Barrierefreiheit - was wir uns von Hotels, Restaurants und anderen wünschen

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Auf Reisen, aber auch im Alltag, stoßen wir mit dem Rollstuhl (stoßen aber auch Reisende mit anderen Behinderungen) immer wieder auf Hürden. Viele davon wären nicht nötig, etliche wären recht einfach zu überwinden. Bei anderen braucht es nur ein wenig Nachdenken bei der Planung und sie würden nicht existieren. Ganz oft aber sind es auch einfach nur Gedankenlosigkeit, Nachlässigkeit oder fehlende Informationen, die das Reisen für uns schwieriger machen als es nötig wäre.

 

Ich habe daher einmal zusammengefasst, was wir uns von Reiseprofis wie Hotels, Veranstaltern, Tourismusbüros, Restaurants, Fluggesellschaften, Autovermietern usw. wünschen.

Lohnt sich das überhaupt?

Barrierefreiheit nützt!
Barrierefreiheit nützt!

Der Markt ist groß und er wächst. Barrierefreies Reisen ist ein Zukunftsmarkt. Wenn Sie diesem Kundenkreis kein Angebot machen könnten sich Ihre Gäste durchaus anders orientieren.

 

2012 sind nach Zahlen des Marktforschungsinstituts GfK von 140 Millionen Europäern, deren Mobilität eingeschränkt ist, jeder zweite in Europa auf Reisen gegangen. Die 15- bis 64-Jährigen unternahmen 340 Millionen Reisen, die über 64-Jährigen sogar 450 Millionen.

 

Menschen mit Behinderungen geben in Deutschland jährlich mehr als 1,5 Milliarden Euro im Tagestourismus und rund 1,6 Milliarden Euro allein für Übernachtungen aus.

 

Behinderte Menschen sind Menschen wie Du und ich. Ihnen gegenüber (und natürlich auch für sie) gelten dieselben Umgangsformen und Höflichkeitsbezeugungen wie unter Nichtbehinderten.Fragen Sie, ob Hilfe erwünscht ist.

 

Sprechen Sie immer mit dem behinderten Menschen selbst und nicht mit seiner eventuellen Begleitperson.

 

Es gibt inzwischen auch online einige Ratgeber zum Umgang mit behinderten Menschen, z. B. hier oder hier.

Informationen über Barrierefreiheit

Suchkriterien bei Hotels.com
Suchkriterien bei Hotels.com

Die Suche nach Reisezielen, nach Hotels oder Restaurants, nach Sehenswürdigkeiten beginnt heutzutage für uns alle immer öfter im Internet. Wenn Sie eine Homepage, ein Portal betreiben, sollten Sie auch die wachsende Zahl von Menschen mit Handicap und deren Informationsbedürfnisse einbeziehen.

 

Bei vielen Hotelbuchungsportalen kann man inzwischen als Suchkriterium auch Zimmer für mobilitätsbehinderte Gäste selektieren.

 

Aber auch auf der Homepage Ihres Hotels oder Ihres Restaurants, in der allgemeinen Gestaltung Ihrer Räume können Sie einiges tun, was Sie nichts oder nur kleine Beträge kostet, Ihren Gästen mit Handicap allerdings einen Besuch um vieles leichter macht:

  • veröffentlichen Sie die entsprechenden Informationen auf Ihrer Homepage und verstecken Sie diese nicht schamhaft
  • wenn sie stufenlos über einen Seiten- oder Hintereingang erreichbar sind: weisen Sie uns schon bei der Buchung darauf hin oder noch besser: schildern Sie Ihren Alternativzugang aus
  • eine Behindertentoilette ist kein Lagerraum, z. B. für Putzmittel oder Müllsäcke
  • Begleithunden sollte selbstverständlich Zugang gewährt werden; wenn es für sie dann noch eine Schale mit Wasser gibt, das wäre schön
  • und vielleicht denken Sie auch einmal über ein Training Ihrer Mitarbeiter zum Umgang mit Gästen mit Behinderung nach?

