Mit der Harzer Schmalspurbahn auf den Brocken

Harzer Schmalspurbahnen fahren auf den Brocken
Harzer Schmalspurbahnen fahren auf den Brocken

Könnt Ihr Euch erinnern, damals im Kindergarten? Es gab da ein beliebtes Spiel:

 

Tuff tuff tuff, die Eisenbahn,

wer will mit, der hängt sich dran.

Alleine fahren mag ich nicht,

drum nehme ich den/die ... mit.

 

Der Erste geht los und spricht den Text (für jedes Kind eine Strophe), das jeweilige Kind hängt sich dann hinten dran und läuft mit. Und am Schluss laufen alle in einer großen Schlange hintereinander.

 

Und außerdem, wer freut sich nicht, wenn er sie sieht, diese schmucken schwarzen Dampfrösser, die mit viel Krach und Dampf in den Bahnhof einfahren. Irgendwie haben sie immer etwas von der "guten alten Zeit" und technisch faszinierend sind sie allemal.

 

Auf dem Rückweg von Berlin haben wir daher im August die Gelegenheit genutzt, einmal mit einem echten Zug unter Dampf zu fahren. Das geht nämlich nicht nur in zahlreichen Eisenbahnmuseen und verschiedenen Museumszügen, das geht auch im normalen Linienverkehr mit Fahrplan im Harz. Dort sind die Harzer Schmalspurbahnen unterwegs.

Und so fanden wir uns morgens gegen zehn Uhr im Bahnhof Werningerode ein. Die Harzer Schmalspurbahnen haben eine eigenes Abfertigungsgebäude links vom Bahnhof, Parkplätze gibt es ausreichend und die Abfahrt fand pünktlich um 10:25 Uhr vom Gleis 31 aus statt.

 

Vorher gab es allerdings noch reichlich Zeit, mehrere Lokomotiven von einer erhöhten Aussichtsplattform aus zu bestaunen. Schaffnerinnen verkündeten die Abfahrt mit einem fröhlichen Pfiff auf der Trillerpfeife. Wenn man nicht schon vorher bemerkt hätte, wie die Loks angeheizt wurden, ein klares Signal, dass es los geht.

 

Die Brockenbahn kämpft sich - nachdem wir den Rand der Innenstadt von Werningerode durchquert haben - allmählich hoch nach Drei Annen Hohne, auf rund 540 Metern Höhe. Schöne Ausblicke in die Berglandschaft gibt es dabei immer wieder, manches Mal fahren wir auch mitten durch den Wald. An unserem Reisetag Anfang August ist das Wetter zunächst zwar bedeckt aber trocken.

 

Praktisch unmittelbar nach unserem Halt geht es in den Nationalpark Harz. Es geht weiter steil bergauf und recht schnell erreichen wir den nächsten Bahnhof Schierke. Ich verlasse zwischendurch öfter meinen Sitzplatz im geräumigen Waggon für die Rollstuhlfahrer und fotografiere von der offenen Plattform aus. Von hier kann man gerade in Kurven immer wieder den gesamten Zug oder auch die Lokomotive vorn (und den Lokomotivführer) sehen. Auch in den Bahnhöfen sind die Haltezeiten meist so lang, dass ich einmal aussteigen und mich ein wenig umsehen kann.

 

Die Strecke wird einsamer, die Landschaft drumherum wilder - man merkt, wie es weiter in die Höhe geht. Irgendwann unterwegs kreuzen wir auch die Straße, die auf den Brocken führt. Es wird bei unserer Fahrt empfindlich kühler, es wird zunehmend diesiger und schließlich merken wir an einem deutlichen Nieseln: wir sind in den Wolken. Rechts und links neben der Strecke sehen wir immer wieder tapfere Wanderer, die sich vom Wetter nicht stören lassen. Alle Menschen bleiben stehen, wenn die Brockenbahn vorbeifährt und freuen sich über die Dampfbahn.

 

Später, bei einem Blick auf die Landkarte, entdecke ich, dass wir in der Tat den Brocken anderthalb mal umrunden - bei dem Nebel rings um uns herum konnten wir das von unterwegs nicht erkennen. Wir erreichen den Bahnhof Brocken nach knapp 20 km Fahrt mit der Bahn. Für die Strecke haben wir etwa 1 1/2 Stunden benötigt.

Leider ist es auf 1.125 m überhaupt nicht schön. Es ist sehr kalt, der Wind weht eisig, es nieselt - warm wird uns hier nicht. Wir beschließen, dass es angesichts des Wetters wenig sinnvoll ist, den steilen und im Nebel kaum erkennbaren Weg zum Brockenhaus mit dem Rollstuhl zurück zu legen. Stattdessen hoffen wir im Bahnhof auf einen Kaffee und vielleicht eine heiße Suppe? Wir haben keine Chance, auf die Idee sind schon viele andere gekommen und wir finden keinen Platz. Außerhalb gibt es einen kleinen Verkaufsschalter, der Kaffee und andere Kleinigkeiten verkauft. Allerdings darf man im beheizten Warteraum der Harzer Schmalspurbahnen nichts essen oder trinken - so fällt auch der Coffee-to-go dem Mistwetter zum Opfer. Wir sind froh, uns im Trockenen aufhalten zu können und loben uns gegenseitig dafür, so klug gewesen zu sein, die Rückfahrt mit dem Rollstuhl bereits für 13:14 Uhr angemeldet zu haben.

