Das Apartheid Museum in Johannesburg

Das Apartheid Museum in Johannesburg
Das Apartheid Museum in Johannesburg

Das Apartheid Museum liegt zwischen der Johannesburger Innenstadt und dem Township Soweto. Irgendwie ist schon das eine gewisse Programmatik, oder? Wir haben es bei unserem letzten Südafrikabesuch zum zweiten Mal aufgesucht.

 

Mehr noch als bei unserem ersten Besuch fiel es mir auf: wir warteten auf den Einlass in ein Museum zu einem ernsten Thema und hörten gleichzeitig fröhliches Geschrei. Dies kam  offenbar von den Achterbahnen, Wasserrutschen und anderen Fahrgeschäften im benachbarten Vergnügungspark „Gold Reef City“, zu dem auch ein großes Luxushotel und ein Spielcasino gehören.

 

Ein wenig merkwürdig mutet das schon an und offenbar war es auch in den 90er Jahren zunächst ein Affront für zahlreiche Südafrikaner. Und in der Tat wurde damals die Zuteilung der Kasinolizenz unmittelbar an die Bedingung geknüpft, durch ein Museum zur Apartheid der Bevölkerung etwas „Greifbares“ zu geben.

Wie wird Geschichte im Apartheid Museum erlebbar gemacht?

Eingangsrampe zum Apartheid Museum in Johannesburg
Eingangsrampe zum Apartheid Museum in Johannesburg

Das 2001 eröffnete Apartheid Museum in Johannesburg ist, so finde ich, das beeindruckendste und in jedem Fall das meistbesuchte Museum des Landes. Es ist das einzige Museum, das ausschließlich der Apartheid gewidmet ist und dokumentiert diese von ihrer Entstehung ab 1948 über ihre Entwicklung bis zu ihrem Ende 1994 und der sich anschließenden Aufarbeitung. Dabei wird auch der geschichtliche und politische internationale Zusammenhang der Apartheid erläutert. Wichtige Schwerpunkte sind die brutale Auflösung des Johannesburger Stadtteils Sophiatown und der Schüleraufstand in Soweto 1976.

 

Die Eintrittskarte des Museums ist ein „Pass“, auf dem entweder „NIE-BLANKES/NON-WHITES“ oder „BLANKES/WHITES“ vermerkt ist. Wir Besucher*Innen werden so wie während der Apartheid, die die Bevölkerung in vier Kategorien teilte (White, Black, Coloured und Indian), sortiert. Für uns gibt es getrennte Eingänge und Ausstellungsbereiche, drei dürfen dem Eingang der weißen Bevölkerung folgen, ich werde als Nicht-Weiße einsortiert. Allein stehe ich dann, umgeben von überdimensionalen Reproduktionen der „dompas“ genannten Pässe, vor der Abbildung einer Prüfungskommission, die die Willkür der Apartheidideologie veranschaulicht. Dieser Eintritt hat schon etwas sehr beklemmendes.

 

Tatsächlich konnte sich die auferlegte Kategorie ändern – meist gewaltsam durch den Staat, sie konnte aber auch beantragt werden; „Chamäleons“ nannte man jene, denen dies gelang.

 

Die Dauerausstellung zeigt auf über 6.000 m² einer gelungenen Museumsarchitektur ein Labyrinth des Schreckens. Eindrucksvolle Erlebnisräume  machen die Geschichte der Apartheid spürbar. Es geht um die Entstehung der Apartheid auf der Grundlage von Strukturen, die im Kolonialismus wurzeln. Deutlich und erlebbar wird auch ihre perfide ideologische Perfektion.

 

Der Fokus liegt auf dem Widerstand gegen das repressive Regime, das als neue nationale Identität angeboten und so zu einem Gründungsmythos der Republik Südafrika wird. Ob dies tatsächlich zutrifft und die Realität des neuen, demokratischen Landes Südafrika ist - entscheidet es selbst nach einem Besuch.

Mandela im Apartheid Museum

Mandela nimmt im  Apartheid Museum in Johannesburg breiten Raum ein
Mandela nimmt im Apartheid Museum in Johannesburg breiten Raum ein

Natürlich widmet das Museum auch den bekannten schwarzen Freiheitskämpfern einen besonderen Raum. So wird zum Beispiel das Leben von Steve Biko, der 1977 an den Folgen von Folter in der Haft gestorben ist, nachgezeichnet.

 

Nelson Mandela wird in einer eigenen Sonderausstellung geehrt. Sie zeichnet seinen Lebensweg vom Widerstandskämpfer bis zum Präsidenten nach. 

 

Ausführlich wird die Episode geschildert, als Mandela im Trikot der hauptsächlich von Weißen unterstützten Rugbynationalmannschaft 1995 dem südafrikanischen Mannschaftskapitän Francois Pienaar den Weltmeisterschaftspokal überreichte. Dass der schwarze Präsident dem weißen Nationalsport diese Ehre erwies, wurde damals als großes Zeichen der Versöhnung angesehen. Diesen Teil der südafrikanischen Geschichte erzählt der Film Invictus nach.

 

Auch im Ausland weniger bekannte Persönlichkeiten des Antiapartheidkampfes wie zum Beispiel  Helen Suzman werden in dem Museum gewürdigt. Von 1953 bis 1988 war sie die einzige Frau im Parlament und die einzige Vertreterin der Opposition, die gegen die Politik der Apartheid und für die Rechte der schwarzen Bevölkerung eintrat. Im August 1986 wurde Helen Suzman vorübergehend inhaftiert, als sie sich mit Winnie Mandela in Soweto zu Gesprächen traf, bei denen es um eine Widerstandstaktik gegen die Regierungspolitik ging.

Barrierefreiheit und weitere Informationen

Das Apartheid Museum ist für Rollstuhlfahrer komplett barrierefrei, alle Ausstellungsbereiche sind über Rampen gut erschlossen.

 

Apartheid Museum

Cnr Northern Parkway & Gold Reef Roads,
Ormonde, Johannesburg
South Africa

 

 

geöffnet:

Montag bis Sonntag 9:00 – 17:00 Uhr

 

Eintritt:
Erwachsene: ZAR 80.00
ermäßigt: ZAR 65.00

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