Es geht los nach Japan

Japan ist ein ungewohntes Thema für Zypresse unterwegs, nicht wahr? Daher: Für diesen Gastbeitrag danke ich dem Berliner Zweig der Zypressen Familie, ganz besonders Leuchtbiene.


Flug nach Japan
Flug nach Japan

Am 6. August ist es dann soweit: wir fliegen von Berlin-Tegel zunächst nach London-Heathrow und von dort weiter nach Tokyo-Narita. Insgesamt 13 ½ Stunden Flugzeit,die letztlich aber gar nicht so schlimm sind.

 

Bei der Ankunft in Narita, noch im Flugzeug, die Durchsage des Piloten: „Leider wurde bereits in London ein Gepäckcontainer beschädigt, so dass nicht alle Koffer mitgeflogen sind.“ Da werden ja wohl nicht unsere Koffer bei sein...? Voller Spannung stehen wir am Gepäckband – der erste Koffer kommt, der zweite und auch noch ein dritter. Das war es dann aber auch. Am Ausgang steht ein netter Japaner vor einer großen Tafel, auf der bereits an zweiter Stelle unser Name steht.

 

Er ist schier untröstlich, uns mitteilen zu müssen, dass unser Koffer nicht mitgekommen sei – also ab zum Baggage-Counter und Papiere ausfüllen. Der Koffer wird morgen geliefert werden – jetzt wäre es natürlich doch von Vorteil, wenn wir in einem Hotel wohnen würden. So können wir ihnen nur „unsere“ Adresse geben und darauf vertrauen, dass sie sich melden, wenn sie den Koffer liefern werden. Denn den ganzen Tag in der Wohnung warten wollen wir wirklich nicht. Dank Zypresse unterwegs haben wir die Koffer ein wenig gemischt gepackt, so dass jetzt kein Familienmitglied gänzlich ohne Wechselkleidung dasteht! Und am zweiten Tag unseres Aufenthaltes wird dann der vierte Koffer auch geliefert – arigato gozaimasu!!

Begegnungen mit Japanern

traditionell gekleidetete Japanerinnen
traditionell gekleidetete Japanerinnen

Bleibender Eindruck von allen Begegnungen mit Japanern:


Sie sind sehr freundlich und zugewandt – und zwar ehrlich freundlich, nicht aufgesetzt! Wir haben uns überall willkommen gefühlt, keine Frage war zu viel, kein Anliegen zu mühselig. Sie sind unheimlich gut organisiert: gewartet wird in ordentlichen Schlangen, keiner überholt den anderen oder drängelt sich gar vor. Sie sprechen vor allem japanisch und manchmal auch etwas, das wie englisch klingt (Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel!), aber irgendwie funktioniert es immer mit der Verständigung

und sei es mit Händen und Füßen. In Vorbereitung der Reise ein paar Grundbegriffe japanisch zu lernen, ist in jedem Fall zu empfehlen – einfach, um der Höflichkeit der Menschen mit etwas japanisch begegnen zu können.

 

Wir haben in einem Pub an einem Abend ein nettes japanisches Pärchen kennengelernt. Deren Englisch war für eine kleine Unterhaltung ausreichend. Hauptsächlich haben wir aber mit ihnen Karten gespielt (Bull oder Schwimmen oder 31 genannt). Das Spiel ist recht simpel, von daher auch leicht zu erklären. Wir hatten viel Spaß und einen netten Abend!

 

Fazit: Persönliche Begegnungen sind möglich und unbedingt zu empfehlen!

Öffentlicher Nahverkehr in den Städten

öffentlicher Nahverkehr
öffentlicher Nahverkehr

Den öffentlichen Nahverkehr in den Städten haben wir nur von seiner besten Seite kennen gelernt! Alles super organisiert in Japan. Bahnen, Busse, Züge - alle sauber und stets pünktlich. Innerhalb der Stationen ist auch alles gut ausgeschildert – touristengerecht übrigens auch in lateinischer Schrift.


Übrigens: In den Bus steigt man hinten ein, zieht ein Ticket, welches anzeigt, wo man eingestiegen ist und steigt dann vorn wieder aus und bezahlt die Fahrt. Hat man eine Tageskarte oder den JR-Pass reicht es aus, diese beim Aussteigen zu zeigen. Gespräche mit dem Handy führt man in öffentlichen Verkehrsmitteln in Japan übrigens nicht, um die Mitreisenden, die gern mal einen short-nap einschieben, nicht zu stören. Und in der Bahn essen oder trinken (womöglich Bier ...) haben wir auchniemanden gesehen. Auch in Tokyo haben wir selten in der Bahn gestanden – die Züge waren mitnichten so voll, wie wir eigentlich erwartet hatten.