denken Sie mit, helfen Sie weiter

  • Wir freuen uns, wenn Sie Informationen für uns haben
    • über rollstuhlgerechte Transportmittel, z. B. die Barrierefreiheit des Nahverkehrs
      oder entsprechende Taxidienste in Ihrer Stadt
    • über zugängliche Restaurants in Ihrer Nähe, in denen Sie uns einen Tisch für ein Abendessen reservieren können
    • über weitere Informationen für ein barrierefreies Sightseeing
  • Bieten Sie mobilitätsbehinderten Gästen, die einen Rollator oder Krücken benutzen, doch
    einen Sitzplatz für die Dauer des Check-in oder des Informationsgespräches an
  • Toll finden wir immer einen abgesenkten Rezeptionscounter, an dem die Rezeptionistin mit einem Rollstuhlfahrer sitzend und auf Augenhöhe kommuniziert
    • und wenn Sie keinen abgesenkten Counter haben: vielleicht treten Sie für das Gespräch mit dem Kunden im Rollstuhl einfach vor Ihre Rezeptionstheke?
  • Wir weisen auf unsere besonderen Bedürfnisse hin, wenn wir buchen. Und es mag Ihnen jetzt selbstverständlich erscheinen, das ist es aber leider (so unsere Erfahrung) nicht:
    • bitte nehmen Sie unsere Hinweise ernst,
    • bitte nehmen Sie diese zur Kenntnis,
    • bitte vermerken Sie diese an geeigneter Stelle in unserer Buchung
      und beachten diese auch.
  • Bitte vergeben Sie nicht Ihr barrierefreies Zimmer an andere Gäste oder verladen den Bordrollstuhl in den Frachtraum des Flugzeuges. Wenn ein Rollstuhlfahrer reist benötigt er diesen möglicherweise während des Fluges (und dafür ist der Bordrollstuhl ja schließlich da, oder?).

barrierefreie Hotelzimmer

barrierefreies Bad mit unterfahrbarer Dusche (roll in shower)
barrierefreies Bad mit unterfahrbarer Dusche (roll in shower)

Zur Barrierefreiheit von Hotelzimmer gehören auch z. B.

  • Haken, Kleiderstangen, Türspion auf Rollstuhlhöhe angebracht
  • das Telefon erreichbar platziert
  • vom Rollstuhl aus erreichbare Ablageflächen für Kleidung, Taschen etc.
  • ein Duschkopf, der ein erreichbarer Höhe für den Rollstuhlfahrer platziert ist (und nicht täglich vom Roomservice wieder auf Stehhöhe gehängt wird)

barrierefreie Restaurantbesuche

Restaurantbesuch
Restaurantbesuch

Bei Tischreservierungen in Restaurants wünschen wir uns, dass Sie als Gastgeber auf folgendes achten

  • der Tisch sollte mit einem Rollstuhl erreichbar sein, sich also nicht auf einem Podest befinden und, ebenso wichtig, er sollte mit einem Rollstuhl unterfahrbar sein
  • ein hoher Bistrotisch, wie sie derzeit zunehmend in Mode kommen, ist für Rollstuhlfahrer völlig ungeeignet
  • wählen sie den zu reservierenden Tisch so,
    dass der Rollstuhlfahrer während seines
    Besuchs weder anderen Gästen noch dem Servicepersonal im Wege ist, also z. B. nicht in Durchgängen, vor Türen o. ä.

... und wenn Sie mehr tun wollen

  • Personen im Rollstuhl können Sie auf Wunsch bei der Überwindung von Stufen o.ä. Hindernissen behilflich sein. Ihr behinderter Gast nennt Ihnen die richtigen Handgriffe.
  • Gehbehinderten Menschen können Sie - auf Wunsch - behilflich sein z.B. beim Ein- und Aussteigen, beim Treppensteigen, beim Tragen, bei Eisglätte oder Schnee. Passen Sie bitte beim Mitgehen Ihr Tempo dem des behinderten Menschen an.
  • Handbehinderten Personen können Sie Hilfe anbieten z.B. beim beim Schneiden von Speisen, beim Bedienen von Türen, Fahrstühlen usw.
  • Einen blinden Menschen sollten Sie von vorne ansprechen, damit Sie erkannt werden. Er erschrickt, wenn Sie ihn ohne Vorbereitung berühren. Beim Gehen hakt der blinde Gast Sie ein, nicht umgekehrt. Sagen Sie an, wenn eine Stufe (auf- oder abwärts) oder ein anderes Hindernis kommt. Gegenstände in einer für die blinde Person unbekannten Umgebung zeigen Sie bitte durch Hinführen Ihrer Hand an das betreffende Objekt an. Erläutern Sie bitte gleichzeitig, was Sie sehen. Sprechen Sie ruhig und selbstverständlich von dem, was Sie sehen. Beschreiben Sie beim Essen, was es gibt, und fragen Sie dann, was der blinde Gast davon wünscht.
  • Sie müssen von hörbehinderten und gehörlosen Menschen gesehen werden, bevor Sie Ihnen Ihre Hilfe anbieten, sie erschrecken sonst. Stellen Sie sich so, dass Ihr Gesicht gut beleuchtet ist und Sie ihrem hörbehinderten oder gehörlosen Gast möglichst gegenüber stehen. Dann kann dieser Ihr Sprechen von Ihrem Mund ablesen. Sprechen Sie langsam und deutlich, in normaler Lautstärke und ohne Übertreibungen. Sprechen Sie in kurzen Sätzen. Schreiben Sie gern auch einmal Stichworte auf, wenn es um komplizierte Dinge geht.
  • Hören Sie sprachbehinderte Personen geduldig und selbstverständlich an. Sprechen Sie bitte deutlich und normal und bitte nicht in Kindersprache.
  • Geistig behinderte Menschen verstehen viel mehr, als Sie denken. Höflichkeit und Freundlichkeit im Kontakt zu geistig behinderten Gästen sollten daher ebenso selbstverständlich sein wie im allgemein menschlichen Umgang. Sprechen Sie bitte in kurzen und klaren Sätzen.

