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Vom Essen auf Reisen

Hauptgang im La Colombe (Kapstadt)
Hauptgang im La Colombe (Kapstadt)

Alle regelmäßigen Besucher haben es ohne Zweifel schon gemerkt: für mich gehört zum Reisen gutes, neues, fremdes Essen unbedingt dazu. Ich will nicht Sauerkraut oder Frankfurter Würstchen, nein, „when in Rome, do as the Romans do“.

 

Bestürzt hat es mich da schon, dass ich beim Googeln des Themas auf sehr viele Beiträge stieß unter dem Motto „wie kann ich meine Diät im Urlaub einhalten“ oder „wie verhindere ich speisebedingte Erkrankungen“. Wobei zweites nachvollziehbar ist, denn wer will schon die kostbaren Urlaubstage an Montezumas Rache verlieren. Klar, das auch wir unterwegs ein paar Regeln beachten, damit wir fremde und neue Kost auch vertragen.

 

Versöhnt hat mich ein wenig, dass ich bei den großen Rezeptedatenbanken auch spezielle Rubriken zum Essen auf Reisen entdeckt habe. Auch in verschiedenen Internetforen fand ich Tipps und Diskussionen zum Thema.

 

Aber: nichts schlägt die persönliche Erfahrung. Das Beste am Reisen ist und bleibt für uns das exotische Essen. Endlich mal türkisches Kebab in der Türkei, echte spanische Knoblauchcreme in Spanien oder original thailändische Hühnersuppe in Thailand essen. Abwechslung im Speiseplan, andere Gewürze, andere Düfte und Aromen – nur so kann man Urlaubsländer kulinarisch entdecken.

Wie es früher war

Grillen auf dem Hausboot auf der Havel
Grillen auf dem Hausboot auf der Havel

Nun hat sich im Lauf der Jahre mein Essverhalten im Urlaub schon verändert. Frühe Ferien mit den Eltern führten auf den Campingplatz, meine Mutter kochte und es war, na ja fast, wie zu Haus. Eine Erinnerung an einen Zeltplatz am Neuenburger See in der Schweiz habe ich allerdings: dort gab es die Möglichkeit, kostenlos im Wald Holz zu sammeln und vor dem Zelt damit zu grillen. das war Abenteuer, das war der Vater in der (Outdoor-)Küche und das hat meiner Schwester und mir immer sehr gut gefallen. An diese Urlaubsreise knüpft sich auch meine erste fremde kulinarische Erfahrung: wir Mädchen hatten uns mit einer kleinen Schweizerin aus Lausanne angefreundet und zum Abschluss unseres Urlaubes wurden wir als gesamte Familie nach Lausanne eingeladen und es gab ein hausgemachtes echtes Neuenburger Käsefondue. Es wird uns wohl geschmeckt haben – anders wäre es kaum zu erklären, dass es zum unbedingten Muss beim jährlichen Spiekeroog-Aufenthalt gehört.

 

Die ersten Urlaubsreisen allein und ohne Eltern waren durch notorische Geldknappheit gekennzeichnet. Essen gehen war da, zumindest regelmäßig, nicht drin. Es wurde eingekauft: vor der Reise Nudeln, Reis, Dosen bei Aldi und im alten Käfer verstaut und vor Ort gab es aus dem Angebot des örtlichen Supermarktes Brot, Käse, Wein und frisches Obst und Gemüse. Verzehrt wurde dies vor dem Zelt auf dem Boden sitzend, am Strand – natürlich vorzugsweise bei Sonnenuntergang - oder auch unterwegs auf Treppen und Kaimauern, in Parks oder stehend am Auto auf Autobahnrastplätzen. Dennoch gibt es kulinarische Highlights, die ich erinnre: frische Pasta eingekauft und auf dem Campingplatz in Castiglione della Pescara mit auf dem Campingkocher aus frischen Tomaten gekochtem Sugo und Pecorinoraspeln – das war super lecker.

 

Die erste Fernreise führte mich 1981 für ein gutes Vierteljahr nach Nepal, Indien und Sri Lanka. Diese Reise war nicht teuer, ich hebe immer noch das damalige Reisetagebuch auf und kann belegen, wofür wir unser Geld damals ausgegeben haben. Essen war es kaum, aber gesamt hat die Reise auch nur 1.770,00 DM gekostet. Ich erinnere mich gut an meinen ersten Hummer am Strand in Ceylon, an vorzügliche tibetische Momos, ich erinnere mich an abendliches Dal Bat auf der Trekking Tour, an Kuchen in der Pig Alley Kathmandus, an unglaublich leckeres und frisches Obst – aber auch daran, dass ich mit gut 10 kg weniger an Gewicht (so schlank war ich nie wieder) zurück kam, denn der Reisedurchfall, den wir dann mit Bananen bekämpft haben, blieb nicht aus.