  • In Tokyo nutzten wir die Suica-Card. Das ist eine Card, die man für 500 Yen erwirbt und sie dann beliebig oft an Automaten, die wirklich überall rumstehen, aufladen kann. Die 500 Yen erhält man übrigens zurück, wenn man die Card am Ende des Urlaubs wieder abgibt. Mit dieser Card fährt man mit al len U-Bahn-Linien in Tokyo – und: sie kann auch zum Bezahlen in Geschäften oder an einem der zahlreichen Getränkeautomaten genutzt werden! Diese Card am besten gleich am Flughafen Narita kaufen. Das kann man dort machen, wo man auch die Gutscheine für die Japan-Rail-Pässe eintauscht. Außerdem kann man in Tokyo mit dem JR-Pass die JR-Linien kostenlos nutzen.
  • In Kanazawa kann man drei Buslinien (Loop linksherum = LL / Loop rechtsherum = LR und Kanazawa shuttle)frei nutzen, wenn man ein Tagesticket für 500 Yen erwirbt. Die Einzelfahrt kostet 200 Yen. Außerdem gibt es auch hier eine JR-Buslinie, die man natürlich wieder mit dem JR-Pass nutzen kann.
  • In Kyoto gibt es etliche JR-Züge, mit denen man zu vielen Sehenswürdigkeiten kommt. Sonst gibt es auch hier Busse, bei denen die Einzelfahrt auch um die 200 Yen kostet.

Reisen mit dem Zug in Japan

die Bahn kommt in Japan
die Bahn kommt in Japan

Für Ausländer empfiehlt sich der Japan Rail-Pass (JR-Pass). Es gibt ihn übrigens auch für die 1. Klasse (heißt in Japan Green Car). Wir hatten den JR-Pass (normal) und wir haben gleich zu Beginn der Reise die Sitzplatz-Reservierungen besorgt. So ausgestattet geht man an einem der freundlichen japanischen Bahn-Mitarbeiter vorbei, die seitlich in einem kleinen office neben den Ticketschranken stehen. Immer freundlich werfen sie einen kurzen Blick auf die Berechtigung, den Bahnsteig zu betreten und dann kann es schon losgehen.

 

Wo unser Wagen hält, müssen wir nicht umständlich einem Wagenstandanzeiger entnehmen ... nein: der Einstiegsbereich für die einzelnen Wagen ist auf den Bahnsteig gemalt. Man muss nur noch auf die Anzeigetafel schauen: wie viele Wagen hat mein Zug? Und sich dann entsprechend anstellen: „Wagen 10 bei 12 Wagen“ oder „Wagen 7 bei 8 Wagen“ steht dann da zum Beispiel. Und davor eine ordentliche Schlange von Menschen, die darauf wartet, dass der Zug einläuft, um dann ruhig und gelassen einzusteigen. Jeder hat in japanischen Zügen einen Platz, denn eine Sitzreservierung kauft man mit dem Ticket oder besorgt sie sich vorher (z.B. als JR-Pass-Inhaber) – keiner braucht also Hektik zu machen. Für die Reisenden, die aus welchen Gründen auch immer keine Reservierung haben, gibt es Extra-Wagen (unreserved). Und man kann sich darauf verlassen: der Zug hält exakt wie auf dem Bahnsteig angegeben!

 

Der Einstieg ist nahezu ebenerdig, es ist lediglich eine kleine Schwelle und ein kleiner Spalt zu überwinden, aber keine Stufen. Im Zug gibt es dann Reihen mit 3 Sitzen oder 2 Sitzen – je nach Zugart. Der Fußraum ist deutlich größer als in deutschen Zügen. Und in vielen Zügen gibt es pro Platz eine Ladestation für Handy oder Netbook. Alle

Sitze stehen übrigens in Fahrtrichtung und das funktioniert deshalb, weil man jede einzelne Sitzreihe komplett umdrehen kann – das ist praktisch, wenn man mit mehreren reist und sich unterhalten möchte. Dann kann man nämlich einfach eine Vierer- oder Sechser-Gruppe bilden. Und wenn der Zug zurückfährt kümmert sich das Reinigungspersonal

darum, dass alle Sitze wieder in Fahrtrichtung zeigen.

 

Die Toiletten sind geräumig, in ausreichender Zahl vorhanden, sauber und sogar nach weiblich/männlich getrennt. Zusätzlich gibt es noch Waschnischen, wo man sich nach einer langen Fahrt wieder ein wenig aufhübschen kann. Die Shinkansen verfügen auch über Rollstuhlfahrerplätze, für die man sich vorher anmelden muss. Die Mitfahrmöglichkeit bezieht sich allerdings nicht auf Elektro-Rollstühle. Wer noch viel mehr über diese Züge wissen möchte, dem empfehle ich diese Homepage.

