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Bologna übers Wochenende

Bologna
Bologna übers Wochenende

Freitag hin, Montag zurück – die Billigflieger machen es möglich „mal eben“ ein Wochenende in einer fremden Stadt zu verbringen. Wir waren im Jahr 2009 in Bologna.

 

Hinweis: Unseren Bericht über den Aufenthalt in der Metropole der Emilia-Romagna gab es bisher als „statische Seite“ auf meiner Homepage, nun habe ich den Beitrag aktualisiert und veröffentliche ihn als Blogbeitrag.

 

So ist es uns möglich: mal eben fürs Wochenende dem grauen Alltag entfliehen und Urlaubsluft schnuppern. Anfang März 2009 sind wir dem nasskalten Wetter entflohen und verbrachten drei schöne Tage in Bologna.


Der Flughafen von Bologna ist nicht allzu groß und damit sehr überschaubar. Etwa alle 15 Minuten fährt der Aerobus  für 6 Euro in etwa 20 Minuten bis zum Hauptbahnhof – also mitten in die Stadt (man kann auch bereits früher, etwa an der Piazza Maggiore aussteigen). Die Busse sind so ausgestattet, dass sie auch von Rollstuhlfahrern benutzt werden können.

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Bologna - die Stadt

Türme
Torre Degli Asinelli und Torre Della Garisenda in Bologna

Bologna ist die Hauptstadt der Emilia Romagna. Die Stadt der schönen Künste und mit einem Universitätszentrum ist vor allem auch wegen ihrer ausgezeichneten Küche bekannt. Bologna ist Gastgeberin von Messen und der Name gehört zu den ganz großen, wenn es um Autos und Motoren geht. Ducati, Lamborghini und Maserati wurden alle hier in Bologna geboren und der Firmensitz von Ferrari ist nicht weit weg, in Modena.


Die Italiener klassifizieren Bologna gern als
• „la dotta“ – eine studierte Stadt,
• „la grassa“ – eine fette Stadt und
• „la rossa“ – eine rote Stadt.


Das Etikett der Gelehrtheit bezieht sich auf die älteste Universität der Welt (1088 gegründet). Das Etikett Fett bezieht sich auf das reichhaltige Bologneser Essen, wie Tagliatelle oder Tortellini. Und letztendlich kommt das rote Etikett sowohl von der Farbe der Ziegelhäuser als auch der traditionellen politischen Richtung seiner Stadtverwaltung bis 1999.

 

Bologna ist aber auch eine Stadt mit vielen Arkaden, die sich über rund 38 km im Stadtzentrum erstrecken; auch der einzige wirklich schiefe Turm Italiens, der Garisenda Turm steht hier (der Schiefe Turm von Pisa ist eigentlich ein Campanile, Glockenturm). Die Arkaden erweisen sich womöglich als praktisch, wenn ihr weniger Glück mit dem Wetter habt als wir? So kommt man trockenen Fußes durch die gesamte Stadt, ein Schirm ist eigentlich überflüssig. Wir hatten Anfang März bestes Frühjahrswetter, bei 16 Grad lachte die Sonne vom blauen Himmel und wir verbrachten viel Zeit im Café sitzend und die „belle donne italiane“ vorbeistöckeln sehend.

Palazzo del Podestà in Bologna
Palazzo del Podestà

Als Studentenstadt und Symbol eines guten Lebens ist Bologna für effizienten Service und die Freundlichkeit seiner Bewohner bekannt, die allgemein auch ein bisschen für ihre entspannte Lebensart beneidet werden.

 

Bologna ist aus einer etruskischen Siedlung entstanden und wurde später die römische Stadt Bononia. Während des Mittelalters entwickelte sich die Stadt zu einer Freien Stadt und erreichte den Höhepunkt ihrer Macht im 13. Jahrhundert. Obwohl sie im 16. Jahrhundert den Gesetzen des päpstlichen Staates unterworfen wurde, behielt die Stadt ihre rechtliche und politische Autonomie.

 

Das Stadtzentrum gehört zu den besterhaltenen in Europa (was vielleicht auch ein Grund war, sie mit anderen im Jahr 2000 zur Kulturhauptstadt Europas zu machen?) und ist voll von schönen Plätzen und alten Kirchen. Die Stadt ist voll gepackt mit Kunst, die die kulturelle Bedeutung der Stadt über die Jahrhunderte hinweg bezeugen.


Unser erster Weg führte uns ins Herz der Stadt, unter den Arkaden entlang der Via dell‘ Independenza zur Piazza Maggiore. Das ist der Hauptplatz (so auch die wörtliche Übersetzung seines Namens) von Bologna. Er ist von den bedeutendsten Gebäuden der mittelalterlichen Innenstadt umgeben.


Der Platz wird im Westen vom Palazzo d'Accursio (Palazzo Comunale) begrenzt, das heute als Rathaus der Stadt dient. Es wurde 1290 errichtet und nach einem Brand (1425) vom Architekten Fioravante Fioravanti renoviert: im Gebäude sind die Stadtkunstsammlungen von Bologna und das Museo Morandi untergebracht.

