Unser Flug Frankfurt-Johannesburg-Frankfurt mit dem A380 in der Premium Economy

Flug FRA-JNB
Flug FRA-JNB

Nach jahre-, ja eigentlich jahrzehntelanger Lufthansa-Abstinenz sind wir in diesem Jahr wieder einmal mit der deutschen Airline geflogen. Warum? Nun, seit einiger Zeit bietet auch Lufthansa die Premium Economy an und sie setzt (noch bis zum Flugplanwechsel im Oktober) auf der Strecke Frankfurt - Johannesburg den A380, das größte Passagierflugzeug der Welt, ein. Beides machte uns neugierig, wir hatten Lust darauf, uns das anzusehen, die Erfahrung eines A380 Fluges einmal zu machen. Und als es dann im letzten Herbst günstige Tarife gab haben wir uns rasch entschlossen: Die nächste Südafrikareise treten wir mit dem inzwischen zehn Jahre alten A380 an.

 

Ein wenig unruhig wurden wir dann, als am Dienstag vor unserem Abflug zunächst die Lufthansa-Langstrecken, am Mittwoch dann die Kurz- und Mittelstrecken bestreikt wurden. Aber wir hatten Glück - dieser Arbeitskampf fand ein rasches juristisches Ende und an unserem Abreisetag war der Flugplan wieder im Lot. Los ging es mit dem Zubringerflug von Düsseldorf. Der Check-in war freundlich, das Gepäck ging gleich bis Johannesburg durchzuchecken, der Rollstuhlservice pünktlich, hilfsbereit - ein pre-boarding ohne Schwierigkeiten und die gewünschten Plätze. Kaum in der Luft ging es auch schon wieder hinunter.

Umstieg in Frankfurt

Lufthansa A 380 in Frankfurt
Lufthansa A 380 in Frankfurt

Die Umsteigezeit in Frankfurt war - zumindest für Rollstuhlfahrer - mit 1 ½ Stunde recht knapp bemessen: wir hatten lange Wege zurückzulegen, die Transportbänder sind für Gepäckwagen gesperrt (und so auch mit Rollstuhl nicht zu benutzen), alles also zu Fuß zurücklegen. Sinnvoll ist es, vor der Langstrecke nochmals eine Behindertentoilette aufzusuchen. Hinzu kommt die Passkontrolle mit langer Schlange und gründlicher, wenngleich freundlicher, Abfertigung: all das kostet Zeit.

 

Noch enger wurde es beim Rückflug: da hatten wir gerade einmal 1 Stunde 15 Minuten Zeit. Zum Glück war es am frühen Morgen nicht voll und auf unsere Bitte hin wurden wir begleitet: auf einmal klappte es mit einer gesonderten Kontrolle - für einen Toilettenbesuch nach dem Langstreckenflug reichte die Zeit dennoch nicht.

 

Kleiner Hinweis an die Bundespolizei: anderswo (in anderen Ländern, zB. GB, USA, SA, AUS usw.) dürfen Rollstuhlfahrer („assisted passengers“) die Crew-Kontrolle benutzen. Das spart einiges an Zeit für den Umstieg bei den langen Wegen. Wäre das vielleicht auch in Frankfurt (und andere deutsche Flughäfen) denkbar?

 

Frage an die Lufthansa: wäre es vielleicht sinnvoll, bei Passagieren mit Rollstuhl (WCHC) grundsätzlich eine etwas längere Umsteigezeit vorzusehen oder zumindest auf Wunsch zu ermöglichen? Auf Nachfrage wurde mir nämlich mitgeteilt, eine Umbuchung sei nur kostenpflichtig möglich.

Boarding und Flugzeug

in der Premium Economy des Lufthansa A380-800
in der Premium Economy des Lufthansa A380-800

Am Check in für Johannesburg mit Lufthansa in der Premium Economy trafen wir rechtzeitig ein, das Boarding hatte noch nicht begonnen. Allein der Rollstuhlservice war noch nicht da, er würde sich ein wenig verspäten. Daher also kein pre-boarding sondern ein Einsteigen erst dann, wenn bereits alle anderen Passagier eingestiegen waren:  einmal durchs Flugzeug, vorbei an interessiert zuschauenden Menschen in den Sitz gehoben werden. Nun ja - so ist das eben.

 

Wir saßen sowohl auf dem Hin- wie auch dem Rückflug in Reihe 55, Fenster- und Gangplatz, mitten drin in der Premium Economy. Das größte Passagierflugzeug der Welt der Lufthansa macht innen einen modernen, frisch wirkenden Eindruck. Die Stehhöhe selbst am Fenster unter den Gepäckfächern ist beachtlich. Auch sonst: die Zwischenklasse zwischen Holz- und Business bietet deutlich mehr Raum: Sitzabstand, Gangbreite sind durchaus angenehm.

 

Im Laufe des Nachtfluges mussten wir allerdings beide feststellen: wir empfinden die Sitze nicht als besonders bequem. Sie sind hart, kaum ergonomisch - da waren Rückenschmerzen vorprogrammiert.

 

Die Sicherheitsinstruktionen werden in diesem modernen Fluggerät nicht mehr von der Kabinenbesatzung gegeben - das geht heutzutage alles per animiertem Video. Toll: der Lufthansa A380 hat Kameras montiert, die Außenaufnahmen auf den eigenen Bildschirm übertragen. Und so konnten wir den Start in Frankfurt über die am Heck montierte Kamera verfolgen und natürlich auch ganz altmodisch aus dem Fenster schauen. Der A380-800 fliegt ruhig und angenehm. Wir meinen beide, er sei ein wenig geräuschärmer als ältere Maschinen. Die Hand dafür ins Feuer legen können wir allerdings nicht.

