Mein liebstes Reisesouvenir

Reisesouvenirs… ja, dazu kann man viel sagen. Schon allein, was man so alles mitbringen kann aus fernen Ländern, von Ausflügen, von Urlaubsreisen, früher oder heute. Beim Vorbereiten dieses Beitrages habe ich, im Kopf, aber auch ganz handfest die verschiedensten Souvenirs Revue passieren lassen. und obwohl ich zunächst dachte „Nein, ein großer Andenkenjäger bist Du nicht“ muss ich gestehen: ich bin es doch. Was hat sich nicht alles da wieder aufgefunden…

 

Aber sortieren wir es doch erst einmal. Was ist das eigentlich, ein Reiseandenken? Ein Souvenir ist ein Gegenstand, den man als Andenken an ein bestimmtes Ereignis, einen Ort oder eine Person mitnimmt und aufbewahrt. Da gibt es die Andenken, wie sie gang und gäbe sind, z. B. Aschenbecher, Schlüsselanhänger, Tassen, T-Shirts mit Namensaufdrucken der besuchten Orte, vom örtlichen HardRockCafe oder Abbildungen bekannter Bauwerke wie des Kölner Doms oder des Brandenburger Tors. Nicht alle Souvenirs werden gekauft. Beliebt sind auch Fundstücke, quasi natürliche Landesgabe wie etwa Muscheln, Gläschen mit Sand gefüllt, Steine, Pinienzapfen oder Vogelfedern oder herausgebrochene Fragmente z. B. von der Berliner Mauer. Da muss man dann schon wissen, wo sie herkommen und vielleicht will sich die Sammlerin auch ein wenig von der kommerzialisierten Souvenirindustrie absetzen?

 

Und was findet sich in unserem Haushalt nun an Souvenirs? Oh, das ist schon recht vielfältig.

Landestypische Souvenirs

Papierschirm aus Java
Papierschirm aus Java

Darunter fällt für mich alles zwischen Kunst, Kunsthandwerk, Kitsch und z. B. Musik, die man mitbringen kann. Und wenn ich so durchs Haus spaziere, dann gibt es einiges, was die Wohnung ziert, Platz wegnimmt oder simpel Staub fängt. Meine ganz besonderen Stücke sind

  • ein strahlend blauer Papierschirm aus Java, handbemalt mit einer Blumenranke. Er hängt in meinem Arbeitszimmer an der Dachschräge, bietet mir einen netten Blickfang beim Nachdenken und erinnert mich an das beharrliche Feilschen, von viel Lachen unterbrochen, mit der Verkäuferin auf einem kleinen Markt in Ponorogo.
  • im Hauseingang ein Plakat des Coconut Grove Arts Festival, das seit 1964 in Miami stattfindet. Wir haben es 1996 besucht, viele schöne Dinge gesehen, die lockere Atmosphäre genossen… und gekauft haben wir nur das hübsche Plakat, das einen Blick aus einem Fenster auf das Meer und einen tropischen Garten in zarten Farben zeigt. Egal, wie das Wetter draußen ist - wir haben so immer eine sonnige Aussicht.
  • und im Wohnzimmer hängen zwei Wayang Figuren an der Wand, eine Wayang Kulit Schattenspiel-Figur aus Büffelhaut, ein Prinz mit zarten Gliedern, hübschen Augen. Gekauft haben wir sie bei einem Besuch der Puppenspielschule in Yogyakarta - und für den Rest der Reise supervorsichtig transportiert. Die zweite Figur ist eine Wayang Golek Holzstabpuppe, die wir auf der gleichen Reise in einem kleinen Geschäft erstanden haben. Immer noch habe ich sofort, wenn ich sie anschaue das Klingen eines Gamelan Orchesters im Ohr und erinnere mich an ein Theater, das mir sehr fremd war und uns dennoch gefesselt hat.

Nützliche Souvenirs

Nudelmaschine auf afrikanischer Tischdecke
Nudelmaschine auf afrikanischer Tischdecke

Kaum oder allenfalls auf den zweiten Blick als Reisesouvenirs zu erkennen sind die nützlichen Dinge, die wir auf Reisen gekauft und mit nach Haus gebracht haben.

