Fotografieren auf Reisen

Thomas und Melanie veranstalten eine Blogparade. Genauer gesagt, eine Blogparade zum Thema Fotografie auf Reisen mit angeschlossenen Bilderwettbewerb. Aber das sollen sie euch bitte selbst erklären: Klickt auf den Link oben oder aufs Bild...

 

Ein Grund aber auch für mich, mich noch einmal mit dem Thema zu beschäftigen. Denn eins ist klar: Reise-Fotografie sollte schon zu Haus beginnen – also vor der Abreise. (Wie ich überhaupt finde, dass das Vorbereiten und Planen einer Reise schon fast so schön wie die spätere Tour ist…)

 

Wenn wir auf Reisen fotografieren möchten wir nicht nur die Sehenswürdigkeiten und Bilder festhalten, die wir gesehen haben, sondern auch die Eindrücke und Emotionen vermitteln, die wir damit verbinden. Das Unerwartete ist immer um die Ecke und wenn wir mit etwas Vorbereitung und einem fotografischen Auge reisen – dann können wir vielleicht zukünftig noch bessere Fotos auf Reisen machen.

 

Hier ist meine Liste zur Vorbereitung der Fotografie auf Reisen.

Teil 1 - Fotografieren auf Reisen

Henrichshütte, Hattingen
Henrichshütte, Hattingen

1. Informationen sammeln

 

Ich surfe im Internet, auf nationalen und internationalen Seiten, auf den Seiten anderer Fotografen und/oder Reiseblogger. Und ganz klassisch: ich kaufe (oder leihe, in der Stadtbücherei meines Vertrauens) nicht nur einen sondern gleich mehrere Reiseführer. Darin erfahre ich schon vieles über die Orte, die wir besuchen werden. Ich informiere mich sich über Naturwunder, Sehenswürdigkeiten, Baudenkmäler und Kultur unseres Reisezieles. Ich schaue mir Bildbände an und bekomme so schon erste Eindrücke von möglichen Fotomotiven.

Natürlich frage ich mich auch, ob es vielleicht Tabus gibt, also Motive die ich nicht fotografieren darf (weil es gegen Gesetze oder religiöse Vorschriften verstößt).

Und ich versuche, wenigstens ein paar kleine Floskeln in der Landessprache für die Verständigung zu lernen. Denn das öffnet vielfach die sprichwörtlichen Türen, wenn man etwas fotografieren möchte.

 

Aber auch ganz praktische Dinge sind mir wichtig: wie erreichen wir unsere Ziele, wie lange sind wir unterwegs und – häufig vergessen, dennoch sehr wichtig – wann sollte ich dort sein, um die besten Fotos machen zu können? Die besten Zeiten für gute Stadt- und Natur-Fotos sind früh morgens, am späten Nachmittag und „blauen Stunde“. Was nützt mir der schönste, prachtvollste Dom im Gegenlicht, was hilft es, wenn die Tiere gerade Siesta halten? Wann ist die von Fotografen so geliebte „blaue Stunde“, also die 15 bis 20 Minuten nach Sonnenuntergang, wenn der Himmel ein kräftiges Dunkelblau hat, aber noch nicht schwarz ist?

 

Am besten wäre es, zu den Zeiten des besten Lichtes schöne Motive aufzusuchen, für den Rest des Tages dagegen kann ich ja einfach mal Pause einplanen, schließlich ist Urlaub und die Konzentrationsfähigkeit ermüdet nach ein paar Stunden ohnehin.

 

Und wenn das Wetter nicht so toll ist? Lasst Euch von ein paar Wolken nicht die Stimmung vermiesen. Als Fotograf hat man zwei Möglichkeiten: Entweder den Himmel nicht mit ins Bild nehmen, wenn er einfach nur grau ist, und sich auf Details konzentrieren. Oder so belichten, dass die Wolken – am liebsten ganz dramatisch – mit zum Teil des Bildes werden.

 

2. 1000 mal Gesehenes

 

Natürlich gibt es Fotos, die man einfach machen muss: was wäre Paris ohne den Eiffelturm, Rom ohne das Kolosseum… und da gibt es natürlich bestimmte Bilder, die man schon tausendfach gesehen hat. Klar machen wir die, alle, jeder von uns.

 

Und trotzdem. Bei einem bekannten Bauwerk, das jeder von Fotos kennt, ist es auch ein guter Trick, zusätzliche Elemente als Rahmen zu verwenden. Eine geschickt platzierte Statue im linken oder rechten Bilddrittel, einen blühender Busch als Unterkante. Menschen im Bild vermitteln eine Vorstellung von den Dimensionen der Sehenswürdigkeit..

 

Und: nicht nur die Totale, auch Details sind ein Foto wert. Also heißt es nach neuen Blickwinkeln zu suchen, auf Aussichtspunkte zu gelangen, die traditionell nicht für Fotos verwendet werden. Oder auch mal so nah wie möglich an das Motiv herankommen.

das Dach vom Stephansdom, Wien
das Dach vom Stephansdom, Wien

3. Porträts lockern auf und sind das Salz in der Suppe

 

Die Versuchung ist groß, speziell auf Fernreisen die Einwohner in fremder exotischer Umgebung einfach so aus dem Verborgenen, z. B. aus der Hüfte, so zu fotografieren, dass man zu Hause dann vorzeigen kann, wie exotisch der letzte Urlaub war und wie ärmlich die Menschen dort eventuell leben. Aber wo bleibt da der Respekt?

