Welcher Reisetyp wir sind {Blogparade}

Malgas Ferry in Südafrika
Malgas Ferry in Südafrika

Thomas und Melanie von Reisen-Fotografie-Blog veranstalten grad eine Blogparade. Was sie wissen möchten?

„Welcher Reisetyp seid ihr?“

 

Tja, habe ich schon einmal nachgedacht darüber? Ehrlich gesagt, eher nein. Mir war auch nicht wirklich bewußt, dass man auch Reisende in verschiedene Schubladen stecken kann (wobei: warum nun ausgerechnet die nicht?).

 

Aber egal. Was ich sicher beschreiben kann ist, wie wir reisen, wie sich unsere Art zu reisen verändert hat und welche Art zu reisen wir nun überhaupt nicht mögen.

Reisen ist kein Wettbewerb

Florenz Panorama von Piazzale Michelangelo aus gesehen
Florenz Panorama von Piazzale Michelangelo aus gesehen

Wir sind bereits seit einigen Jahren im Berufsleben angekommen. Bei dem Wettbewerb „wer ist am längsten auf Reisen“ können wir daher nicht mithalten. Dafür haben wir ein wenig mehr Geld zur Verfügung und können vielleicht einmal mehr, aber nicht so weit und lange reisen.

 

Und das steigende Lebensalter macht sich bemerkbar: wir müssen nicht mehr überall hin, alles gesehen und „abgehakt“ haben. Wir genießen auf Reisen auch die kleinen Dinge, das gemütliche Sitzen und Beobachten des Marktalltags, das Faulenzen mit Blick in die Natur. Vielleicht auch, weil wir in den Auszeiten von Beruf und Alltag erholungsbedürftiger sind?

 

So gesehen reisen wir heute sicher entspannter. Die Hektik, die mit Sightseeing vollgestopften Reisetage früherer Jahre, die mögen wir heute nicht mehr.

Mehr Komfort durch mehr Budget

am Flughafen Düsseldorf
am Flughafen Düsseldorf

Wir haben nicht mehr ein so begrenztes Reisebudget wie in den 80er Jahren. Also gönnen wir uns durchaus gewisse Annehmlichkeiten: Inlandsflug statt Bus oder Bahn, Restaurant statt Straßenimbiss, ein nettes Hotel statt Backpacker-Dormitory. Wir geben gerne mal etwas aus, wenn wir das Gefühl haben, dass es sich lohnt. Es muss nicht immer ein supertolles Hotel mit einem fantastischen Zimmer sein, wir genießen die rustikalen Nationalparkcamps mindestens ebenso. Dennoch: zwischendurch ein wenig verwöhnt werden, weiße Bettwäsche und ein blitzendes Bad ist nicht zu verachten. Und für ein tolles Essen zahlen wir auch gern den entsprechenden Preis. So gesehen: wir sind heute Reisende mit gedeckter Kreditkarte.

 

Klar geht mit dem Mehr an Komfort auch zum Teil eine gewisse Authentizität des Reisens verloren. Früher hatten wir mehr auch direkten Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung als heute mit den professionellen Tourismus-Dienstleistern in Hotels und Restaurants. Das bedaure ich manchmal, tröste mich dann aber damit dass auch ich halt nicht alles haben kann!

Das Gepäck wiegt schwerer

was man nicht dabei hat kann man unterwegs auch kaufen...
was man nicht dabei hat kann man unterwegs auch kaufen...

Wir reisen mit Koffer oder Reisetasche, der Rücken mag den Rucksack nicht mehr wirklich. Und ganz schnell sind dann auch ein paar Teile mehr eingepackt. Vielleicht doch ein Hemd für den Restaurantbesuch, ein paar hübsche Sandalen statt nur der Trekkingtreter.

 

Und natürlich Technik. Klar, früher gab es noch nicht diese technische Ausstattung - aber jetzt kommt doch so einiges zusammen: Kamera nebst Zubehör, Smartphone, Laptop… das geht ins Gewicht und stellt auch einiges an Wert dar, was man mit sich herumträgt.

Individuell statt Pauschal

Schild an einem Rollstuhlfahrerparkplatz in Tolentino
Schild an einem Rollstuhlfahrerparkplatz in Tolentino

Ein wenig ist noch geblieben vom Reisen früherer Jahre. Wir reisen nach wie vor nicht (oder kaum) pauschal, auch wenn wir mit mehr Budget und Komfort unterwegs sind. Zwar buchen wir - das ist schon der Notwendigkeit geschuldet, dass wir auf die Barrierefreiheit achten müssen- unsere Mietwagen, Flüge und Hotels vor. Wir lassen uns aber immer Luft in den Planungen, werfen den Plan auch schon einmal über den Haufen, um einem spontanen Einfall zu folgen. Deshalb sind wir auch am liebsten alleine unterwegs. Es gibt nur sehr,sehr wenige Menschen, die wir da mitnehmen würden - und in eine Gruppenreise würden wir uns ganz sicher nicht einfügen.

 

Das Reisen funktioniert für uns sehr viel besser als früher, weil es das auch unterwegs verfügbare Internet gibt und viele Länder sich in den vergangenen 20 Jahren außerordentlich modernisiert haben. Habe ich vor unserer Australienreise in den 90ern noch zahllose Faxe an Hotels, Autovermietungen, Nationalparks geschrieben, um Informationen über die Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer zu bekommen, um die Reservierung eines barrierefreien Zimmers (mit erreichbarer Toilette und nutzbarer Dusche) zu bestätigen, finde ich diese Informationen heute in den meisten Fällen online, kann ich Fragen schnell sogar noch von unterwegs per Mail klären oder auch über Skype einmal persönlich besprechen. Welch eine Erleichterung, das gibt uns deutlich mehr Sicherheit auf Reisen mit Rollstuhl!

Kein Sparen um jeden Preis

Markt in Catania
Markt in Catania

Für viele Backpacker gehört es zum Selbstverständnis, für ein Essen oder eine Busfahrt nicht mehr zu bezahlen als ein Einheimischer. Da wird gefeilscht, was das Zeug hält. Auch ich liebe das Handeln, das Ringen um einen guten Preis - aber wenn ich für mehrere hundert Euro einen Flug buche, um dann auf dem Markt die Tomate um einige Cents mehr herunter zu handeln dann finde ich das inzwischen ziemlich engherzig und geizig.

 

Sicher spielt dabei dann auch noch einmal eine besondere Rolle, dass es gerade in ärmeren Ländern für die Menschen kaum vorstellbar ist, dass ein behinderter Mensch im Rollstuhl sich eine so weite Reise leisten kann, man uns daher oft für im besonderen Maße begünstigt hält.

 

Und wenn ich es recht betrachte: so ist es doch auch. Wir haben schon ein ganz besonderes Glück, zu zweit die Liebe zum Reisen in die Welt zu teilen, in der Lage zu sein, dies auch bezahlen zu können. Und der Gatte ist zum Glück ein experimentier-, ja manchmal auch risikofreudiger Mensch mit Handicap. Und von einer Ausnahme abgesehen haben wir noch nie wirklich schlechte Erfahrungen auf Reisen mit dem Rollstuhl machen müssen.

Ja, und um nach all dem auf die eingangs von Thomas und Melanie gestellte Frage zu antworten und damit Ihr auch wisst, in welche der geöffneten Schubladen wir am ehesten zu stecken wären:

 

Flashpacker - mit Smartphone, Ansprüchen und Eigensinn.

 

Und in welche Kategorie gehört Ihr, wenn es um das Reisen geht?