Einen besonderen Hinweis möchte ich noch auf meinen Gastbeitrag zu Reisen im Rollstuhl bei Janett von Teilzeitreisender.de geben. Dort habe ich die wichtigsten Tipps zusammengefasst, denn mit ein wenig Planung ist der Reisefreiheit keine Grenze gesetzt.

 

Und wie immer schließe ich auch dieses Mal mit ein paar neugierigen Fragen

am Ende meines Beitrags, dieses Mal ein wenig anders als gewohnt.

Meine Fragen an die "Touristikprofis"

  • Haben Sie bereits Erfahrungen mit Barrierefreiheit gemacht? Wie sahen diese aus?
  • Was hindert Sie, durch einfache Maßnahmen mehr für reisende Menschen mit Behinderung zu tun?
  • Gibt es Themen, bei denen Sie sich unsicher sind?

Meine Fragen an die anderen Leserinnen und Leser

  • Sind Euch bereits Hindernisse auf Reisen begegnet und wie habt Ihr diese Hürden gemeistert?
  • Welche Fragen oder Tipps könnt Ihr noch ergänzen?

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Kommentare: 3
  • #1

    eine Nichtbehinderte (Montag, 10 August 2015 17:29)

    Umgang mit behinderten Menschen … für mich ein Armutszeugnis, dass solche umfangreichen Ratgeber überhaupt nötig sind.

  • #2

    Zypresse (Montag, 10 August 2015 17:48)

    Tja... glaub's mir, sie sind nötig (aber wahrscheinlich werden sie von denen, die sie am dringendsten mal lesen sollten doch wieder nicht gelesen). Vielleicht schreib ich mal einen Beitrag mit den unglaublichsten Geschichten...

  • #3

    ReiseFreaks ReiseBlog (Montag, 10 August 2015 18:29)

    [...Welche Fragen oder Tipps könnt Ihr noch ergänzen?...]

    "Barrierefreie Bahnhöfe". Ich weiß, gerade bei kleineren Bahnhöfen ein Problem, das aber demnächst energisch angegangen wird. Liest man.

    Unser Kleinstadtbahnhof hätte es da einfacher. Wenn die Bahn auf Gleis 1 einfahren würde. In gefühlten 98% der Fälle muss der Schwerbehinderte (oder auch der mobilitätseingeschränkte Senior) durch die Unterführung (Treppen!) auf Gleis 2.

    Krank, so was!

    Und was dazu kommt: Der von früher her noch gangbare (und mit Rollis leicht befahrbare) Übergang der Gepäckwagen wurde nicht nur mit einer Kette, sondern auch mit einem Schloss (!) verbarrikadiert, so dass mobilitätseingeschränkte Mitmenschen keine Adhoc-Bahnfahrt mehr machen können. Stattdessen die Mobilitätszentrale kontaktieren, dass zu genau der Zeit, in der man auf Gleis 2 hinüber (oder bei Ankunft herüber) muss, jemand das Schloss aufsperrt.

    Voll der Hammer, in 89407 Dillingen, meiner Heimatstadt.

    Gruß von der Donau

    Wolfgang