Wie handelt oder feilscht man richtig?

Souvenirs in Swakopmund
Souvenirs in Swakopmund

Für mich gehört es einfach zum Urlaubsspaß dazu: das Handeln auf dem Markt, im Souk, an den Souvenirständen. Aber ich weiß, das geht längst nicht allen Reisenden so. Ganz häufig höre ich:

  • „ich kann das nicht…“
  • „feilschen ist mir unangenehm…“
  • „ich fühle mich gar nicht wohl dabei…“

Wie geht es Euch? Handelt ihr gern, ist es für Euch ein Spaß, ein Sport – oder eher etwas, was ihr lieber vermeidet?

 

*editiert am 24.10.2013

Auf Facebook hat sich zu meinem Blogbeitrag inzwischen eine längere Diskussion entwickelt - und ich bin als bekennende Feilscherin ganz klar in der Minderheit.

 

Mehrheitlich finden die Kommentierenden Feilschen nicht angenehm. Man will wissen, was etwas kostet, und dann ganz in Ruhe überlegen, ob kaufen oder nicht. Als nervig wird auch vor allem das Genöle, speziell im arabischen Raum, empfunden. Und wenn das Feilschen viel zu belastend ist, kauft man lieber gar nichts. Dazu trägt sicher auch das Gefühl bei, sowieso immer übers Ohr gehauen zu werden.

 

Spannend auch der Hinweis, dass man, wenn man als Ausländer vor Ort lebt, gar nicht anders kann, als zu handeln, weil man sonst einfach keine fairen Preise zahlen würde.*

 

Ich habe einmal versucht, meine persönlichen Tipps zum Handeln auf Reisen zusammen zu fassen.

8 Tipps zum Handeln auf Reisen

Greenmarket Square, Kapstadt
Greenmarket Square, Kapstadt

1. Habt Spaß daran. Feilschen kann oft lange dauern und in vielen Ländern gehört es einfach dazu - also warum nicht einfach genießen? Beim Einkauf auf Reisen ist oberstes Gebot, sich Zeit zu nehmen. Wer den Markt und die Händler in Ruhe beobachtet, weiß, welche Waren es gibt und auf welche Art und Weise sie verkauft werden.

 

2. Da die Preise nur in den seltensten Fällen in Euro angegeben sind, muss man entweder sehr gut Kopfrechnen können, oder man hilft sich mit einem Spickzettel, auf dem der Umtauschkurs für die Landeswährung in leicht nachvollziehbaren Stufen notiert ist.

 

3. Dazu gehört, quasi als Basis: versucht, die üblichen Preise heraus zu finden und dann entscheidet, wie viel ihr ausgeben möchtet. Damit habt ihr schon einmal ein „Gerüst“ für das Handeln. Müsst ihr am Ende weniger zahlen – wunderbar, aber nehmt euch fest vor, nicht mehr zu bezahlen. Sinnvoll ist auch, anderen Kunden beim Feilschen zuzuschauen, dabei die Verkaufsargumente der Händler kennenzulernen und sich zu merken, wie viel Geld die anderen bezahlen. Dabei erhält man auch einen Überblick übers Warenangebot und kann den einen oder anderen Verkaufstrick schon mal enttarnen.

 

4. Tut so, als wärt ihr gar nicht interessiert an der Ware. Wenn nämlich deutlich wird, dass ihr etwas unbedingt haben möchtet, schießt der Preis unweigerlich in die Höhe. Und falls ihr etwas unbedingt haben wollt: jetzt ist Zurückhaltung angesagt. Wartet und gebt ein eigenes Gebot so spät wie möglich ab. Viel leichter lässt es sich feilschen, wenn der Händler den ersten Schritt macht. Und dann fragt nach, wie weit er mit dem Preis herunter gehen kann.