Wie es heute ist

Gemüse auf dem Markt in Bilbao
Gemüse auf dem Markt in Bilbao

Und wie halten wir es mit dem Essen, wenn wir heute im Urlaub sind?

 

Die Frage nach All inklusive oder Hotel stellt sich kaum. All inklusive finden wir beide nicht wirklich ansprechend, ich kann mir auch kaum vorstellen, dabei etwas Landestypisches oder sogar richtig Leckeres zu bekommen. Außerdem wollen wir es uns nicht ausmalen, im Urlaub mit festen Essenszeiten zeitlich und örtlich gebunden zu sein. Sofern es uns also in ein Hotel verschlägt, dann buchen wir allenfalls mit Frühstück. Da der Gatte allerdings ein Frühstücksmuffel ist, kann man ihm mit reichhaltigen Buffets am Morgen auch nicht viel Freude machen. Eine Tasse Kaffee oder Tee, höchstens ein Brötchen – das war’s dann schon.

 

Ansonsten gehen wir im Urlaub auch öfters zum Essen. Dabei bevorzugen wir kleine Lokale, in die vor allem Einheimische gehen, fahren einfach mal raus aufs Land und gehen in die nächste Trattoria, die uns gefällt. Essen gehen in typische Einheimischen-Restaurants macht Spaß und man bekommt Kontakt zu den Leuten. Das ist doch erst die wahre Reise, wenn man Land und Leute kennenlernt. Manchmal geht bei den Bestellungen auch etwas schief: ich muss heute noch lachen, wenn ich mich an das Gesicht meines Gatten erinnere, als er, im festen Glauben, er hätte Obstsalat zum Dessert bestellt, auf einmal vor einer wassergefüllten Schüssel saß, in der ein Apfel, ein Pfirsich, einige Kirschen, eine Orange schwammen und er dazu ein kleines Messerchen gereicht bekam.

 

Wir hören auf Reisen gern auf Empfehlungen, fragen z. B. gezielt an der Hotelrezeption nach, stöbern in Internetforen, lesen auf befreundeten Homepages oder in Bewertungsportalen oder schmökern in den bekannten Schlemmerbibeln. Klar, dass wir manchmal auch vorab, also schon von zu Haus aus, reservieren. Denn das ein oder andere Mal nicht nur im Urlaub essen wir heute gerne gut – und sind durchaus bereit, dafür mal ein wenig mehr auszugeben.

 

Besser als ein Hotel finden wir allerdings alle Male eine Ferienwohnung, da kann man sich überwiegend selbst verpflegen, die örtlichen Märkte besuchen und typische regionale Lebensmittel einkaufen. Das ist spannend, unterhaltsam, ein Fest für die Augen, es ist lehrreich, manches Mal ein Abenteuer und immer ein Erlebnis.

Der Kreis schließt sich

der frische Hummer auf der mitgebrachten Tischdecke
der frische Hummer auf der mitgebrachten Tischdecke

Und irgendwie stelle ich fest, dass sich in der Geschichte meiner Reiseerfahrungen der Kreis schließt.

 

Die Erinnerung an den Zeltplatz in der Schweiz mit Feuerkasten und Grillen durch den Vater setzt sich fort, denn bei unseren Reisen nach Südafrika gehört das abendliche Braai, das Grillen im Camp unbedingt dazu. Dann gibt es Fleisch, Salat, Kartoffeln und anderes Gemüse, fein gewürzt und mit viel Herz vom Gatten gegrillt.

 

Und auch heute noch genießen wir auf Reisen das Picknicken. Frisch gekaufte Pasteten aus der Boulangerie in Frankreich, Baguette und verschiedene Käsesorten, dazu ein Glas mit Wein – so sehr unterscheidet sich das nicht von unserer preiswerten Verköstigung auf den ersten Reisen als Jugendliche. Auch wenn es heute, ein Zeichen des Älterwerdens, ein wenig komfortabler sein darf: Stuhl und Tisch, mindestens aber Decke oder Kissen zum Darauf-sitzen sollten schon sein, Teller und Besteck wären schön und ein Glas für das Getränk wäre auch fein. Ja sogar eine Tischdecke habe ich schon einmal mitgenommen, damit der fangfrisch in Meerwasser gekochte Maine-Hummer zwar vom Plastiktablett mit Tütenchips aber doch auf einem hübsch bunten Tisch verzehrt werden konnte...

Gelegentlich möchte ich gern in der Kiste kramen und alte Blogbeiträge wieder neu einstellen - keine Sorge, ich hole nicht alle alten Schätzchen wieder vor - aber das ein oder andere Thema ist sicher wert, nicht in Vergessenheit zu geraten. Dieser Beitrag wurde erstmals am 05.01.2013 veröffentlicht und ist für die Neu-Veröffentlichung nur hinsichtlich der Links aktualisiert worden.