Italien 2013 - Auf nach Volterra und San Gimignano

Toskana
Toskana

Über unsere Anreise hatte ich bereits berichtet, ebenso über Prato und Pistoia - heute geht es weiter nach Volterra und San Gimignano.

 

Nach einem gemütlichen Frühstück brachen wir am nächsten Vormittag auf. Es ist nicht weit von Florenz nach Volterra. Über Landstraßen fuhren wir durch die sanft geschwungene, grüne toskanische Landschaft.

 

Allen Teenies ist diese Stadt ein Begriff - aus Stephenie Meyers „Biss“-Serie. Dort ist Volterra die Heimatstadt der Volturi, einer königlichen Vampirfamilie. Die Volturi leben angeblich im Zentrum der Stadt und beherrschen diese heimlich seit 3000 Jahren. Laut Buch feiert die Stadt am Tag des heiligen Markus (25. April) jedes Jahr ein Fest. Der Legende nach vertrieb vor 1500 Jahren ein christlicher Missionar namens Pater Marcus - ein Volturi - alle Vampire aus Volterra. Seitdem wird die Stadt nicht mehr von Vampiren geplagt, da die Volturi sich erfolgreich verbergen.

 

Volterra liegt etwa 50 Kilometer südlich von Pisa und 50 Kilometer vom Mittelmeer entfernt. Die Stadt gilt mit ihrem spektakulären landschaftlichen Umfeld als eine der schönsten in der Toskana. Der Kern der heutigen Stadt liegt auf einem 550 m hohen Bergrücken über dem Val di Cecina inmitten einer kargen, zerfurchten Hügellandschaft. Die Felsabbrüche und Geröllhalden sind das Produkt jahrhundertelanger Erosion. Das Gebiet Le Balze im Nordwesten Volterras vermittelt einen beispielhaften Eindruck dieses Phänomens. Die Stadt wird beherrscht von einer heute als Staatsgefängnis benutzten Festung der Medici. Volterra ist ein Zentrum der Alabasterverarbeitung.

Nach Volterra

unser Zimmer im Hotel Foresteria
unser Zimmer im Hotel Foresteria

Wir kamen hier gut unter, im knapp außerhalb der Stadtmauern und doch im Grünen liegenden Hotel Foresteria. Günstig vom Preis, mit einem netten Service und einem wirklich großen und rollstuhlgerechten Zimmer haben wir uns hier sehr wohl gefühlt.

unsere Rechnung in der Osteria del Poeti
unsere Rechnung in der Osteria del Poeti

Verbunden ist das Hotel mit der im Zentrum liegenden Bar Osteria Dei Poeti (Via Matteotti 57, 56048 Volterra Pisa). Hier aßen wir gemütlich und lecker zu Abend – eine gute Empfehlung und angemessene Preise.

 

Ein Hinweis: fast alle historischen Städte Italiens sind im Zentrum eine sogenannte "Zona traffico limitato". Diese Bereiche sind als Fahrverbotszonen bzw. Zonen mit Verkehrsbeschränkung ausgewiesen. Sie betreffen in vielen Fällen die historischen Stadtzentren, die auf diese Weise vom Verkehr weitgehend verschont bleiben sollen. Zudem ist die Ausweisung dieser Zonen vielfach auch aus Gründen des Umweltschutzes und der Luftreinhaltung veranlasst. Es gilt ein generelles Einfahrtsverbot für nichtberechtigte Kraftfahrzeuge. Hierzu gehören grundsätzlich alle Fahrzeuge von Personen, die nicht innerhalb dieser Zone ansässig sind, also z.B. auch die Fahrzeuge ausländischer Touristen. Bei Einfahrt in eine ZTL werden in Städten mit Videoüberwachung sämtliche Kfz-Kennzeichen durch das Kamerasystem erfasst und registriert. Anschließend wird mittels eines elektronischen Datenabgleichs überprüft, ob für diese Kennzeichen Ausnahmegenehmigungen zum Befahren der ZTL bestehen. Ist dies nicht der Fall, wird gegen nichtberechtigte Kraftfahrzeughalter ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Eventuell bestehende Ausnahmen vom generellen Einfahrtsverbot werden durch Zusatzzeichen angezeigt.