Service - Hinflug

vegetarisches Sondermenu Hinflug
vegetarisches Sondermenu Hinflug

Der Service begann auf dem Hinflug mit Lufthansa in der Premium Economymit einem alkoholfreien Drink: Orangensaft mit Minze wurde gereicht. Ob es geschmeckt hat kann ich als bekennender Minz-Verächter nicht sagen - eine Alternative gab es nicht (oder diese wurde nicht angeboten?).

 

Nach dem Start dann begann der reguläre Service mit einer Auswahl an Drinks vor dem Abendessen. Das Abendessen selbst… nun ja: in der Premium Economy wird es auf Porzellan serviert. Ich esse bei Langstreckenflügen immer vegetarisch, mein Abendessen wurde daher vor allen anderen Mahlzeiten serviert. Was es gab: eine kleine Portion Gemüsesalat, danach Kartoffeln mit einer Art von… vielleicht Ratatouille und Schafskäse? Es sah nicht sonderlich Appetit anregend aus und geschmeckt hat es leider auch nicht. Am ehesten genießbar war das Dessert: eine Quarkcreme mit klein geschnittenen Früchten. Erst als ich mein Abendessen beendet hatte (damit das warme Gericht nicht vollends abkühlte) erreichte der reguläre Service den Gatten: er wählte Rindergulasch. Auch dazu gab es einen gemischten Salat und als Dessert eine Art Pflaumenstreusel. Begeistert hat es ihn nicht. Nach dem Abendessen für mich, zum Abendessen für alle Passagiere ohne Sondermenü gab es eine Auswahl an Wein: rot oder weiß oder nicht-alkoholische Getränke.

 

Ob im Laufe der Nacht Getränke gereicht wurden können wir beide nicht sagen: das haben wir verschlafen. Was wir feststellen mussten: auch das Frühstück, egal ob vegetarisch oder die „normale“ Variante war nicht besonders schmackhaft. Und für mich gab es den Tee erst mit erheblicher Verzögerung, nämlich nachdem ich mein Frühstück teil-verzehrt hatte und der allgemeine Service durchgeführt wurde.

 

Frage an die Lufthansa: warum serviert die Kabinenbesatzung bei Sondermenüs nicht schon gleich ein Wunschgetränk? So könnten auch Passagiere mit Sondermenü zum Essen einen Wein genießen oder ein Wasser trinken und hätten nicht die Alternative, auf den Getränkeservice zu warten und dann ein kaltes Hauptgericht verzehren zu müssen? Und vielleicht könnten sie auch einen Kaffee oder Tee zum warmen Frühstück trinken?

Service - Rückflug

vegetarisches Sondermenu Rückflug
vegetarisches Sondermenu Rückflug

Der Service begann auch zurück nach Frankfurt in der Lufthansa Premium Economy mit einem Saft. Nach dem Start dann der reguläre Service mit einer Auswahl an Drinks vor dem Abendessen.

 

Das Abendessen selbst war, zumal was mein vegetarisches Gericht anging, wirklich lecker. Und: ich bekam ein Glas Wein und ein Wasser dazu serviert. Es gab eine kleine Portion Rohkostsalat, danach eine Spinattortilla mit Kartoffeln und Gemüse. Das sah nicht nur lecker und frisch aus, es hat auch genauso geschmeckt.

 

Im Laufe der Nacht kam mehrfach ein Mitglied der Kabinenbesatzung vorbei und bot Getränke vom Tablett an.

 

Das Frühstück, egal ob vegetarisch oder die „normale“ Variante war etwas schmackhafter als auf dem Hinflug. Und für mich gab es den Tee zum Frühstück, nicht erst mit dem allgemeinen Service.

 

Dafür an dieser Stelle mein ganz herzliches Dankeschön an den aufmerksamen Herrn im Kabinenservice von Lufthansa: unaufgefordert mit gedacht, einen Passagier mit Sondermenü glücklich gemacht!

Fazit

Lufthansa Airbus A380-800 "Düsseldorf" in Johannesburg
Lufthansa Airbus A380-800 "Düsseldorf" in Johannesburg

Hat es sich gelohnt?

Ja, die Erfahrung, wieder einmal mit der deutschen Airline zu fliegen, den inzwischen zehn Jahre alten A380, das größte Passagierflugzeug der Welt, in der Lufthansa Premium Economy zu erleben, war durchaus interessant.

 

Werden wir es wiederholen?

Nun, man soll nie nie sagen. Das wird aber ohne jeden Zweifel von günstigen Verbindungen und wirtschaftlichen Preisen der Lufthansa Premium Economy abhängen.

 

Hat uns der Flug überzeugt?

Nicht wirklich umfassend.  Namentlich auf dem Hinflug hat eine recht lustlos und wenig motiviert wirkende Lufthansa Kabinenbesatzung unseren Eindruck getrübt. Das konnte der wirklich nette, freundliche und aufmerksame Service beim Heimflug nur teilweise wettmachen.

Offenlegung: Unsere Lufthansa Flüge DUS-FRA-JNB-FRA-DUS haben wir selbst gebucht und selbst in voller Höhe bezahlt. Meine Meinung ist ausschließlich meine eigene.