  • Oft im Gebrauch ist die Nudelmaschine, noch ohne jegliche Italienischkenntnisse vor gut 30 Jahren auf einem Markt im Ort San Felice Circeo im Latium erstanden. Das war unser erster gemeinsamer Urlaub - und offenbar waren wir zuversichtlich, dass die noch junge Beziehung eine gemeinsame Anschaffung wert sei. So ist es dann ja auch!
  • Unseren Terrassentisch ziert eine italienische Tischdecke mit Oliven und in kräftigen Farben auf Leinen gedruckt, sie wechselt sich ab mit einer südafrikanischen Tischdecke in kräftigen Blau-Rot-Orangetönen mit Perlhühnern, die ich auf der letzten Reise auf dem Greenmarket Square erhandelt habe (zu einem besonders günstigen Preis, weil das Gegenstück gleicher Farbe, aber mit Elefanten, seinen Weg zum Berliner Teil der Familie fand und die Händler schon dabei waren, alles zu verpacken).

Und einiges, was wir früher (und heute) von Reisen mitbringen, ist längst „vernichtet“: seien es die tropischen Früchte, am Abreisetag nach drei Monaten Backpacking quer übern indischen Subkontinent auf dem Markt in Colombo erstanden, als Handgepäck in den Flieger gebracht und gemeinsam mit der Studenten-WG zu einem leckeren Obstsalat verarbeitet, Gewürze auf orientalischen Basaren erschnuppert und erstanden, Kisten voller Wein oder Flaschen goldgrün schimmernden Olivenöls.

Eigene Souvenirs

meine "Sammelwut" auf Reisen...
meine "Sammelwut" auf Reisen...

Das ist die wohl persönlichste Kategorie der Reiseandenken. Für mich gehören dazu zuallererst meine Reisetagebücher. So gibt es noch heute das akribisch geführte Reisetagebuch der vorhin schon erwähnten Backpacking Tour quer über den indischen Subkontinent. Nicht nur Erlebtes, Gedanken, Gefühle stehen drin, nein auch wofür unser Geld ausgegeben wurde, was ein Hostel, ein Bett in einer Lodge, eine Bahnfahrkarte kostete. Und so bin ich heute noch genau in der Lage zu sagen, was mich diese erste große Reise gekostet hat: 1.770,00 DM für drei Monate weite Welt und unbezahlbare Erinnerungen und Erfahrungen.

 

Ähnliche Aufzeichnungen gibt es von allen größeren Reisen, nicht immer ganz so penibel geführt - aber in allen Fällen ein Dokument, das mich zurückversetzt an tropische Strände, auf kräftezehrende Trekkingtouren, in imposante Bauwerke, das mich erinnert an lustige, dramatische und nachdenklich stimmende Erlebnisse unterwegs. Bei späteren Reisen habe ich weniger geschrieben aber dennoch gesammelt: Rechnungen, Tickets, Bordkarten, bunte Zettel, verblasste Formulare, Zuckertütchen....

 

Aber sollte es jemanden interessieren, was der halbe Liter Milch in Südafrika 2004 gekostet hat: ich kann’s belegen, es waren 4,25 ZAR.

 

Bei all dieser Sammel“wut“ geht es mir nicht um die Ausgabenstatistik. Nein, all diese kleinen Papierstücke erinnern mich lebendig an die damalige Reise, eine Restaurantrechnung zum Beispiel ruft mir ein besonders leckeres Essen wieder ins Gedächtnis, das Ticket für die Tafelbergseilbahn unserer ersten Besuch dort.

mein Lieblingssouvenir

Reisetagebücher
Reisetagebücher

Und nun, so werdet Ihr Euch fragen, was ist denn nun Zypresses liebstes Reisesouvenir. Bei all den schönen Erinnerungsstücken fällt mir die Entscheidung nicht leicht, aber sie ist dann doch sehr eindeutig

 

all meine Reisetagebücher und -aufzeichnungen:

 

Sie sind ganz persönlich, manchmal überraschend dumm, manchmal erstaunlich hellsichtig, ein langweiliger Schulaufsatz, eine poetische Beschreibung, ein bunter Strauß an Erinnerungen, an Wünschen, an buntem Papier, gepressten Blüten, Aufklebern, Stickern, Fahrkarten, Genehmigungen - eben genau so, wie das Leben eine Reise ist.

 

Das ist mein Beitrag zur Blogparade "Mein liebstes Reisesouvenir".

editiert am 17.06.2015:

Insgesamt haben an dieser Blogparade damals 14 BloggerInnen teilgenommen, die etwas zum Thema beizutragen hatten. Ein herzliches Dankeschön an alle - Eure Beiträge waren spannend, interessant, bunt und verschieden. Sie zu lesen hat - nicht nur mir - Spaß gemacht. Hier findet Ihr sie Alle!