 

Behinderte Menschen dürfen üblicherweise einfahren, man findet auch zahlreiche ausgewiesene Behindertenparkplätze in den historischen Zentren - das macht die Erkundung für außergewöhnlich Gebehinderte leichter. Also: Parkausweis bereithalten und gut sichtbar auslegen!

in Volterra
in Volterra

Wir haben die folgenden Tage genutzt, die Stadt zu erkunden, zu bummeln, zu besichtigen und einfach die Atmosphäre aufzusaugen.

 

Volterra kann auf eine lange Geschichte zurückblicken; bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. entstand der Ort aus der Verbindung mehrerer kleiner etruskischer Ansiedlungen, deren Bestand bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgt werden kann. Zu dieser Zeit bauten die Etrusker eine sieben Kilometer lange Ringmauer und nannten die nunmehr vereinigte Stadt Velathri. Die Stadt war eine der ältesten und größten der zwölf Bundesstädte Etruriens. Später war es eine römische Stadt mit den Rechten eines Municipiums. Ihre hohe Lage machte sie zu einer starken Festung, die Sulla im ersten Bürgerkrieg erst nach zweijähriger Belagerung 79 v. Chr. einnehmen konnte. Im 12. und 13. Jahrhundert war Volterra eine Republik; im 14. Jahrhundert fiel es an Florenz.

Am Hauptplatz der Stadt, der Piazza dei Priori, steht der älteste erhaltene Kommunalpalast der Toskana, der Palazzo dei Priori.

 

Außerhalb der mittelalterlichen Porta Fiorentina liegt das Teatro Romano, erbaut zur Zeit des Kaisers Augustus.

 

Andere historische öffentliche Gebäude sind der Dom Santa Maria Assunta aus dem frühen 12. Jahrhundert mit einer Kassettendecke und mit Granit vortäuschender Stuckverkleidung der Säulen sowie das oktogonale Baptisterium mit einem Taufbecken von Andrea Sansovino.

Museo Guarnacci im Palazzo Desideri Tangassi
Museo Guarnacci im Palazzo Desideri Tangassi

Von besonderer Bedeutung ist das archäologische Museo Guarnacci im Palazzo Desideri Tangassi. Guarnacci, ein vielseitig interessierter Gelehrter, widmete seine Studien der antiken Geschichte. Dabei konnte er durch Ankäufe und Ausgrabungen eine ansehnliche Menge Belegmaterial über die etruskische Zivilisation sammeln.

 

Ein bedeutender Teil der Sammlung umfasst Urnen sowie Stücke aus Bronze und Keramik. Die Urnen bestehen aus Tuffstein, Alabaster und Tonerde. Eine der bekanntesten ganz Etruriens ist die „Urna degli Sposi“, auf deren Deckel ein Paar beim Festmahl liegend dargestellt ist. Das bedeutendste Stück der Sammlung ist jedoch die Bronzefigur Ombra della Sera. Es ist mit der Zeit zu einer „Ikone“ für das Museum und die Stadt Volterra geworden. Seine Berühmtheit verdankt es hauptsächlich seiner einzigartigen Form, die an den Schatten einer menschlichen Figur erinnert. Es ist ein Meisterwerk etruskischer Bronzegießer aus der hellenistischen Periode.

ans Meer

am Strand
am Strand

An einem Tag mit schönem Wetter, strahlend blauem Himmel und viel Sonne haben wir uns auch einmal aufgemacht an die toskanische Küste. Sie ist von Volterra aus gut zu erreichen und sie ist wirklich schön. Wir folgten der SS1 – Via Aurelia – und fanden langgezogene Strände. Sie sind vorwiegend kostenpflichtige Badeanstalten, teilweise mit Pinien begrünt, und immer wieder unterbrochen von frei zugängiglichen Strandabschnitten. Südlich von Piombino fanden wir ein schönes Plätzchen an einer Bucht des Tyrrhenischen Meeres. Die Bucht besticht durch ihren weitgezogenen Strand mit feinstem Sand und durch Sonnenuntergänge, die allabendlich ein Naturschauspiel sind.

