Autotour durch die sibyllinischen Berge und nach Norcia

auf dem Weg nach Castelluccio
auf dem Weg nach Castelluccio

Ich hoffe, Ihr seht mir nach, dass ich in der letzten Zeit ein wenig still war mit den Berichten von unserer Reise in die italienischen Marken. Offenbar hatten wir beide, ich genauso wie der Gatte, Ruhe und Erholung bitter nötig. Daher gab es nur wenig Zeit online, mehr Zeit gemeinsam, mehr Zeit zum Entspannen, Lesen, Nichtstun.

 

Heute nun aber soll es weiter gehen mit Impressionen, Informationen und Bericht aus diesem zu Unrecht verkannten Teil Italiens. Denn wir haben die Locanda tatsächlich auch gelegentlich verlassen um ein wenig Land und Leute zu erkunden. Und einer unserer ersten Ausflüge führte uns in den Nationalpark Monti Sibillini (Parco nazionale dei Monti Sibillini). Der ca. 70.000 ha große Park ist Teil des Apennin. Er liegt im Herzen Italiens, zwischen den Marken und Umbrien, in den Monti Sibillini. Der 1993 gegründete Park erschließt einen Bereich, geformt von der Natur und gezeichnet von Geschichte und Kultur.

Nationalpark Monti Sibillini (Parco nazionale dei Monti Sibillini)

Nationalpark Monti Sibillini (Parco nazionale dei Monti Sibillini)
Nationalpark Monti Sibillini (Parco nazionale dei Monti Sibillini)

Man erreicht ihn über die Schnellstraße SS77, die man zwischen Muccia und dem Fiastrasee verlässt um dann auf recht gut ausgebauten Straßen via Visso die Bergwelt zu erobern. Diese Möglichkeit fanden an diesem Sonntag außer uns auch zahlreiche Motorradfahrer reizvoll - allerdings waren die weniger auf gemütliches Genuss-Cruisen im offenen Cabrio aus wie wir, sie nutzten die Straßen und das hervorragende Wetter, um die Straßenlage der Bikes gerade auch in den Kurven voll auszutesten. Fast schon verwunderlich, dass wir nur einen Sturz (bei dem außer einigen abgebrochenen Metallteilen nichts passiert ist) gesehen haben.

 

Die unteren Lagen des Nationalparks sind überwiegend bewaldet, es gibt kleine, verwunsche Örtchen. Kommt man höher, so weichen die Bäume ausgedehnten Feldern und später alpinen Wiesen. Der höchste Berg ist der Monte Vettore (2476 m).

 

Die Monti Sibillini waren im Mittelalter europaweit als Reich der Dämonen und Feen bekannt. Die berühmteste der zahlreichen Legenden ist die der Prophetin Sibylle, die in einer Grotte lebte. Daneben gibt es zahlreiche historisch - kulturelle Kleinode: Über das Gebiet verteilt findet man viele Burgen, Wachtürme, historische Dörfer, Kirchen, romanische Pfarrkirchen, Fresken und andere Kunstschätze.

 

Die Berge sind ein beliebtes Urlaubs- und Ausflugsgebiet der Italiener: im Winter für alle Sportarten im Schnee, zu den übrigen Zeiten des Jahres kann man hier gut Wandern, Mountainbiken oder auch Gleitschirmfliegen.

Castelluccio di Norcia

Castelluccio di Norcia inmitten der Hochebenen
Castelluccio di Norcia inmitten der Hochebenen

Unser Ziel in den sibyllinischen Bergen war Castelluccio. Das Dorf Castelluccio di Norcia liegt auf einem kleinen Hügel etwa 1250m über dem Meeresspiegel, nicht mehr in den Marken, sondern schon in Umbrien. Die Hochebene rund um das Dorf ist in Italien auch wegen der Linsen, der sehr feinen „lenticchie di Castelluccio“ bekannt. Wir waren bei unserem Besuch leider etwas zu früh im Jahr für die „fioritura“, die Blüte, das einmalige Naturereignis bei Castelluccio. Zwischen Ende Mai und Juli verwandelt das magische Ereignis der gleichzeitigen Blüte mehrerer Blumensorten die Linsenfelder der Hochebene in ein Farbenmosaik. Mehrere Wochen lang wird die Monotonie durch eine Farbenexplosion ersetzt. Wann es losgeht liegt in jedem Jahr am Wetter. Entweder vor einer Tour anrufen oder einen Blick auf die Webcam werfen.

