Ein ziemlich nasser Stadtrundgang durch Braunschweig

Burg Dankwarderode in Braunschweig und davor: der Braunschweiger Löwe
Burg Dankwarderode in Braunschweig und davor: der Braunschweiger Löwe

Am letzten Oktober-Wochenende war ich in Braunschweig. Was fällt Euch dazu ein? Wahrscheinlich genau wie mir bisher: Stadt auf dem Weg nach Berlin, Fußball, nichts besonderes halt.

 

Stopp – das ist falsch.

 

Braunschweig ist über die Jahrhunderte harmonisch gewachsen. Die Stadt hat drei Hochschulen und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Und sie hat etliche Museen. Bei einem Stadtrundgang im feucht-kalten Nieselregen haben wir Interessantes erfahren und viel Neues gelernt. Braunschweig ist viel viel schöner als man zunächst denkt.

 

Also kommt mit und lasst Euch verführen!

Das Wetter war richtig eklig, da beißt die Maus den Faden nicht von ab, als wir uns am späten Nachmittag zu einem geführten Stadtrundgang mit Frau Bellmann treffen. Sie wird in den nächsten 1 1/2 Stunden mit uns durch den mal stärkeren, mal schwächeren Nieselregen spazieren und uns ihre Heimatstadt sachkundig und mit viel Herzblut näher bringen.

 

Erste Siedlungen in der Gegend um Braunschweig gab es schon sehr früh, angeblich vor 270.000 Jahren. Nach einer mündlichen Überlieferung wurde die Stadt 861 gegründet, die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1031. Die Urkunde von damals ist die Weihurkunde der Magnikirche, die bis heute existiert. Das Magniviertel ist das älteste Viertel von Braunschweig, dort kann man besonders schön bummeln. Die Lage von Braunschweig war günstig, durch den Fluss Oker war die Stadt schiffbar und sie lag an mehreren bedeutenden Handelsstraßen; der Handel konnte also florieren. Im Mittelalter war die Stadt über 300 Jahre Mitglied der Hanse.

 

Besondere Bedeutung bekam Braunschweig erst durch Heinrich den Löwen, einen Cousin Friedrich Barbarossas. Er baute Brunswick zu seiner Residenzstadt aus. Die Welfen regierten Braunschweig bis zur Abdankung des letzten Herzogs 1918. Lediglich in den Jahren 1432 bis 1753 zog das Adelsgeschlecht nach Wolfenbüttel, nach der Fertigstellung ihres neuen Schlosses kamen sie zurück nach Braunschweig.

 

Durch die Zerstörung der Braunschweiger Innenstadt durch Luftangriffe während des Zweiten Weltkrieges, insbesondere den Luftangriff vom 15. Oktober 1944, sind nur noch wenige alte Gebäude und Straßenzüge in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben. Allerdings hat man sich bemüht, stadtgeschichtlich wichtige Gebäude wieder aufzubauen. Unzerstörtes, Restauriertes oder Wiederaufgebautes findet Ihr heute vor allem in den fünf „Traditionsinseln“ der Innenstadt: Rund um den Dom, die Aegidien-, Magni-, Martini- und um die Michaeliskirche. Diese „Traditionsinseln“ wurden schon kurz nach dem Krieg vom damaligen Landeskonservator geschaffen und stehen unter Denkmalschutz.

Am Burgplatz startete unser Rundgang. Hier stehen die wichtigsten Gebäude des Mittelalters.

 

Die Burg Dankwarderode gehört zu den Wahrzeichen von Braunschweig. Erbaut wurde sie von Heinrich dem Löwen nach dem  Vorbild der Kaiserpfalz in Goslar. Ein Löwe war Heinrichs Herrschaftssymbol, weshalb auf dem Platz auch der Braunschweiger Löwe einen Platz gefunden hat.

 

Der Bau des Braunschweiger Doms, der ebenfalls hier steht, begann nach der Rückkehr Heinrichs des Löwen von seiner Pilgerfahrt nach Jerusalem. Er ist im romanischen Stil erbaut. Die ersten Seitenschiffe wurden jedoch abgerissen und im gotischen Stil wieder errichtet. Das eine Seitenschiff stammt aus der Zeit der Frühgotik, das andere dagegen ist im spätgotischen  Tudor-Stil erbaut. Es liegt nahe, dass dies auf eine Anregung seiner zweiten Ehefrau, Mathilde von England, zurückgeht.

Die Geschichte des Schlosses, die wir im mittlerweile fast strömenden Regen hörten, ist etwas Ungewöhnliches.Das Schloss im klassizistischem Stil wurde von Carl Theodor Ottmer, einem Schüler von Karl Friedrich Schinkel 1831 erbaut, 1960 abgerissen und zwischen 2005 und 2007 wieder errichtet.