 

Schon die Höflichkeit gebietet es, Menschen, die man fotografieren möchte, immer vorher zu fragen, ob das auch in Ordnung ist. Ablehnende Äußerungen oder Zeichen sollten unbedingt befolgt werden. Für den Fall, das ein Bakschisch dafür gefordert wird, in angemessener Höhe bezahlen. Aber... nicht mit Euros um sich werfen! Außerdem: die Fotos werden besser, wenn man fragt und dadurch näher an die Personen herangehen kann. Und vielleicht kann man ein letztes Foto beim Verlassen der Szene machen - wenn die Leute schon nicht mehr damit rechnen und sich entspannen.

 

Bilder von Mitreisenden, die vor einer Sehenswürdigkeit posieren kann man interessanter gestalten wenn sie leicht seitlich statt in der Mitte des Bildes zu positioniert werden. Oder man knipst sie beim Kontakt mit Einheimischen, beim Feilschen auf dem Markt, beim Gespräch mit dem Kellner, in der Schlange vor dem Museum. Und auch der Blick auf andere Touristen, die vor Eiffelturm oder Frauenkirche posieren, kann fotografisch reizvoll sein - manchmal entstehen aus dieser Beobachterperspektive besonders nette Bilder.

 

Und nicht vergessen: lasst Euch auch selbst einmal fotografieren – an schönen Orten, mit der Kamera in der Hand oder auch einfach mal nur mit dem abendlichen Cocktail. Schließlich war es Eure Reise, die ihr dokumentiert!

 

4. Habe ich vielleicht ein Thema oder eine Geschichte

 

Durch die Aufnahme einer Serie von Fotos an einer Stelle könnt Ihr vielleicht später eine Geschichte aus dem Leben der Menschen vor Ort erzählen: wie sie sich kleiden, was Arbeit bedeutet, wie Kinder Spaß haben und wo die Menschen am Reiseziel leben und entspannen. Ideale Motive sind auch Straßenkünstler und Marktschreier.

 

Ähnliches gilt für eine Serie vergleichbarer Motive: Türen oder Fenster zum Beispiel kann man wunderbar an verschiedenen Orten oder beim Rundgang durch eine Stadt fotografieren und später zu einer zauberhaften Collage zusammenstellen. Wenn Ihr ein wenig nachdenkt fällt Euch bestimmt einiges ein, was sich für eine Serie eignen könnte: Hausnummern zum Beispiel, Briefkästen, Wirtshausschilder, der Bug von Fischerbooten mit Verzierungen oder oder…

Moose Crossing
Moose Crossing

5. Nach Details Ausschau halten

 

„Das ist doch typisch für ...!“ Oft sind es kleine Details, die ein Land charakterisieren, Emotionen wecken oder einfach nur Sympathie beim Betrachter. Ganz gleich, ob das nun ein altes Verkehrsschild, die Nahaufnahme auf einem Gemüsemarkt oder ein Cocktail mit Sonnenuntergang im Hintergrund ist.

 

Das gilt auch für wiederkehrende Details in der Architektur wie z. B. Giebel, Säulen, im Verkehr wie z. B. unterschiedlich verzierte LKW’s in Indien oder die ganz normalen Linienbusse in der Großstadt oder auch folkloristische Trachten. Ein Tele-Objektiv ist ideal für diese Art von Schuss.

 

Es gibt verschiedene Gründe, warum man im Laufe einer Reise immer wieder Schilder fotografieren sollte. Zum einen schafft dies Orientierung, hilft sich an Ortsnamen zu erinnern – solche Fotos müssen nicht einmal schön gestaltet sein, sondern können der reinen Dokumentation dienen. Wenn es gelingt, so ein Schild gelungen zu inszenieren, umso besser. Hinweisschilder verraten eine Menge über den Ort. Wer schon einmal in der Gegend war, wird sie sofort wiedererkennen. Und dazu sind manche Schilder schön anzusehen.

 

6. Macht viele Fotos

 

Macht doppelt so viele Bilder wie Ihr eigentlich denkt. (Und macht die Aufnahmen von Landschaften nicht immer nur im Quer- , von Personen im Hoch-Format. Nein, wechselt auch mal, manchmal findet Ihr so einen neuen, überraschenden Zugang zum Motiv.) Man kann nie zu viele Bilder haben. Vielleicht erlebt Ihr die ganz einmalige Gelegenheit, vielleicht ist es Eure einzige Reise an dieses Ziel. Es ist nicht schlimm, wenn nicht jedes Bild perfekt ist, es wird dennoch eine Erinnerung sein.

 

 

Und bevor es dann losgeht: hakt Eure Checkliste ab. Habt Ihr alles eingepackt, was ihr für das Fotografieren während der Reise benötigen könntet?

 

 

Eine Reise ist häufig eine einmalige Gelegenheit, also geht gut vorbereitet und kommt mit Erinnerungen zurück, die ein Leben lang halten. Gute Reise und immer richtiges Licht!

 

Was meint Ihr zu meinen Tipps? Habt Ihr noch weiter gute Hinweise - dann teilt sie doch bitte als Kommentar mit den anderen Lesern und mit mir!

Teil 2 - Bilderwettbewerb

African Sunset (Nossob Restcamp im Kgalagadi Transfrontier Park, Südafrika)
African Sunset (Nossob Restcamp im Kgalagadi Transfrontier Park, Südafrika)
Gelegentlich möchte ich gern in der Kiste kramen und alte Blogbeiträge wieder neu einstellen - keine Sorge, ich hole nicht alle alten Schätzchen wieder vor - aber das ein oder andere Thema ist sicher wert, nicht in Vergessenheit zu geraten

 

Dieser Beitrag wurde erstmals am 18.07.2013 veröffentlicht und ist für die Neu-Veröffentlichung geringfügig überarbeitet und hinsichtlich der Links aktualisiert worden.