 

5. Bei all dem: Charme, Charme Charme! Mit einem Lächeln erreicht man weitaus mehr als mit einer zornigen Stimme. Bleibt immer freundlich. Ein nettes Wort drückt schon mal den Preis. Gleichzeitig hilft immer auch eine lebendige Mimik, ein wenig Schauspielern: wie z. B. entsetzt dreinschauen, seufzen oder die Stirn runzeln... Aber nicht vergessen: freundlich und ruhig bleiben: es wird nur geblufft. Wenn der Handel mit einem Handschlag besiegelt wurde, ist all dies wieder vergessen.

 

6. Wenn ihr merkt, dass alle Mühen vergebens sind, dann hilft nur akzeptieren und es anderswo erneut zu versuchen. Jeder Verkäufer muss seinen Lebensunterhalt verdienen und ist seinen Kaufinteressenten nichts schuldig. Habt keine Scheu, einfach mit einem freundlichen Gruß zu gehen, wenn Ihr die Ware nicht zum gewünschten Preis bekommt. Wenn das Angebot angemessen war, stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Händler euch folgt, um die Verhandlung wieder aufzunehmen. Tut er es nicht – nun gut, dann bekommt man aber ein Gefühl dafür, wie niedrig der Preis sein darf.

 

7. Wendet die "Guter Cop, böser Cop"-Technik mit dem Händler an, geht also nicht allein, sondern nehmt einen Partner mit. Dieser kann dann den härteren Kurs fahren. Wenn der Händler den Eindruck gewinnt, dass der Partner eine Kaufentscheidung ins Schwanken bringt, kann das ein Angebot viel attraktiver machen.

 

8. Welche Tageszeit die beste für Schnäppchen ist – dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Manchmal hoffen Händler auf einen frühen Verkaufserfolg und damit ein gutes Omen für den kommenden Markttag. Auf Lebensmittelmärkten ist es eher günstig, kurz vor Schluss kaufen zu wollen. Denn wer will seine Ware schon wieder mit zurück nach Haus nehmen. Aber Vorsicht: kein Händler lässt sich auf Diskussionen ein, wenn der Laden voller Kunden ist.

nicht vergessen!

Gemüse auf dem Markt
Gemüse auf dem Markt

Bei allem Spaß, den erfolgreiches Feilschen vermitteln kann, sollte man aber das Maß nicht verlieren: Wenn es um ein paar Tomaten beim Gemüsehändler in der Türkei geht, sollte man den geforderten Preis bezahlen.

 

Und wie sind Eure Erfahrungen?

Habt ihr schon einmal besonders

günstig eingekauft

– dann verratet mir doch, wie?

Oder habt ihr das Gefühl,

schon mal so richtig übers Ohr

gehauen worden zu sein

– auch das finde ich spannend zu erfahren.

Und die ultimativen Tipps zum Feilschen

könntet ihr auch noch verraten…

Gelegentlich möchte ich gern in der Kiste kramen und alte Blogbeiträge wieder neu einstellen - keine Sorge, ich hole nicht alle alten Schätzchen wieder vor - aber das ein oder andere Thema ist sicher wert, nicht in Vergessenheit zu geraten. Dieser Beitrag wurde erstmals am 23.10.2013 veröffentlicht und ist für die Neu-Veröffentlichung nur bezogen auf die Rechtschreibung korrigiert worden.

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Kommentare: 6
  • #1

    Tina (Donnerstag, 24 Oktober 2013 10:22)

    Hallo Ulli!
    Also ich feilsche nicht gerne. Dazu müßte man ja eigentlich immer ziemlich genau wissen, was der jeweilige Artikel in dem jeweiligen Land eigentlich wert ist, gemessen an Fertigungskosten,Lebenshaltungskosten,Einkommen, etc.. etc... Und das weiß ich echt nur sehr selten. Wenn ich auf einem Bazar etwas sehe, das mir gefällt, überlege ich, wieviel es MIR wert wäre. Und wenn ich dann den Preis des Händlers höre und der liegt meistens unter dem, was ich bereit bin zu zahlen, dann handele ich nicht noch rum. Trotzdem habe ich meistens hinterher das Gefühl, dass der Händler es ist, der das Schnäppchen gemacht hat ;-)
    Aber damit kann ich leben, aber ich bin wohl eindeutig eine "Festpreis"-Liebhaberin. Feilschen ist mir lästig. Es gibt viele andere Dinge auf Reisen, die ich lieber mache.

