Sturm "Ela" und die Sturmbrettchen - oder wie man auch aus einer Tragödie etwas Schönes machen kann

so finster wurde es plötzlich, als "Ela" aufzog
so finster wurde es plötzlich, als "Ela" aufzog

Die Gewitterfront des Tiefdruckgebiets Ela überzog zu Pfingsten, am 9. und 10. Juni 2014 vor allem Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen mit Unwettern. Das war schon imposant und es ging ziemlich schnell.

 

Eigentlich saßen wir noch gemütlich nach dem Abendessen auf der Terrasse um ein wenig zu lesen. Und dann wurde es rasch dunkler, noch dunkler und dann war es rabenschwarz. Begleitet von starken Windböen, die den Kirschbaum in Nachbars Garten zum Tanzen brachten.

 

Ich weiß nicht, ob ich schon je so schnell alles zusammengeräumt habe, die Polster verstaut, Gläser, Bücher und Kram nach drinnen getragen und dann ging es los. Düsseldorf wurde von einem wirklichen Unwetter heimgesucht. Dunkel und finster, kübelweise Wasser von oben und Windböen, wie ich sie selbst an der Nordsee noch nicht gespürt habe. Blitze zuckten fast pausenlos über den Himmel, es donnerte unentwegt und natürlich waren ständig Martinshörner zu hören.

"Ela" in den Nachrichten

auf den Straßen mußte man Slalom fahren
auf den Straßen mußte man Slalom fahren

Beim Durchzug von „Ela“ traten in einem Streifen vom Rheinland bis ins Ruhrgebiet Böen bis Orkanstärke auf. Am Flughafen Düsseldorf wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 142 km/h gemessen. Gebietsweise fielen rund 40 Liter Niederschläge auf den Quadratmeter. Es kam zu schweren Zerstörungen und mehrere Tage anhaltenden Verkehrs-beeinträchtigungen.

 

Insgesamt kamen am 9. Juni zwischen 20 und 23 Uhr in Düsseldorf, Essen, Köln und Krefeld insgesamt sechs Menschen ums Leben, in Nordrhein-Westfalen wurden zudem 30 Menschen schwer und 37 leicht verletzt. Der Gewittersturm vom Pfingstmontag gehört zu den schlimmsten Unwettern in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahrzehnten. In einigen Städten wie Düsseldorf, Essen und Bochum gab es größere Schäden als beim Winterorkan Kyrill im Januar 2007. Darüber hinaus bot sich diesem Sommersturm eine enorme Angriffsfläche durch die belaubten Bäume.


Die traurige Bilanz für Düsseldorf: drei Tote, elf Verletzte und Schäden in Höhe von zig Millionen Euro. In einer vorläufigen amtlichen Schadensbilanz der Stadtverwaltung Düsseldorf wurde am 3. Juli 2014 berichtet, dass etwa 22.500 der rund 69.000 Straßenbäume der Stadt stark beschädigt wurden; 2500 von ihnen sind umgestürzt. Auf den städtischen Friedhöfen wurden 2000 Bäume beim Sturm beschädigt oder zerstört. Der Baumbestand des Rheinparks Golzheim wurde zu etwa 60 Prozent beschädigt; auch der Düsseldorfer Hofgarten wurde schwer getroffen. Die Bundeswehr schickte 330 Soldaten und rund 50 Fahrzeuge des Pionierregiments 100 zu Aufräumarbeiten nach Düsseldorf, darunter „mobile Kettensägentrupps“ und Pionierpanzer. Vor allem hat es auch schöne, hundertjährige Alleen am Rheinufer, an der Cäcilienallee, im Hofgarten oder am Rheindeich erwischt... oder die zauberhafte Trauerweide im Weiher vor dem Benrather Schloss. Mir kommen immer wieder fast die Tränen, wenn ich in der Stadt unterwegs bin. Das wird noch etliche Jahre dauern, bis es wieder "normal" aussieht.

im Jahr nach „Ela“

Und wie sieht es aus in Düsseldorf, im Jahr nach Ela? Ich habe an einigen Stellen, an denen ich nach dem Sturm fotografiert hatte nun erneut ein Bild gemacht. Schaut es Euch an.

