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Teezeremonie im Toornhuus auf Borkum {Werbung}

Teezeremonie im Toornhuus auf Borkum {Werbung}
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Eine weitere Aktivität bei unserem Borkum Aufenthalt war eine Borkumer Teezeremonie im Toornhuus. Und, wenn Ihr die Chance zur Teilnahme habt: 

 

Dieses sehr kurzweilige und kulinarische Stück Ostfriesische Tradition jeden Mittwoch um 14.30 Uhr solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen.

 

Durch die ostfriesische Teezeremonie begleitete uns der Türmer des alten Leuchtturms, Gottfried Sauer. Wir hatten den Eindruck, besonders willkommene Gäste zu sein; so hatte der Türmer extra für den Garten eine Rampe zur Überbrückung der zwei Stufen an der Haustür des Toornhuuses besorgt und uns einen geeigneten Platz an einem Tisch für die Teezeremonie reserviert.

Herzlichen Dank dafür!

 

Begrüßt hat uns Gottfried Sauer auf friesisch oder besser gesagt, auf Borkumer platt. Wichtig zu wissen, so hat er uns erzählt ist es, das friesisch tatsächlich eine eigene Sprache ist die mit dem niederländischen verwandt ist. Wegen der intensiven Beziehungen von Borkum zum niederländischen Festland wird auch heute noch teilweise Niederländisch auf der Insel gesprochen.

 

Moin ist der Universal Gruß überall und jederzeit in Ostfriesland. Man kann ihn zu allen Tageszeiten verwenden. Das liegt daran, dass Moin nicht etwa von morgen kommt, sondern vom Wort moi. Es bedeutet angenehm, gut, schön. Mit anderen Worten, wenn man Moin moin sagt, sagt man schön schön und nicht etwa guten Morgen.

Geschichte des Leuchtturms

Gottfried Sauer, Türmer des alten Leuchtturms
Gottfried Sauer, Türmer des alten Leuchtturms

Die Teezeremonie im alten Toornhuus ist in der Tat ein besonders stimmungsvoller Ort: ein altes Haus mit einem tollen alten Küchenherd und den typischen Fliesen. Und in der verbundenen Stube mit schönen alten Möbeln, alten Leuchtern, Bildern, Fotografien und zahlreichem historischen Schnickschnack geht es dann zur Sache. Den Tee trinkt man an drei Tischen, die insgesamt vielleicht rund 25 bis 30 Personen Platz bieten. So kommt man auch ganz schnell ins Gespräch miteinander. Auf den Tischen ostfriesische Gemütlichkeit: Kerzen, Stövchen im klassischen Rosenmuster, Kluntje und Sahne und leckeres Teegebäck.

 

Wir erlebten wirklich eine typisch ostfriesische Teestunde, mit unterhaltsamen Geschichten. Wir erfuhren viel Wissenswertes über den Ostfriesentee, die Borkumer Geschichte und über den Alten Leuchtturm. Das Toornhuus wurde 1982 für damals 150.000 DM vom Bund gekauft. Der Alte Leuchtturm wurde im gleichen Jahr durch den Heimatverein für die symbolische Summe von 1,00 DM erworben. 

 

Das Toornhuus steht direkt neben dem Leuchtturm. Es ist auf den Mauern des alten Pastorenwohnhauses erbaut worden. Der alte Leuchtturm war nämlich zunächst kein Signal für Seefahrer, sondern bis 1811 eine Kirche.

 

Zur Geschichte des Leuchtturms gibt es einiges zu berichten. Erbaut wurde er aus den Resten der Backsteine, die beim Bau des Emdener Rathauses übrig geblieben sind. Er liegt rund 50 m über Seekarten-Null (traditionell das mittlere Springniedrigwasser – jener besonders niedrige Wasserstand, den das Ablaufen der Ebbe bei Voll- oder Neumond hinterlässt). Der Alte Leuchtturm war vom Datum der Errichtung, 1576, bis 1817 ausschließlich für die Navigation am Tage in der Verwendung. Mit Hilfe von Baken wurden mittels Deckpeilung die einzelnen Fahrwasser der Ems angesteuert. Ab 1817 erhielt der Turm das erste Leuchtfeuer mit einer Reichweite von bis zu 13 km. Mit der Einführung der Fresnelschen Stufenlinse 1857 konnte die Reichweite auf 18 km gesteigert werden.  1879 kam es zu einem Brand der gesamten Lampenebene. Dies führte dazu, dass der alte Leuchtturm außer Betrieb genommen werden musste.

 

Der neue Leuchtturm wurde in nur wenigen Monaten, genauer vom 1. Mai bis zum 1. November 1879 erbaut und hatte schon damals eine Reichweite von rund 21 Kilometern. Er ist seit 1984 zur Besichtigung freigegeben, seit 1997 kann man dort auch heiraten.

