalken sind die Rippen und die Einrichtung steht für die Brust und den Bauch des Vorfahren. Die Figuten sind mit Paua-Muscheln geschmückt.

 

Das Versammlungshaus wurde in die Nähe des Hauses von James Busby gebaut, um die Verbundenheit mit den Engländern zu demonstrieren.

Kulturprogramm mit Gesang und Tanz

Nach der Tour haben wir an einer kulturellen Aufführung mit Gesang und Tanz teilgenommen, die uns erneut mit der Kultur der Maori vertraut machen wollte. Allerdings war diese Vorführung wesentlich besser als die vorhergehenden Veranstaltungen. Allein durch die detaillierten Erklärungen vor den einzelnen Darbietungen war das Ganze wesentlich verständlicher. Die Aufführung fand natürlich im Versammlungshaus der Maori statt. Zunächst wurde aus den Reihen der Zuschauer ein "Häuptling" bestimmt, der mit seinem Stamm die "Hausherren" besuchen will. Letztere treten erst ein Mal ziemlich verärgert über die Störung aus ihrem Marae und bedrohen sogar den fremden "Häuptling". Nun ist es an den Ankömmlingen, die Bewohner davon zu überzeugen, dass sie tatsächlich in friedlicher Absicht kommen. Ist das gelungen, werden die Besucher hinein gebeten.

Fahnenmast
Fahnenmast

Der Fahnenmast auf der Wiese vor dem Marae und dem Gouverneurshaus markiert ungefähr die Stelle, an der 1840 der Treaty of Waitangi unterzeichnet wurde.

 

Ganz oben hängt die Flagge des heutigen Neuseelands. Rechts hängt auf halber Höhe die Flagge der United Tribes of New Zealand (siehe oben) und links daneben der britische Union Jack. In der Vergangenheit wurde mit viel List und Tücke immer wieder versucht, die Flagge der vereinten Stämme von Neuseeland gegen die offizielle Landesflagge an oberster Stelle auszutauschen.

 

Nach der Vorstellung haben wir eine Zeit lang vor dem Haus des Gouverneurs gesessen und den Blick über die große Rasenfläche und den Fahnenmast auf die Bay of Islands genossen. Bis eine weitere geführten Tour uns die Aussicht verstellte.

Information und Barrierefreiheit

teilweise ist das Gelände mit Holzbohlenwegen erschlossen
teilweise ist das Gelände mit Holzbohlenwegen erschlossen

Abgesehen von der Sandpiste vom Waka hoch auf das Plateau mit Marae, Treaty House und Fahnenmast lassen sich die Waitangi Treaty Grounds ohne weiteres mit dem Rolli machen. Einige Stücke sind relativ steil, aber mit ein wenig Hilfe zu bewältigen. Die geführte Tour über das Gelände war maximal nur während der ersten halben Stunde rollstuhlgerecht. Nach dem Waka besteht der Weg aus aufgeschüttetem und teilweise unterspültem Sand und führt ziemlich steil bergauf. Trotz mehrerer Hilfsangebote haben wir den bis dahin guten Weg zurück genommen und unsere Gruppe über einen festen und weniger steilen Alternativweg später am Fahnenmast wieder getroffen.

 

Alle, egal ob Mitarbeiter*Innen oder Besucher*Innen, waren bereit zu helfen. Wie überall in Neuseeland sind auch hier Toiletten für Rollis vorhanden. Für das Marae Te Whare Runanga gibt es extra eine Rampe zur Überbrückung der zwei Stufen, die bei Bedarf für Rollstuhlfahrer angelegt wird.

 

Der Waitangi Treaty Grounds Tagespass kostet

  • für Erwachsene NZ$ $40 und für Neuseeländische Einwohner mit ID NZ$20
  • Kinder bis 19 sind frei

 

Zu unserem Besuch des Waitangi Treaty Grounds mit Führung und Kulturaufführung wurden wir eingeladen. Ich bedanke mich herzlich dafür. Meinung und Bewertung bleiben wie immer meine ganz persönliche.

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Kommentare: 1
  • #1

    Beate (Donnerstag, 06 April 2017 06:59)

    Wie gewünscht ;-) hier mein historischer Kommentar. Leider gab's während unserer Weltreise 1984/85 nicht immer Zeit oder Lust, ausführliche Einträge ins Tagebuch zu machen. So finde ich unter dem Datum 30. Januar 85 auch nur Folgendes über Waitangi:
    "In Waitangi haben wir uns die Bay of Islands angesehen, das große Maori-Kriegskanu, das Maori-Versammlungshaus sowie das "Treaty House" – und viel gelernt über den Vertrag zwischen Maoris und Engländern, der hier unterzeichnet wurde. Am 6. Februar 1840.
    Leider sind wir am 6. Februar nicht mehr im Lande, um die diesjährigen Feiern mitzubekommen. Muß imponierend aussehen, wenn das Kriegskanu zu Wasser gelassen wird!"