Was bedeutet für Dich „nach Hause kommen“, „heimkommen“?

wer wohnt schon in Düsseldorf
wer wohnt schon in Düsseldorf

Janine hatte nachgehakt:

 

Was bedeutet für Dich „nach Hause kommen“, „heimkommen“?

 

Ach, was für eine schöne, wenn auch schwer zu beantwortende Frage. Janine hat bestimmt die Seite … wo wir wohnen gelesen und fragt nicht zuletzt deshalb nach.

 

 

 

Der verborgene Sinn des Reisens ist es, Heimweh zu haben.

Erich Kästner

Der Begriff Heimat

Sonnenuntergang über Duisburg
Sonnenuntergang über Duisburg

Im Mittelalter war „Heimat“ ein klar definierter Rechtsbegriff. Das Heimatrecht konnte man auf verschieden Weise erhalten:

  1. durch Geburt
  2. durch Heirat oder
  3. (der sicherlich schwierigste Weg) durch eine offizielle Gestattung der Niederlassung.

Hatte man eine Heimat, hatte man Haus und Hof in einer Gemeinde, durfte sich an einem Ort mit anderen niederlassen, dort leben und arbeiten. Man hatte allerdings auch Verpflichtungen gegenüber dem Gemeinwesen – und, im Falle unverschuldeter Not, auch Unterstützungsansprüche.

 

Der Duden macht es sich recht einfach. Nach Hause kommen bedeutet, so steht es dort

 

„heimkommen, an seinen Heimatort, in die Heimat zurückkommen“.

 

Seltsam finde ich die Kontextbeispiele, die die Duden Redaktion dazu gewählt hat. Sind sie doch alle ein wenig traurig, negativ behaftet, wenn man liest „müde, niedergeschlagen heimkommen, von der Arbeit heimkommen, er wird bald heimkommen“. Sollte es denn nicht anders sein? Sollte nicht das Heimkommen von Freude begleitet sein?

 

Und schon sind wir drin, mitten in meiner Antwort: nach Hause kommen heißt für mich

  • zurückkehren an einen vertrauten Ort
  • an dem Menschen sind, die ich mag
  • an dem ich mich auskenne
  • an dem man mich mag und kennt

Ihr merkt es schon, für mich ist das Heimkommen nicht nur oder ausschließlich mit einem Ort verbunden, eher mit Beziehungen, Verbindungen. Meine Heimat ist kein Ort, meine Heimat ist ein Gefühl. Meine Erinnerung gehört aber auch dazu, wenn es um die Frage geht, was heimkommen heißt. Denn da haben sich doch einige Dinge fest in mein unterbewusstes Gedächtnis eingebrannt.

Was für mich nach Hause kommen bedeutet

Zechenturm der Zeche Zollverein, Essen
Zechenturm der Zeche Zollverein, Essen

Für mich bedeutet nach Hause kommen nicht, nach Düsseldorf zu kommen. In Düsseldorf wohne ich, hier arbeite ich – zu Hause fühle ich mich hier, auch nach inzwischen mehr als zwölf Jahren nicht, die Stadt ist für mich nicht zu einem Ort geworden, in dem ich mich verwurzelt fühle. Mir geht nicht das Herz auf, beim Betrachten der Düsseldorfer „Skyline“ mit Brückenfamilie, Fernsehturm und Altstadtpanorama. Richtig klar wurde mir das vor einigen Jahren bei einem Konzert von Herbert Grönemeyer in Düsseldorf. Es riss mich vom Platz, das Feuerzeug wurde entzündet und ich habe laut mitgesungen:

 

„Tief im Westen,

wo die Sonne verstaubt!

Ist es besser,

viel besser als man glaubt!

Auf deiner Königsallee

finden keine Modenschauen statt.

Hier wo das Herz noch zählt,

nicht das große Geld!

Wer wohnt schon in Düsseldorf?“

 

Das Herz geht mir auf bei anderen Gelegenheiten, heimisch fühle ich mich an anderen Orten (auch nicht nur an einem …):

 

wenn der Gatte den Grill entzündet, in der Ferne Hyänen kichern und die afrikanische Sonne dramatisch untergeht

• wenn ich durch das bergische Land mit seinen Schiefer- und Fachwerkhäusern fahre

• wenn die Nichte zur Feier meines Besuchs Schokoplätzchenkuchen gebacken und der Neffe sein Zimmer aufgeräumt hat

• wenn ich den typisch bergischen Tonfall (Dialekt kann man eigentlich nicht sagen) meiner Kindheit höre

• wenn ich mit der Schwester und Freundinnen im Wind am Spiekerooger Strand lang laufe und mich auf das abendliche Käsefondue freue

• wenn ich in der Ferne die Silhouette eines Förderturms erkenne

• wenn mir wie im Studium der typische Duft einer Currywurst von Dönninghaus in die Nase steigt

• oder ich mich in einer Zechensiedlung wiederfinde

• wenn ich – obwohl nicht Katholikin und nicht gläubige Christin – in Köln den dicken Pitter höre

Solange Heimat da ist, spürt man sie kaum

Solange Heimat da ist, spürt man sie kaum. Wahrscheinlich ist Heimat auch deswegen umso schöner, desto weiter sie weg ist. Und wie ist das bei euch?

 

Wann habt Ihr ein Heimatgefühl,

das Empfinden nach Hause zu kommen

oder kennt ihr das gar nicht?

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