 

So konnten wir nur die Gelegenheit nutzen (es war grad gegen Mittag), uns in einem der Geschäfte am Dorfplatz mit frisch belegten Panini zu versorgen und dann einen netten Picknickplatz auf einer Wiese mit Sonne und Fernblick zu suchen. Ein schöneres „Esszimmer“ kann ich mir kaum vorstellen!

Norcia

Piazza San Benedetto in Norcia
Piazza San Benedetto in Norcia

Nach einer ausgedehnten Mittagspause ging es weiter auf gut ausgebauten und recht leeren Straßen. Unser zweites Ziel für den Tag war Norcia, eine Kleinstadt mit grad mal unter 5000 Einwohnern in der umbrischen Provinz Perugia in Italien. Hier spielt der Tourismus eine wichtige Rolle. Die Ursprünge des Ortes gehen auf die Zeit der Sabiner zurück. Norcia wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. von den Römern erobert und bekam 268 v. Chr. römisches Bürgerrecht. 572 n. Chr. wurde Norcia von den Langobarden, deren Zentrum sich im nahen Spoleto befand zerstört. Ihnen folgten Goten und Sarazenen, so dass Norcia 890 verlassen war. Erst langsam entwickelte sich danach wieder das bürgerliche Leben, bis sich Norcia um 1200 als Freie Kommune konstituierte. Es entwickelte sich zu einem regionalen Zentrum und Handelsplatz. Gleichzeitig wurde die heute noch erhaltene Stadtmauer errichtet.

 

Um 480 sollen hier der heilige Benedikt, Gründer des Benediktinerordens, und seine Zwillingsschwester Scholastika geboren worden sein. Nach ihm ist auch die zentrale Piazza San Benedetto benannt. Rundum stehen

  • die Basilika San Benedetto, errichtet um 1200
  • das Rathaus (um 1300)
  • und die im 16. Jahrhundert erbaute castellina, ein festungsartiger Stadtpalast
in Norcia
in Norcia

Wir fanden den kleinen Ort ausnehmend hübsch, mit netten kleinen Gassen, einem kompakten Zentrum rund um den Platz. Für einen Sonntagnachmittag war es ausnehmend belebt dort, davon konnten wir uns bei unserem Bummel überzeugen. Der Ort wird halt viel besucht von italienischen und auch ausländischen Touristen. Sie alle haben nur zweierlei im Sinn: entweder den Besuch beim heiligen Benedikt oder den Einkauf kulinarischer Genüsse. Norcia ist nämlich über Italien hinaus für seine Schwarzen Trüffel und Schweinswürste bekannt. Die haltbaren Würste aus Norcia wurden früher von fliegenden Händlern in ganz Mittelitalien verkauft. Daher werden noch heute Feinkostläden in Italien als Norcineria bezeichnet. Norcia ist überwiegend flach und eben, die Straßen haben ein gutes Pflaster, sie sind also sehr geeignet für einen Spaziergang auch für Rollstuhlfahrer.

 

Nach einem letzten Espresso am Stadttor haben wir unseren Bummel durch den Ort beendet und uns auf den Weg zurück in die Locanda gemacht. Es war ein runder Tag mit wunderbarem Wetter, vielen schönen Eindrücken und ein sehr empfehlenswerter Tagesausflug!

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Kommentare: 2
  • #1

    Janine (Freitag, 29 Mai 2015 18:37)

    Hmmmm, das klingt ganz wunderbar. Italien steht auf jeden Fall noch meiner "to-do"-Liste. LG Janine

  • #2

    Zypresse (Montag, 01 Juni 2015 07:41)

    Ab dem übernächsten Jahr dann wohl... die Locanda ist auch für Kinder schön, ruhig, viel Grün und etliche freundliche Katzen ;-)