 

Bis 1918 war das Schloss der Hauptsitz der Welfenherzöge. Während des Zweiten Weltkrieges wurde es stark beschädigt, daraufhin 1960 vollständig abgerissen. 2006 fand sich ein Investor, der das Schloss in seiner ursprünglichen Gestalt wieder aufgebaut hat, hauptsächlich anhand von Fotografien. Auf dem Schloss steht die größte Quadriga Europas.

 

Heute befindet sich im Schloss das Stadtarchiv, das Schlossmuseum und die Stadtbibliothek. Und damit sich die Investition lohnt versteckt sich hinter dem wieder aufgebauten Schloss in einem modernen Anbau ein riesiges Einkaufszentrum.

Altstadtmarkt in Braunschweig
Altstadtmarkt in Braunschweig

Besonders gut hat mir, obwohl inzwischen fast schon durchnässt, in seiner abendlichen Stimmung am Schluss unseres Rundganges der Altstadtmarkt mit dem Altstadtrathaus, Altstadtmarktbrunnen, Gewandhaus und Stechinelli-Haus gefallen.

 

Vermutlich wurde der Altstadtmarkt im frühen 12. Jahrhundert angelegt. Kaufleute und florierender Handel sorgten für zunehmenden Wohlstand. Der Bereich rund um den Altstadtmarkt kann als das bürgerliche Pendant zum herzoglichen Burgbezirk aus Dom und Burg Dankwarderode angesehen werden.

Gewandhaus am Altstadtmarkt in Braunschweig
Gewandhaus am Altstadtmarkt in Braunschweig

Eindrucksvoll ist vor allem das Gewandhaus am Altstadtmarkt in Braunschweig. Es diente ursprünglich als Lager-, Verkaufs- und Gildehaus der Gewandschneider. Die Bezeichnung „Gewandhaus“ leitet sich von der Handelsware der Wandschneider ab, die „gewendetes“ also gefaltet aufbewahrtes Tuch einkauften und es in Abschnitten verkauften. Neben dem Handel diente das Gewandhaus vor allem auch Repräsentationszwecken. Es war ein Ort für Versammlungen und Festlichkeiten. Macht und Reichtum der Gewandschneider, die die älteste und vornehmste Gilde der Stadt stellten, werden durch den Bau des Gewandhauses zur Schau gestellt.

Nach diesem interessanten, wenn auch sehr feuchten, Rundgang durch mehrere der Braunschweiger "Traditionsinseln" konnten wir uns aufwärmen. Es gab ein leckeres Abendessen in der fröhlich-modernen Atmosphäre der Apotheke Café, Restaurant & Tagesbar

 

Eine gemütliche und schicke Einrichtung, ein leckerer Duft von herrlichen Speisen und nette Menschen erwarteten uns. Allerlei Köstlichkeiten fanden den Weg auf unsere Teller und rundeten unser Braunschweiger Genusserlebnis in geselliger Runde ab.

Barrierefreiheit und weitere Informationen

Übrigens: das Braunschweiger Stadtmarketing bietet auf Nachfrage auch barrierefreie oder -arme Stadtrundgänge an. Dabei wird das allgegenwärtige Kopfsteinpflaster gemieden, so gut es geht. Und ggf. wird auch der Weg ein wenig abgekürzt, falls die Kondition nicht reicht.

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Kommentare: 5
  • #1

    Orange Diamond Blog (Mittwoch, 23 November 2016 13:28)

    Hallo Ulli,

    du hast einen wunderbaren Bericht verfasst! Es ist doch etwas Anderes eine Stadtführung aus einem anderen Blickwinkel zu erleben. Schade, dass wir erst so spät dazu gekommen sind!
    Es war wirklich toll! Ich freue mich schon auf den Bericht über das HAUM!

    Liebe Grüße,
    Alexandra.

  • #2

    Zypresse (Mittwoch, 23 November 2016 17:00)

    Danke Dir, Alexandra. Der Rundgang war wirklich lohnend - aber klar, Freitag am späten Nachmittag ist einfach schwierig für die, die außer Bloggen auch noch einen Beruf haben ;-) Und HAUM folgt bald!

  • #3

    Beate (Donnerstag, 24 November 2016 06:53)

    Braunschweig also ... ist vorgemerkt für eine unserer nächsten Städtetouren! Danke für den interessanten Bericht und die Appetit-machenden Bilder. Ich meine natürlich die mit den historischen Gebäuden :-))

  • #4

    Zypresse (Donnerstag, 24 November 2016 11:53)

    Oh ja... und wenn Ihr schon mal dort seid: Wolfenbüttel mit Lessinghaus und der absolut beeindruckenden Bibliothek ist auch nicht fern. Und das HAUM lohnt auch, warts nur ab!

  • #5

    Burgdame (Freitag, 02 Dezember 2016 16:09)

    Ich wusste auch kaum etwas über Braunschweig, aber... Verführung hat geklappt, ich bin verliebt und plane schon den nächsten Besuch.