Der echte Ostfriesentee

serviert wird der echte Ostfriesentee aus einer 630 g schweren Edelstahlkanne
serviert wird der echte Ostfriesentee aus einer 630 g schweren Edelstahlkanne

Aber nun zum Tee. Serviert wird der echte Ostfriesentee aus einer 630 g schweren Edelstahlkanne mit einem Sandwichboden. Im Inneren ist sie mit Messing ausgekleidet. An dieser Schicht haftet das Teein und sorgt dafür, dass der Tee aus der Kanne mit den Jahren immer besser schmeckt. Nie wird eine Teekanne mit Spülmittel oder gar in der Spülmaschine gespült, allenfalls wird sie mit heißem Wasser ausgespült.

 

Zubereitet wird der echte Ostfriesentee mit 11g Teeblättern, die mit sprudelndem Wasser übergossen werden. Dabei ist zu bedenken, dass sich das Volumen des verwendeten Assam Tees durch das Aufgießen des Wassers gut verdreifacht.

 

Im Durchschnitt trinken Ostfriesen im Jahr rund 300 Liter Tee (der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland liegt gerade einmal bei 28 Litern). Damit haben die Ostfriesen den weltweit größten Teeverbrauch pro Kopf.  Und: die Ostfriesische Teekultur ist durch die Deutsche UNESCO-Kommission im Dezember 2016 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.

 

Der Tee wird nach einer ganz bestimmten Regel ausgeschenkt.

  • Zunächst kommt ein Stück Kluntje (Kristalle aus Zucker, die aus konzentrierten Zuckerlösungen in mehreren Tagen auskristallisieren) in eine kleine und dünnwandige Tasse. Ein Kluntje erreicht erst nach zwei bis drei Wochen seine volle Größe von etwa 18 bis 24 Millimetern. Ein weißer oder brauner Kandis wächst in nur fünf Tagen und in ständiger Bewegung auf vier Millimeter an.
  • Der Zucker wird mit dem heißen Tee übergossen. Dabei hört man ganz schnell schon das typische Knistern, wenn sich der Kluntje aufzulösen beginnt.
  • Dann erst wird die mindestens 30 prozentige Sahne hinzugefügt, ganz vorsichtig und immer gegen den Uhrzeigersinn. Ganz wichtig: gerührt wird allerdings nicht.

Dadurch gibt es bei den gebräuchlichen kleinen Tässchen drei ganz charakteristische Schlucke: 

  1. erst das herbe Teearoma vom Tassenrand
  2. dann der milchige Teegeschmack der Tassenmitte
  3. und zum Schluss die Süße des gezuckerten Tees auf dem Tassengrund.

In Ostfriesland ist es heute noch so, dass drei Tassen Tee ein Mindestmaß sind. Falls man schon vorher ablehnt, gilt das als unhöflich bis beleidigend. Und wenn man nach der dritten, vierten, fünften … Tasse dann wirklich nichts mehr möchte legt man entweder den Löffel in die Tasse oder dreht die Tasse auf der Untertasse um.

Ergänzende Informationen

Borkum 53 ° 35 ' N, 6 ° 40 ' O
Borkum 53 ° 35 ' N, 6 ° 40 ' O

Die Teestunde mit der Teezeremonie findet jeden Mittwoch um 14.30 Uhr im alten Turmwärterhaus

Toornhuus am Alten Leuchtturm

Kirchstraße 2

statt. Sie dauert etwa 2 1/2 Stunden.

Eintrittskarten zum Preis pro Person 10,00 Euro gibt es in

Tanjas Teeladen

Franz-Habich-Straße 21

Telefon 04922 1091.

 

Termine für Gruppen nach Absprache beim Türmer Gottfried Sauer (Telefon 0172-6204289).

 

Weitere Berichte von mir gibt es allgemein zum Urlaub auf Borkum, aus dem Heimatmuseum Dykhus auf Borkum oder zu den Fähren nach Borkum.

Unsere An- und Abreise, den Aufenthalt und Restaurantbesuche haben wir selbst organisiert und bezahlt. Ich wurde bei einigen Recherchen auf dieser Reise von den Wirtschaftsbetrieben der Stadt NSHB Borkum GmbH unterstützt. Vielen Dank dafür  und die Möglichkeit, die Insel so intensiv erkunden zu können an Dennis Möller, Claudia Fink und Jelka de Buhr. Das hier ist meine persönliche Meinung, Fehler gehen ebenfalls zu meinen Lasten (Danke an Gottfried Sauer für die Hinweise)!

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Kommentare: 1
  • #1

    Beate (Sunday, 26 May 2019 09:55)

    Moin! Schöne Geschichte und Fotos; ich erinnere mich gerne an meine persönlichen Teezeremonien auf Borkum.
    Liebe Grüße von den Azoren - und gleich gibt’s Kaffee :-)
    Beate