 

Noch klüger von uns wäre es sicher gewesen, sich vorher einmal mit ein paar Daten zu befassen:

der Brocken hat

  • ca. 300 Nebeltage im Jahr
  • 10,3 Grad durchschnittliche Tageshöchsttemperatur im Juli
  • 178 Tage mit Schneedecke auf dem Gipfel

Gegen 15 Uhr am Nachmittag sind wir in Werningerode zurück. Im Bahnhof kaufen wir uns einen heißen Kaffee. Die Fahrt war schön, dem Wetter zum Trotz. Es war spannend, Dampflokomotiven bei der Arbeit zu erleben. Bei besserer Sicht ist das Erlebnis einer Fahrt durch die Natur, hinauf in die einsame Berglandschaft ganz sicher noch viel eindrucksvoller. Unser Fazit daher: mit der Brockenbahn zu fahren lohnt sich und wenn wir die Gelegenheit haben werden wir diese Tour bestimmt noch einmal wiederholen - aber bitte mit besserem Wetter!

Barrierefreiheit der Brockenbahn

Rollstuhlfahrer können von Mai bis Oktober mit der Harzer Schmalspurbahn auf den Brocken fahren – von Wernigerode oder Drei Annen Hohne aus. 

 

Es wird ein entsprechender Wagen mit ausreichend Raum für bis zu vier Rollstühle in die Bahn eingestellt. Daher und wegen der Bereitstellung der Hubgeräte als Einstiegshilfe muss man sich als Rollstuhlfahrer drei Tage vorher anmelden: Das geht telefonisch (Telefon 03943 5580), per Mail kundenservice@hsb-wr.de und auch online bei der Harzer Schmalspurbahn. Hier kann das Formular zur Anmeldung des Rollstuhls herunter geladen werden.

 

Das Brockenhaus auf dem Gipfel ist ebenfalls rollstuhlgerecht, allerdings gibt es zwischen dem Brockenbahnhof und dem Brockenhaus eine Steigung. Der Brockengarten ist ebenfalls teilweise mit dem Rollstuhl erlebbar.

 

Schwerbehinderte Menschen mit gültigem Schwerbehinderten-Ausweis und gültiger Wertmarke werden kostenlos befördert. Begleiter von Schwerbehinderten Menschen werden kostenlos befördert, wenn der Schwerbehinderte Mensch einen Ausweis mit dem entsprechenden Kennzeichen "B" besitzt.

Ergänzende Informationen

Für die Fahrt zum Brocken gilt ein einheitlicher Fahrpreis, der Brockentarif. Dieser gilt von allen Stationen der HSB zum Brocken.

 

Erwachsene (Einfache Fahrt) 25,00 €

Erwachsene (Hin/Rückfahrt) 39,00 €

Kind (6 - 11 Jahre) (Einfache Fahrt) 12,50 €

Kind (6 - 11 Jahre) (Hin/Rückfahrt) 19,50 €

Nathalie, Mutter von zwei Söhnen im Alter von 5 und 2 hat ebenfalls über ihren Ausflug mit der Brockenbahn gebloggt (und sie hatten zumindest ein wenig besseres Wetter als wir).

Ich bin als @zypresse3 bei Instagram.

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Kommentare: 4
  • #1

    Zehn Zugfahrten (Mittwoch, 09 November 2016 06:04)

    ich war zwar nie im Kindergarten und kenne auch das Spiel nicht ;-(
    Aber ich bin großer Eisenbahn-Fan und habe die virtuelle Fahrt auf den Brocken sehr genossen. Trotz schlechten Wetters. Danke für diesen interessanten Bericht und die Fotos; mir gefallen vor allem die mit Dampf und Nebel. Bei Sonnenschein kann jeder ...

  • #2

    Zypresse (Mittwoch, 09 November 2016 08:12)

    Hach Beate, ein paar Grad mehr wären doch gleich viel gemütlicher gewesen. Und mit deinen zehn Zugfahrten, da können wir lange nicht mithalten.

  • #3

    Sebastian (Dienstag, 18 Juli 2017 11:19)

    Schöner Beitrag mit tollen Fotos.
    Schau doch auch mal bei mir vorbei:
    http://tr4vel.de/2017/07/18/ein-brocken-ein-berg/

    Gruß
    Sebastian

  • #4

    Zypresse (Dienstag, 18 Juli 2017 11:24)

    Brr, wie kalt - der Brocken im Schnee. Aber schön sind sie, Deine Fotos, Sebastian! Danke für den Hinweis.