Basilika San Petronio

Meridian
Mittagslinie

An der südlichen Seite, vor dem Palazzo del Podestà, errichtet 1201 und zwischen 1472 und 1484 weitgehend renoviert, ragt die unvollendete Fassade der Basilika San Petronio hoch. Sie ist ein Beispiel für italienische Gotik, das gegen Ende 14. Jahrhunderts begonnen und erst drei Jahrhunderte später beendet aber nicht vollendet wurde. Die Basilika San Petronio ist die Hauptkirche von Bologna. Ihre Fassade beherrscht die Piazza Maggiore. Mit ihren gewaltigen Dimensionen (Länge 132 m, Breite 60 m, Gewölbehöhe 45 m) ist sie die fünftgrößte Kirche der Welt. Bemerkenswert ist das Farbenspiel der Wände und die polychromen Glasfenster.


Dem hl. Petronius, Bischof von Bologna im 5. Jahrhundert und Schutzpatron der Stadt, gewidmet, geht sie auf das Jahr 1390 zurück, als die Stadt Bologna Antonio Di Vincenzo mit dem Bau einer riesigen Kirche im gotischen Stil beauftragte. Ursprünglich sollte sie größer als der Petersdom in Rom werden. Auf Anordnung des Papstes - Bologna gehörte zum Kirchenstaat - wurde diese Absicht jedoch nicht ganz freiwillig aufgegeben. Sie trägt den Titel einer Basilica minor. In der Kirche ist auch der Meridian zu bewundern, der 1655 nach den Plänen des Astronomen Giovanni Domenico Cassini angelegt wurde: mit 66,8 m ist er die längste Mittagslinie der Welt.

Der „Bauch“ von Bologna

Leckereien in Bologna
im "Bauch" von Bologna

Schließlich liegt an der östlichen Seite der Palazzo dei Banchi. Man sieht eigentlich nur eine schlichte Fassade, die zwischen 1565 und 1568 nach dem Vorbild von Giacomo Barozzi auf Anleitung vom Vignola erbaut wurde, um die zuvor dort stehenden bescheideneren Gebäude zu ersetzen. Dort unter dem berühmten Bogengang, den die Bologneser Pavaglione nennen, waren früher Bank- und Wechselstubenangestellte tätig. Der verlängerte Teil des Bogengangs am Palazzo dei Banchi ist der Bogengang vom Archiginnasio, dem mittelalterlichen Sitz der Universität Bologna.


Das Gebiet, das heute als Piazza Maggiore bekannt ist, entstand im 13. Jahrhundert, als die Bologneser einen Raum als Marktplatz verlangten. Im 16. Jahrhundert wurde die gesamte Zone auf Anordnung des Papstes umgestaltet: Die angrenzende Piazza Nettuno wurde nämlich mit dem Neptunbrunnen vom Giambologna und dem Palazzo dell'Archiginnasio bereichert.

 

Heute schlägt hier das Herz der Stadt, die Cafés dienen als Freiluftbüro wichtiger Männer, ewig ihr geliebtes „telefonino“ am Ohr, als Treff- (und „Anbagger“-)Punkt für die vielen auch internationalen Studenten der Stadt (um uns herum ein babylonisches Sprachgewirr, Englisch, Deutsch, Holländisch, Französisch, Spanisch konnte ich unterscheiden), zum Ausführen der neuesten Mode und der „Bambini“, für Jung und Alt als Umschlagplatz von Informationen und sicher auch Klatsch … Wir haben Stunden hier verbracht, um uns herum passierte stetig etwas Neues.


Durch den Bauch von Bologna, durch die engen Gassen hinter dem Palazzo dei Banchi, machten wir uns auf den Weg zu den beiden Türmen der Stadt. Aber es sollte ein Weilchen dauern, bis wir dort ankamen, zu viel gab es zu sehen, zu bestaunen, zu riechen und zu kosten: Obst und Gemüse, frischer Fisch, hausgemachte frische Pasta, Salumerie mit einer unglaublichen Auswahl an Schinken, Würsten, Käsen, Fleischereien mit einem riesigen Angebot frischer Fleischwaren. Dazwischen diskutierende Paare, italienische Mamas, junge Männer, elegante Frauen, Kinder – man merkt sofort, dass Essen und Lebensmittel in Italien einen anderen Stellenwert haben als in Deutschland. Hier dreht sich alles um Feinkost. Es ist die Stadt der Mortadella, der Tortellini und Tortelloni, des Schinkens und des Parmesans. Die Auslagen der Feinkostläden sind voll von riesigen Mortadellawürsten und Parmesanlaiben, dicke Schinkenkeulen hängen von den Decken – ein einziges Schlaraffenland, diese Stadt. Ist das ein Wunder? Die Emilia-Romagna ist schließlich die Heimat von Köstlichkeiten wie Prosciutto, Parmesan, weißem Trüffel und Lambrusco.

