Dieser verdammte Jetlag

vor dem Start in LHR
vor dem Start in LHR

Nachdem wir es überstanden hatten, dachte ich: Jetlag, das ist doch auch mal ein Thema für einen Blogeintrag. Oder etwa nicht? Schließlich führte uns die Reise im vergangenen Jahr in eine andere Zeitzone… etwas, was wir bei unseren Südafrikatrips gar nicht kennen.

 

Das erste was wir nach der Rückkehr aus den USA gemerkt haben waren die typischen Anzeichen eines Jetlag: rote, brennende Augen, eine leichte Reizbarkeit, Herzklopfen Schlaflosigkeit in der Nacht. Ganz ohne Warnung kommt er ja nicht, der Jetlag - trotzdem, ein wenig fühlt man sich wie ein Zombie, nicht ganz da, nicht ganz hier, in Watte gepackt, unlustig, mit dunklen Rändern unter den Augen. Die Kollegen reagieren nachsichtig amüsiert: ist das Jammern über den Jetlag nicht nur ein Weg, um vom Urlaub zu erzählen und sich um die Arbeit zu drücken?

 

Warum bekommt man eigentlich einen Jetlag? Es ist nicht einfach nur Müdigkeit und zu wenig Flüssigkeit auf und nach einem langen Flug. Damit könnte man schnell klarkommen: Schlaf und viel trinken. Nein, einen Jetlag erlebt man, wenn man mehrere Zeitzonen durchquert. Er ist quasi die Strafe für unser tolles „Jet-Set-Leben“.

 

Schuld ist, das habe ich nachgelesen, eine Störung unseres Schlaf-Wach-Rhythmus, der „inneren Uhr“, die unseren Tagesablauf bestimmt. Nach der schnellen Reise über mehrere Zeitzonen ist sie nicht mehr mit der neuen Ortszeit synchron. Licht und Dunkelheit treten zu ungewohnten Zeiten auf; die natürlichen Rhythmen wie Essens- und Schlafenszeit, Hormonproduktion oder Körpertemperatur kommen aus dem Takt. Da die innere Uhr sich nicht kurzfristig an eine neue Ortszeit angleichen kann, kommt es zu unterschiedlichen körperlichen oder auch psychischen Beschwerden.

 

Was also tun?

Vor dem Flug

ADAC startet in DUS
ADAC startet in DUS

Fachleute raten: schon vor dem Flug mit Gegenmaßnahmen beginnen. Also den Langstreckenflug so buchen, dass Ihr am Abend landet. Man kommt früher zum Einschlafen und kann so die Symptome des Jetlag verringern.

 

Ebenso soll es helfen, wenn man sich bereits vor dem Abflug der nächsten Zeitzone anpasst: also früher ins Bett und früher raus wenn es nach Osten geht (oder umgekehrt, wenn es nach Westen geht). Für die Perfektionisten unter Euch: auch hier gibt es eine hilfreiche Webseite, die alles nach Wunsch berechnet und Euch einen exakten Plan zur Verfügung stellt: Jetlag-Rooster  

 

Zieht Euch bequem an für den Flug. Ein Interkontinentalflug ist kein roter Teppich und kein Laufsteg. Eine bequeme Hose, Shirt und Strickjacke, ein Schal falls es zieht und ganz wichtig: kuschlige dicke Socken gegen kalte Füße. Dann könnt Ihr an Bord später die Schuhe ausziehen und es Euch richtig gemütlich machen mit etwas zu lesen, Kopfhörern, die die Umgebungsgeräusche ausblenden.

Während des Flugs

Dreamliner von ANA wird in DUS be- und entladen
Dreamliner von ANA wird in DUS be- und entladen

Auf dem Flug kann man ebenfalls etwas gegen einen Jetlag tun: trinken, trinken, trinken. Und nein, kein Koffein, keinen Alkohol. Lieber Wasser und dabei besser stilles Wasser als mit Kohlensäure (durch den anderen Druck in der Kabine hat man sowieso einen aufgeblähten Bauch). Dazu ein leichtes Essen, viel Obst. Ich persönlich habe festgestellt, dass für mich ein bei allen Fluglinien erhältliches vegetarisches Essen deutlich die Symptome des Jetlag verringert - auch wenn ich sonst durchaus zu den Carnivoren zähle.