Mein Lichtblick im Sturm, die „Sturmbrettchen“

Mein Lichtblick, was den Pfingststurm „Ela“ angeht? Ganz klar, vier junge Düsseldorfer Gestalter. Die Vier haben eine Idee entwickelt, wie das Holz der vom Sturm gefällten Bäume sinnvoll weiterverwertet werden kann. Unter dem Namen „Sturmbrettchen“ haben sie gut gestaltete Schneidebrettchen hergestellt, in die der genaue Standort mit den jeweiligen GPS Koordinaten der Bäume, deren Alter und die Baumart eingraviert sind. Mit diesen Brettchen kann man die Erinnerung an die Bäume im Alltag, in der heimischen Küche, beim Abendbrot oder gemütlichen Frühstück lebendig halten.

 

Rechtzeitig zu Weihnachten waren die Brettchen fertig und konnten gekauft werden - nun ja, das sagt sich so einfach. Das Interesse der Düsseldorferinnen und Düsseldorfer an der Idee und den formschönen Brettchen war so groß, dass nicht jeder, der ein Brettchen haben wollte auch tatsächlich eines bekommen konnte. Die Schlangen zum Abholen waren schon am ersten Tag lang, Wartezeiten von 2 Stunden oder gar mehr keine Seltenheit.

Wir haben unsere Brettchen, sie sehen wunderbar aus und wir freuen uns immer wieder an den eingelaserten Koordinaten, dem Alter sowie den Standorten "unserer Bäume" in Düsseldorf.


Der 72jährige Bergahorn stand an der Inselstraße im Hofgarten - nahe beim Standesamt. Die Roteiche hatte ihren Platz zwischen Maximilian-Weyhe-Allee und dem Kinderspielplatz im Hofgarten.

Sturmbrettchen Collage (beim Klick aufs Bild könnt Ihr "Eure" Bäume suchen)
Sturmbrettchen Collage (beim Klick aufs Bild könnt Ihr "Eure" Bäume suchen)

Und wie habt Ihr "Ela" erlebt?

Wie sieht es ein Jahr danach bei Euch aus?

Und habt auch Ihr die tollen Sturmbrettchen?

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Kommentare: 6
  • #1

    Thomas (Donnerstag, 21 Mai 2015 11:33)

    Das ist ja mal eine tolle Idee.

    Der Sturm war wirklich ein erschreckendes Erlebnis. Auch bei uns in Mülheim hat er übel gewütet.

    LG Thomas

  • #2

    Janine (Donnerstag, 21 Mai 2015 19:08)

    Liebe Zypresse, wir haben natürlich auch noch die wunderbaren Sturmbrettchen :). Auch wenn wir den Sturm nur durch die Nachrichten mitbekommen haben, waren wir über die Ausmaße sehr erschrocken. Aber unsere Sturmbrettchen erinnern uns immer an unsere alte Heimat und kommen bei unseren Gästen (sie werden nur zu besonderen Anlässen benutzt und vorgeführt!) immer gut an. Danke nochmal herzlich dafür. LG, Janine

  • #3

    Zypresse (Donnerstag, 21 Mai 2015 19:22)

    Thomas, ja, die Idee war echt klasse und die Brettchen haben unglaublich guten Absatz gefunden.
    Janine: guck mal genau, eure Brettchen findest du oben auf einem Foto wieder (vor dem Versand natürlich ;-) )!

  • #4

    Beate (Donnerstag, 28 Mai 2015 07:21)

    Sturmbrettchen … eigentlich eine geniale Idee. Eigentlich deshalb, weil Holz ja bekanntlicherweise arbeitet und vor der Verarbeitung mehr oder weniger lange gelagert werden muss. Haben Eure Brettchen noch ihre ursprüngliche Form? Wie groß muss ich sie mir vorstellen?

    Was "Ela" betrifft: hier in Ratingen und seinen Wäldern hat der Sturm auch stark gewütet, und noch immer sind nicht alle Schäden beseitigt. Merkwürdigerweise wurde unsere Stadt in den Medien so gut wie nie erwähnt. Was ich hiermit nachhole ;-))

    LG Beate

  • #5

    Zypresse (Donnerstag, 28 Mai 2015 08:56)

    Liebe Beate,
    ja, das Holz wurde gelagert - daher (und nicht nur aus kommerziellen Gründen) der Verkauf erst zu Weihnachten. Unsere Brettchen sind noch grade wie zu Anfang. Und die Größe? Gerade richtig für ein Abendbrot, ein wenig größer als die "Standard"-Brettchen, die man so kaufen kann (es passt also die Tomate ohne Probleme neben das Vollkornbrot).

  • #6

    Janine (Freitag, 29 Mai 2015 18:33)

    Stimmt! Habe ich erst gar nicht bemerkt, Zypresse.