  • #2

    Hedi (Samstag, 26 Oktober 2013 12:29)

    Moin, Ulrike!
    Ich finde es auch nervig.
    Das ist eines von den Dingen, die man beim Leben auf einem anderen Kontinent über sich herausfindet, nämlich wie deutsch man ist und bleibt.
    Ich kommuniziere wirklich gerne mit Menschen, aber diese Feilscherei ist ermüdend; ein Spiel, das immer wieder gespielt wird, bei dem jeder die Spielregeln kennt und jeder so tut als ob.
    Und wenn der Händler ich übervorteilt? Na und? Keiner hat mich gezwungen, und in seinen Augen bin ich sowieso furchtbar reich. Und, wie du ganz richtig anmerkst, ist Feilschen nicht immer angebracht.
    Die ganz professionellen Händler gehen mir einfach auf den Keks. Ich brauche keine Teppiche mehr!
    LG Hedi

  • #3

    Beate (Mittwoch, 06 November 2013 03:42)

    GENAU SO geht Feilschen! Vielleicht noch zu ergänzen: der Tourist, der nicht handelt, wird oft einfach nur für strohdumm gehalten. Er verdirbt die Preise und darüber hinaus dem Händler die Freude an seinem Job. Wer schon mal einen Tag lang als Verkäufer auf einem Flohmarkt in Deutschland gearbeitet hat, wird das sofort nachvollziehen können.
    Wichtigstes Gebot: locker bleiben, dann ist das Feilschen ein Spaß für alle Beteiligten. Wobei ich gestehen muss: wenn ich drei Wochen lang um jede einzelne Orange und jede Tasse Tee feilschen muss, dann nervt mich das auch! Aber beim ägyptischen Goldarmband, dem marokkanischen Messingtablett oder dem indischen Wandteppich, da lohnt es sich und bedeutet zudem ein Urlaubs-Erlebnis und eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

  • #4

    Der Sinograph (Samstag, 30 November 2013 18:04)

    Zu Punkt 3:

    Ich finde die Verkaufsargumente eigentlich nicht sonderlich wichtig, zumindest nicht in China und Ostasien, wo ich mich mehrere Jahre lang aufgehalten habe.

    Im Endeffekt geht es darum, ob das, was ich höchstens bereit bin zu zahlen. mit dem übereinstimmt, was der Händler mindestens verdienen will. Der Rest ist Theater, das man mitmachen kann aber auch nicht mitmachen muss.

    Das einzige, was vielleicht noch wichtig ist: Der Stolz der Verkäufers. Wenn du ihn wie einen kleinen Betrüger behandelst, wird er dich weniger mögen und tendenziell einen höheren Preis verlangen.

    Meine Beobachtung ist allerdings, dass Chinesen eher nüchterne Rechner sind und Araber eher emotional verkaufen.

  • #5

    Grenzenlos (Montag, 01 September 2014 17:50)

    Ich handle eigentlich ständig, denn ohne handeln wären unsere Reisen mindestens 1 Drittel teurer. Es ist halt ein Unterschied ob man 2 Wochen oder 2 Jahre unterwegs ist. Handeln macht mir auch Spaß und Freude. Die Tipps finde ich gut.
    LG Wi grenzenlos

  • #6

    Socko (Mittwoch, 10 September 2014)

    Es kommt eben immer ganz darauf an, wo man hinreist. In vielen Ländern ist das handeln ganz normal, wir Deutschen sind da etwas komisch. :)