 

Gut ist es auch, unterwegs nicht nur am Platz zu bleiben. Es hilft durchaus, wenn man zwischendurch einmal aufsteht und sich bewegt. Das bringt den Kreislauf in Schwung und regt die Durchblutung an. Egal wie blöd es aussieht: alle Fluggesellschaften haben im Unterhaltungsprogramm auch ein paar Tipps für Gymnastik im Flugzeugsitz: macht es. Das hilft gegen verspannte Schultern, einsetzende Kopfschmerzen oder dicke Füße.

Nach dem Flug

BA push-back in DUS
BA push-back in DUS

Und nach der Ankunft? Versucht, so schnell wie möglich den neuen Tag-Nacht-Rhythmus anzunehmen um den Jetlag zu mildern.

 

Nutzt die Sonne: Licht macht es uns so viel leichter, wach, munter und gut gelaunt zu sein. Versucht, für mindestens 10 Minuten in der Sonne zu sitzen. Und mir leistet auch ein wenig Bewegung gute Dienste, die meinen Kreislauf nach dem langen Flug wieder in Schwung bringt. Also selbst bei einer Ankunft am späten Nachmittag: auf zu einem kleinen Rundgang um das neue Domizil.

 

Wenn man früh am Tag ankommt: ein gutes, nicht zu schweres Frühstück mit einem ordentlichen Kaffee schadet bestimmt nicht. Und dann wach bleiben, wach bleiben. Ein leichtes Besichtigungsprogramm absolvieren, einige Ruhepausen vielleicht in einem Park oder am Strand einlegen und viel trinken. Zwischendurch lieber zum Wachhalten einen kräftigen Espresso - aber besser nicht dem Drang nachgeben und ins Bett gehen.

 

Viel Ruhe und Entspannungspausen in die Planung der ersten Urlaubstage einbauen. Also ein ruhiges Hotelzimmer reservieren, keine anstrengenden Besichtigungstouren planen: die Freiheitsstatue steht auch morgen oder in den Tagen danach noch an Ort und Stelle.

 

Und wenn es dann endlich Zeit ist, um am Zielort schlafen zu gehen denkt daran: stellt die Weckfunktion von Handy und Co. ab, stellt es stumm (es gibt bestimmt zu Hause jemanden, der gerade jetzt eine SMS schicken will). Nichts ist ärgerlicher, als vom Piepen des eigenen Smartphones geweckt zu werden, wenn man grad eingeschlafen ist. Auch Ohrstöpsel und Augenmaske können ganz praktisch sein. Wird man mitten in der Nacht wach, kann man schneller wieder in den Schlaf sinken, wenn man nicht von ungewohnten Umgebungsgeräuschen oder flackernden Lichtern abgelenkt wird.

Swissair mit Sonderlackierung in DUS
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Es gibt Reisende, die schwören auf Melatonin. Dazu kann ich nichts beitragen, mir fehlen die Erfahrungen damit. Dieses Hormon soll den Schlaf-Rhythmus regeln und so die Anpassung an eine neue Zeitzone beschleunigen. In Deutschland ist es (anders als z. B. in den USA) verschreibungspflichtig, also befragt den Arzt Eures Vertrauens.

 

Meine Lieblings-Erklärung für den verdammten Jetlag ist die Erkenntnis, die nomadischen Indianern zugeschrieben wird:

 

„Wenn du an einen neuen Ort gelangst, warte.

Es braucht Zeit, bis die Seele nachkommt.“

 

Und so denke ich, es ist das Beste den Jetlag als Teil einer großartigen Reise zu akzeptieren. Er und seine Folgen gehören einfach zu einer Fernreise dazu.

 

Habt Ihr noch Tipps gegen den Jetlag? Oder habt Ihr damit gar kein Problem?