San Gimignano (und das "beste Eis der Welt")

San Gimignano
San Gimignano

San Gimignano, die „Stadt der Türme“, ist eine italienische Kleinstadt in der Toskana mit einem mittelalterlichen Stadtkern. Sie gehört neben Florenz, Siena und Pisa zu den von Touristen meistbesuchten Zielen in der Toskana. Der historische Stadtkern ist seit dem Jahr 1990 Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. San Gimignano besitzt noch einige der mittelalterlichen Geschlechtertürme, die in anderen Städten nur als Stümpfe erhalten blieben. Die reichen Familien im Mittelalter versuchten, sich in der Höhe ihrer Türme gegenseitig zu übertrumpfen und damit ihre Macht zu demonstrieren. Das schien ihnen wichtiger zu sein als ein luxuriöses Leben, das in solchen Türmen nicht möglich war. Von den einst 72 Geschlechtertürmen existieren in San Gimignano heute noch 15. Die beiden höchsten, der Torre Grossa aus dem Jahr 1311 und der Torre della Rognosa, weisen eine Höhe von 54 bzw. 51 Metern auf.

 

Wir sind einen halben Tag durch die viel besuchte, fast schon überfüllte und sehr touristische Stadt geschlendert. Sie ist dennoch einen Besuch wert – und wenn man die Hauptstraßen verlässt gibt es ruhige und sehr ursprüngliche Fleckchen. Aber auch das Beobachten der Touristen, das müßige Herumsitzen in Cafés oder auf der Piazza ist ein schöner und interessanter Zeitvertreib.

Gelateria di Piazza
Gelateria di Piazza

Vielleicht klingt das wie eine Übertreibung, das mit dem „besten Eis der Welt“. Wir fanden es aber auch: dass die “Gelateria di Piazza” (Piazza della Cisterna 4) in San Gimignano, im Herzen der Toskana, ein sagenhaft gutes Eis zubereitet. Denn ihr Chef Sergio Dondoli, so steht es dort zu lesen, war zwei Mal schon Weltmeister der Eismacher. Außerdem ist er Mitglied der italienischen Nationalmannschaft der Eismacher.

Der Scontrino

scontrini, scontrini
scontrini, scontrini

Steuerhinterziehung gilt in Italien immer noch als Kavaliersdelikt und durch Berlusconi wurde das Bewusstsein für Steuergerechtigkeit auch nicht gerade gefördert. Jährlich kostet diese Einstellung den italienischen Staat Milliarden. Auch in Restaurants, Bars und Geschäften wird gerne versucht, die Umsätze am Finanzamt vorbei zu schleusen.

 

Seit 1997 sind deshalb alle Händler verpflichtet, immer einen maschinell erstellten Kassenbon, den sogen. scontrino auszugeben. Der Kunde muss auf diesen bestehen und in einem Umkreis von 100 Metern bei sich tragen. Wenn man in einer Bar einen Espresso getrunken oder sich in einem Laden eine Flasche Wasser gekauft hat, kann es passieren, dass man auf der Straße von der Guardia di Finanza angesprochen wird. Diese führt regelmäßig Kontrollen durch. Kann man den Bon vorweisen, ist alles in Ordnung. Erwischt man Euch ohne “scontrino”, werden Bußgelder wegen Steuerhinterziehung fällig. Deshalb mein Tipp: Auch, wenn man nur eine Kugel Eis kauft – den Scontrino unbedingt mitnehmen und erst wegwerfen, sobald man sich einige Straßen entfernt hat.

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Kommentare: 2
  • #1

    Manuela (Dienstag, 28 Februar 2017 05:43)

    Wir fahren im Sommer in die Toskana, da kommen deine Beiträge wie gerufen! Toll geschrieben und schöne Bilder. Die Geschichte mit den Scontrino war mir total neu.
    Liebe Grüße
    Manuela

  • #2

    Zypresse (Freitag, 03 März 2017 19:04)

    Schön, wenn Dir ich Dir helfen kann... und zur Entspannung der Reisekasse empfehle ich einmal in einer toskanischen Bar den Aperitivo zu nehmen: da bekommt man etwa ab 18 Uhr abends gleich ein ganzes Sortiment an leckeren Kleinigkeiten kostenfrei dazu...