Carolina on my mind: die Outer Banks

South Beach Grill, Wrightsville Beach, NC
South Beach Grill, Wrightsville Beach, NC

Via Charlotte führte uns die Reise 2014 weiter Richtung Küste, auf Interstate und anderen gut ausgebauten Highways. Der Verkehr lief ruhig, mit den erlaubten maximal 65 mi per hour ( = 105 km/h) und dennoch. Irgendwo auf der Strecke passierten wir einen Unfall. Mehrere Autos waren aufeinander gefahren, ein Auto lag sicher 5 Meter tiefer in der Böschung. Rettungswagen und Polizei kamen uns entgegen, kaum dass wir die Unfallstelle hinter uns gelassen hatten. Wenn man den Verkehr auf den vollen deutschen, europäischen Straßen und die generell schnellere (und auch aggressivere) Fahrweise gewöhnt ist, wundert es schon, wie es auf freier Strecke bei mäßiger Geschwindigkeit zu solchen Unglücken kommen kann.

 

Unser Tagesziel war Wilmington, Heimat des Schlachtschiffes USS North Carolina, welches dort heute als Museum zu besichtigen ist. Es liegt im Cape Fear River. Wilmington besitzt eine historische Innenstadt, geprägt von herrschaftlichen Häusern im Antebellum-Stil. Durch die Atlantiknähe Wilmingtons gewinnt der Tourismus zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung, ebenso wie durch die seit den 1980er Jahren stark vertretene Filmindustrie.

 

Nach der langen Autofahrt war uns aber nicht nach Stadtbesichtigung zumute und so fuhren wir am späten Nachmittag an den Strand nach Wrightsville Beach. Das nette Örtchen besitzt einen 4 Meilen (knapp 6,5 km) langen Strand und eine Binneninsel. Es gibt Ferienwohnungen, Strandhotels und Beachlife - und natürlich leckeren Fisch zu essen.

 

Davon konnten wir uns im South Beach Grill überzeugen. Besonders lecker war die in Süßkartoffeln panierte Scholle mit frischen Kräutern in der Pfanne gebraten mit einer Zitronen- Thymian-Honig-Sauce. Und ein Erlebnis waren die „Southern Fried Black Eyed Peas”, gebratene Schwarzaugenbohnen (oder Kuhbohnen, Schlangenbohnen) mit Salz, Kreuzkümmel und in Bourbon kandiertem Speck gewürzt. Ich fand sie köstlich! Und dort auf der Terrasse zu sitzen, den Sonnenuntergang zu betrachten, ein kühles Glas Weißwein, ein schmackhaftes Essen - das hatte wahres Urlaubsfeeling.

Outer Banks - oder OBX

Atlantik bei Kitty Hawks
Atlantik bei Kitty Hawks

Am nächsten Morgen brachen wir auf und machten uns auf den Weg zu den Outer Banks. Nachdem ich am Vorabend online die Fährzeiten gecheckt hatte, hatten wir beschlossen nicht die sehr reizvolle Strecke via Cedar Island und mit der Fähre nach Ocracoke Island zu machen - das würde uns bis zum Etappenziel dann doch zu viel Zeit kosten (oder bedeuten, dass wir schon sehr, sehr früh aufstehen müssten - und es ist doch Urlaub!). Stattdessen nahmen wir die US 17 am Marine Corps Camp Lejeune vorbei über New Berne nach Washington, NC (nein, kein Schreibfehler: die nette Kleinstadt heißt so) und bogen dann ab auf die 264 durch die Sümpfe North Carolinas und durch ein großes Waldbrandgebiet bevor wir den Croatan Sound auf der eindrucksvollen Brücke überqueren und via Roanoke Island auf die Outer Banks und zu unserem Hotel in Kitty Hawks gelangten.

 

Der Abend stand im Zeichen der Wäschepflege: uns gingen langsam die Klamotten aus und so verbachten wir am Abend 1 ½ Stunden vor und in einer Coin Laundry, bevor wir mit frischer Wäsche und einem gekühlten Weißwein in unser Hotel zurückkehrten.

 

Der nächste Tag war für eine Ausfahrt vorgesehen und so fuhren wir bei trockenem, warmem aber bedecktem Wetter los in Richtung Süden. Recht schnell sind wir aus dem touristischen Trubel der Orte Kitty Hawks und Nags Head heraus und fahren in den Nationalpark ein: Cape Hatteras National Seashore

An der weit in den Atlantik ragenden Landspitze der Outer Banks treffen sich zwei der atlantischen Hauptströmungen, der in südliche Richtung fließende kalte Labradorstrom und der nach Norden strebende warme Golfstrom. Durch die unterschiedlich warmen Meeresströmungen bildet die Lage von Cape Hatteras eine Grenze des Lebensraumes verschiedener Arten von Lebewesen, die hier ihre jeweils nördlichsten oder südlichsten Vorkommen haben. Unter anderem deshalb wurde der Cape Hatteras National Seashore eingerichtet. Die Gewässer vor der Landzunge sind meist rau und es sind zahlreiche flache Sandbänke entstanden. Durch seine exponierte Lage wird das Kap häufig von Hurrikanen getroffen, die an der Küste heraufziehen. Viele Schiffe gingen in den Jahrhunderten vor der Küste verloren. Diese Ereignisse gaben der Gegend vor den Outer Banks den Namen „Friedhof des Atlantiks“.