Torre Degli Asinelli ,Torre Della Garisenda und Santo Stefano

Spiegel auf dem Flohmarkt
Flohmarkt vor Santo Stefano

Tapfer haben wir uns dann doch noch durchgeschlagen zu Torre Degli Asinelli und Torre Della Garisenda. Diese beiden schiefen Türme aus dem 12. Jahrhundert gehören zu den hauptsächlichen Symbolen Bolognas. Der höhere Turm ist mit 98 m der Torre degli Asinelli. Es dauert eine Weile bis man die vielen Stufen hinauf gestiegen ist, aber die einmalige Aussicht von dort oben soll jede einzelne Stufe wert sein. Das Treppenhaus ist allerdings höllisch eng und dunkel, nichts für Menschen, die unter Beklemmungen leiden

 

Besichtigen wollten wir eigentlich auch Santo Stefano. Unser Reiseführer behauptete, es handele sich um eine prächtige Gebäudeanlage, die aus sieben mittelalterlichen Kirchen besteht. Leider standen wir vor verschlossenen Türen: Mittagspause beim lieben Gott. Dafür fand vor der Kirchenanlage auf dem Katzenkopfpflaster ein netter Flohmarkt statt – dort ein wenig am Sonntagmorgen zu stöbern war auch spannend.

Santo Domenico, die Geburtsstätte des Dominikanerordens

Kircheninneres
Santo Domenico

Mehr Glück hatten wir bei Santo Domenico. Dies ist die Geburtsstätte des Dominikanerordens und die letzte Ruhestätte für die Gebeine seines Gründers. Sie hat eine herrliche romanische Fassade und gotische Kapelle. Der sonntägliche Gottesdienst ging grade zu Ende, mit viel Orgelmusik und schönem Chorgesang, für einen kleinen Rundgang vor dem Abschließen reichte die uns von einem streng dreinblickenden Dominikanerpater zugebilligte Zeit eben noch.

 

Die Bologneser Küche, die der Stadt den Namen „la grassa“ (die Fette) gegeben hat, ist in der ganzen Welt bekannt. Ihr müsst auf jeden Fall Mortadella probieren (die große runde Wurst mit Speckstücken), Tagliatelle al ragù (mit Fleischsauce, bloß nicht nach „Spaghetti Bolognese“ verlangen, das gilt hier offenbar als barbarisch …) und Lasagne verdi alla Bolognese (grüne Lasagne auf Bologneser Art), die in dieser Stadt zum ersten Mal serviert wurden. Die Tagliatelle sollen die langen blonden Haare der Lucrezia Borgia am Tag ihrer Hochzeit mit dem Duca von Ferrara, Alfonso D’Este nachahmen. Besonders berühmt sind die leckeren Tortellini. Die Sage berichtet, dass sie dem Nabel der Venus nachgebildet sind. Ebenfalls delikat und unbedingt zu kosten sind die Passatelli in brodo di carne (Passatelli in Rindsuppe).

 

Wir mussten nach nur drei Tagen diese schöne Stadt wieder verlassen, der Heimflug war gebucht – aber wir kommen sicher einmal zurück – und sei es nur, um bei Santo Stefano nicht mehr vor verschlossenen Türen zu stehen.

Bologna-Touren und -Aktivitäten*

... und sonst in Bologna? Barrierefreiheit, Hotels und Tipps

Bologna Canale delle Moline
Bologna Canale delle Moline

Zum Thema Barrierefreiheit: die Stadt ist recht eben und gut per Rollstuhl bzw. zu Fuß zu erkunden. Espresso kann man draußen sitzend nehmen, wir haben aber auch immer zugängliche Bars und Restaurants gefunden.  Hoteltipps gibt es hier aktuell von uns keine, schließlich ist unser Besuch dort schon 2009 gewesen. Danach waren wir zwar noch in 2013 und 2015 erneut in Bologna, aber die Hotels waren jeweils so lala. Falls von meinen verehrten Leser*Innen jemand einen guten Tipp hat: immer her damit.

 

Vom Flughafen von Bologna aus fährt etwa alle 15 Minuten der Aerobus  für 6 Euro in etwa 20 Minuten bis zum Hauptbahnhof. Die Busse sind Rollstuhlgeeignet.

 

Und zum Abschluss noch ein Tipp, den ich zumindest nicht im Reiseführer gefunden hatte:

 

Unter der Stadt verläuft ein dichtes Netz an Wasserkanälen und Schleusen, die die Stadt bereits seit dem Mittelalter mit Energie für die Maschinen der Seidenwebereien oder Getreidemühlen versorgten und als Handelswege dienten, z.B. als Verbindung nach Venedig. Dabei liegt Bologna im Inland, d. h. beim Bau der Kanäle wurde das Wasser zweier Flüsse kompliziert umgeleitet. Teile dieses versteckten Kanalsystems im Untergrund von Bologna kann man immer noch entdecken. Genauer beschrieben hat das black dots white spots im Blogbeitrag Die geheimen Kanäle von Bologna.

 

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