WC und Bad in Japan

Spülkasten mit Handwaschbecken
Spülkasten mit Handwaschbecken

Ehrlich: eine ungewöhnliche Überschrift, ABER – dieses Gebiet verdient in Japan definitiv einen eigenen Abschnitt!

 

Das Bad ist ohnehin etwas Besonderes in Japan. Man betritt es niemals mit Straßenschuhen (die zieht man eigentlich ohnehin bereits am Eingang aus) und eigentlich auch nicht mit den normalen Hausschuhen, sondern mit extra Bad-Schuhen. Wir hatten ein Hotel, wo diesem Umstand durch eine deutliche Stufe nochmal mehr Gewicht verliehen wurde. Geduscht wird nicht in der Wanne, sondern davor. Das Bad ist sozusagen aus einem Guss – alles kann nass werden! Das erklärt vielleicht auch, warum die Toilette meist in einem Extra-Raum untergebracht ist. Fliesen habe ich übrigens auch selten gesehen, die Verkleidungen sind meist aus Plastik.

 

Aber jetzt zur Toilette. Das hat man in Europa ja schon mal gehört, dass die Japaner es nicht mögen, wenn Toilettengeräusche nach außen dringen ... daher Musik auf dem stillen Örtchen. Musik .... – paah, wenn es so einfach wäre!! Die Toilette ist ein wahres High-Tech-Teil mit Sitzbrillen-Heizung, Wasserstrahl für hinten, Wasserstrahl für vorne, Musik oder Wasser-Lauf-Geräuschen nach Wunsch. Und diese Ausstattung findet sich nicht nur in gehobenen Etablissements, sondern auch in öffentlichen Gebäuden oder den U-Bahn-Toiletten. Alle Toiletten waren übrigens sehr sauber und es gibt dauernd Toiletten, auch unterwegs. Auch Menschen mit Sextaner-Blase (so wie ich...) brauchen NIE vorsorglich auf Toilette zu gehen, weil immer wieder eine kommt – herrlich entspannend! In etwas abgelegeneren Gebieten finden sich allerdings doch auch recht häufig sogenannte Steh-Toiletten, die nur aus einem in den Boden eingelassenen Becken bestehen. Drüberhocken und fertig – da ist dann Ende mit High-Tech.

 

Den Clou haben wir allerdings in privaten Häusern gesehen: Da wird das nachlaufende Wasser für den Spülkasten vorher noch als Händewaschwasser genutzt – ist das genial?

Kindersitz zum "Parken" des Kleinkindes
Kindersitz zum "Parken" des Kleinkindes

Ich könnte mir vorstellen, dass die Besonderheiten des Bades einen Nachteil für Rollis bergen – vermutlich muss man ein wenig suchen, bis man eine Unterkunft mit befahrbarem Bad gefunden hat. Ist man erstmal drin, ist das Duschen ja kein Problem, weil es ohnehin vor der Wanne erledigt wird. Aber die Schwelle wird sehr häufig als Hindernis im Wege stehen. Und: alles ist kleiner in Japan, was in diesem Fall leider auch bedeutet, dass es deutlich enger ist. Die Rangierfläche für Rollis dürfte sich demnach gen Null bewegen. Wenn man aber erstmal eine rollstuhlgerechte Unterkunft gefunden hat, bietet der öffentliche Raum Toiletten auch für Rollstuhlfahrer ohne Ende an.

 

Auch an Mütter mit kleinen Kindern ist besonders gedacht. Nicht nur, dass es natürlich immer auch Wickelplätze gibt (geschenkt, die gibt es inzwischen bei uns auch auf jeder Raststätte oder öffentlichen Toilette), nein: im WC ist ein Extra-Kindersitz montiert, in den man das liebe Kleine (bis 2,5 Jahre)setzt, während man selbst sein „Geschäft“ erledigt. Auf den Papa-Klos haben unsere beiden männlichen Mitreisenden solche Komfort-Utensilien übrigens nicht entdeckt...

So viel zum ersten Teil unseres Reiseberichtes. Im zweiten Teil werden wir uns unter anderem mit folgenden Themen beschäftigen:

  • Essen – sooo wichtig und in Japan ganz wunderbar!
  • Hiroshima – ein bewegender Ort
  • Kuriositäten – was uns so alles unterwegs begegnet ist

... und zum Thema Toiletten habe ich noch ein paar Links für Euch, zum Schmunzeln

oder nützlich für Rollstuhlfahrer