Bodie Island Lighthouse

Bodie Island Leuchtturm
Bodie Island Leuchtturm

Die Gefahren der See waren es, die zum Bau der Leuchttürme führten, die zu den prominentesten Küstenbauwerken North Carolinas gehören. Unser erster Halt war dann auch ein Seezeichen: der Leuchtturm von Bodie Island. Der derzeitige Leuchtturm ist schon der dritte an dieser Stelle. Er wurde im Jahre 1872 erbaut, ist 48 m hoch und liegt südlich von Nags Head auf der Roanoke Sound-Seite.  Man kann ihn besteigen - doch gerade als wir ankamen öffnete der Himmel seine Schleusen und es ging ein wahres Unwetter hernieder. So blieben wir im Auto sitzen, bestaunten den schwarz-weißen Turm und warteten ab, dass es wieder trocken wird und wir unsere Weiterfahrt antreten können.

Was passierte mit den ersten Siedlern auf Roanoke?

Mysteriös ist das Verschwinden der ersten englischen Siedler in der Neuen Welt. Niemand weiß, was vor mehr als 400 Jahren mit 117 Männern, Frauen und Kindern passierte, die als erste größere Vorhut auf der Insel Roanoke vor North Carolina eine Kolonie gründeten. Sie könnten von Indianern angegriffen worden sein oder sie starben an einer Krankheit. Manche von ihnen könnten in der Not Zuflucht bei in der Nähe lebenden Indianern gesucht und sich mit ihnen vermischt haben. Oder zumindest ein Teil von ihnen könnte sich ins Landesinnere zurückgezogen haben. Ein Puzzle für die Archäologen!

am Atlantik bei Rodanthe
am Atlantik bei Rodanthe

Irgendwo hinter Rodanthe auf unserem Weg nach Süden beschlossen wir, einmal einen Blick über die Dünen und auf den Atlantik und den kilometerlangen Strand zu werfen. Nicht jeder, aber fast jeder Dünenübergang ist barrierefrei gestaltet: mit ausgewiesenen Parkplätzen, Bohlenwegen mit sanfter Steigung über die Dünen, mindestens einem Aussichts- und Ruhepunkt - nur am Strand, da ist dann Schluss für Rollstuhlfahrer: dort gibt es nur noch Sand, Sand und dann das Meer. Die Strandabschnitte sind leer, gelegentlich sieht man Brandungsangler und ja, an einigen Stellen darf man mit einem besonderen Permit mit einem geeigneten (4x4) Auto sogar bis auf den Strand fahren.

Cape Hatteras Lighthouse

Cape Hatteras Leuchtturm
Cape Hatteras Leuchtturm

Weiter ging es dann zum Kap und meinem amerikanischen Lieblingsleuchtturm. Der erste Leuchtturm von Cap Hatteras wurde 1803 auf dem Kap errichtet und 1870 durch den heutigen Turm ersetzt. Er ist mit 64 Metern Höhe der höchste Leuchtturm der Vereinigten Staaten und der höchste Backsteinleuchtturm der Welt. Seine spiralförmige, schwarz-weiße Bemalung ist von weit her zu erkennen. 1999 musste er um 884 Meter ins Inselinnere verlegt werden, da die Küstenlinie durch Küstenerosion bereits gefährlich nahe an den alten Standort herangerückt war. Er wurde 1998 zum National Historic Landmark erklärt. Man kann den Turm - der ein wahrer Besuchermagnet ist - besteigen und von der Aussichtsplattform den Blick über Land, Dünen und Meer genießen. Und sagt selbst: ist er nicht etwas ganz besonderes mit seinem Spiralmuster?

 

Ein kleines Stück weiter Richtung Süden endet die Straße am Fähranleger der Hatteras - Ocracoke Fähre. Sie benötigt zwischen den beiden Inseln der Outer Banks bei normalem Wetter etwa 40 Minuten und verkehrt während des Tages in regelmäßigen Abständen. Und sie ist kostenlos - wir haben uns also auf den Weg gemacht, die nächste Insel zu erkunden. Es regnete leicht und vor allem: es war arg windig, um nicht zu sagen stürmisch. Als die Fähre aus dem Windschatten der Insel kommt, beginnt sie nicht schlecht zu schaukeln.

Ocracoke und ein Unwetter

Nach einer knappen Stunde erreichten wir Ocracoke. Diese kleine Insel liegt im Süden der Outer Banks, ist die abgelegenste (nur per Fähre, privatem Boot oder Flugzeug erreichbar), hat unter 1000 Einwohner - und lebt vom Tourismus. Die Insel Ocracoke diente dem Piraten Blackbeard als Rückzugsbasis. Vor der Insel wurde er schließlich 1718 getötet. Zahlreiche Gebäude und Souvenirshops auf der Insel erinnern an dieses Ereignis. Und in der Tat: Touristen sind bei unserem Besuch unterwegs (aber es waren überschaubare Zahlen), es gibt einige B&B’s, Motels, Hotels, Geschäfte und Restaurants. Und es gibt: Nieselregen. Kein einladendes Wetter für einen Spaziergang auf der Insel.

 

So beschlossen wir, es ist an der Zeit für ein spätes Mittagessen (oder ein frühes Abendessen). Einladend sah Howard’s Pub Restaurant aus und war es auch. Freundliche und gesprächige Kellnerin, schneller Service. Hier essen wir leckeren Fisch, ich testete das lokale Bier (obwohl mir bei dem großen Bierangebot auf der Karte die Auswahl wirklich schwer fällt) und wir freuten uns, warm und trocken zu sitzen. Inzwischen war nämlich der Nieselregen in ein veritables Gewitter übergegangen, es schüttete wie aus Kübeln - im Moment jedenfalls machte es keinen Sinn, zum Auto zurückzukehren, da sind wir nass bis auf die Knochen, bevor wir eingestiegen sind.

 

Irgendwann ließ der Regen ein wenig nach und mit einem Blick auf die Uhr fanden wir, nun ist es Zeit zum Aufbruch. Halbwegs trocken, nur ein wenig feucht saßen wir im Auto und schwammen Richtung Fähranleger nach Norden. Ja schwammen, auf der Straße standen kleine und große Seen unterschiedlichster Tiefe. An normales Autofahren ist nicht zu denken, ganz vorsichtig tasteten wir uns durch die Pfützen. Es dämmerte allmählich, das Fahren war anstrengend und gegen 19 Uhr standen wir auf der Fähre Richtung Norden nach Hatteras. Dieses Mal brauchte sie noch länger als auf der Hinfahrt, mehr als 80 Minuten waren wir unterwegs - und die Straßenverhältnisse wurden auf der anderen Seite zunächst nicht besser: langsam, tastend ging es durch Wasser auf der Straße.

 

Auch auf Hatteras: mehr Seen denn Straße, ganz vorsichtig ging es weiter, damit wir nicht irgendwo stecken bleiben. Der Regen hatte inzwischen aufgehört und unterwegs stoppten wir kurz um aufzutanken. Natürlich ist es mal wieder eine dieser Tankstellen, an denen die Kreditkarte nicht funktionieren will (über die Probleme beim Tanken in den USA), es ist feucht-schwül und die Mücken fallen nur so über mich und meine Beine her (habe abends gezählt: 2 halbe Waden und Füße waren mit ca. 25 Stichen bedeckt…). Aber alles in allem klappte die Rückfahrt gut, wir stoppten unterwegs an einem FoodLion und kauften noch kalte Getränke für einen schönen Rest-Abend im Hotelzimmer.

Der nächste Tag ist Sonntag und wir beschlossen, einmal das OBX-Outlet  aufzusuchen. Hintergedanke: vielleicht können wir ja ein wenig shoppen, Geschenke, Mitbringsel, Nützliches für uns, für liebe Menschen. Wir wanderten die langgestreckte Mall einmal auf und ab und stellten dann ein wenig enttäuscht fest: nichts, aber wirklich Gar nichts gefunden. So kann man auch Geld sparen.

 

Weil inzwischen aber die Wolken abgezogen waren und einem überwiegend blauen Himmel und Sonnenschein Platz gemacht haben verbrachten wir den Nachmittag am Strand, oder genauer auf Jenette‘s Pier.

 

Jennette‘s Pier, eine Outer Banks Institution, wurde als erster Fischereipier in Nags Head im Jahre 1939 eröffnet. Damals war der Pier 230 Meter lang und knapp 5 Meter breit, mit einem 8,5 Meter breiten „T“ am Ende.  Im September 2003 fegte der Hurrikan Isabel die Küste von North Carolina hinunter und zerstörte auf etwa 160 Meter Jennette‘s Pier. Der Wiederaufbau folgte einem neuen Konzept: gemeinsam mit dem North Carolina Aquarium entstand ein 304 Meter langer Bildungs-Ozean-Pier  aus Beton, der 2011 eingeweiht wurde.

 

Wir genossen die Sonne und den Wind, beobachteten die Angler und die Surfer und gingen am Abend mit einem leichten Sonnenbrand zum Dinner. Das gab es im „Black Pelican“, voll, laut, gemütlich, urig - und lecker. Frischer Fisch, ein flotter Service, dazu gut gekühlter Wein und all dies im seemännisch angehauchten Ambiente einer alten Seenotrettungsstation.

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