Wie planen wir unsere Reisen mit Rollstuhl?

Nobel Square, Kapstadt
Nobel Square, Kapstadt

Leben ist das, was passiert,

während du eifrig dabei bist,

andere Pläne zu machen.

John Lennon

 

Ihr habt es sicher schon bemerkt, wenn Ihr eifrige Leser meiner Seiten seid: wir gehören zu den Urlaubs-PLANERN. Klar, das ist sicher angesichts unserer Situation nicht wirklich verwunderlich. Reisen mit Rollstuhl braucht nun einmal, falls es nicht echt stressig (und manchmal auch schwierig) werden soll, einiges, was vorher überlegt sein will. Also bleibt nicht viel anders als im Vorfeld zu recherchieren, welche Hotels barrierefreie Zimmer haben, wo man umgerüstete Fahrzeuge anmieten kann, welche Attraktionen wie mit einem Rollstuhl erreichbar sind, und und und...

 

"Reisen als Rollstuhlfahrer ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich..."

FALSCH!

 

Man kann fast überall auf der Welt Urlaub machen. Und fast an allen Orten trifft man auf hilfsbereite Menschen, selbst wenn es keine barrierefreie Infrastruktur geben sollte. Diese Erfahrungen haben wir immer wieder auf unseren Reisen gemacht. Ein Paradies für Rollstuhlfahrer sind ohne Zweifel die USA – hier haben, was „accessibility“ angeht mehrere Kriege mit behinderten Veteranen, die man nicht ausgrenzen konnte (wollte) und die Bürgerrechtsbewegung ganze Arbeit geleistet. Aber auch sonst haben wir festgestellt, dass außerhalb Deutschlands, im Süden Europas oder gar in den sogenannten Entwicklungsländern die Menschen sehr hilfsbereit und offen dafür sind, uns bei der Bewältigung kleinerer oder größerer Hindernisse zu unterstützen. Sind Stufen da, finden sich rasch ein paar starke Jungs und helfen nach oben (und auch wieder nach unten), bauen vielleicht zum Hotelzimmer rasch eine kleine Holzrampe. Sind Türen zu schmal oder im Weg – dann werden sie halt ausgehängt.

Unsere Planung unterscheidet sich - je nach Reise

Elefantenbad
Elefantenbad

Aber der Reihe nach. Auch für uns gibt es kein Patentrezept für die Planung unserer Reisen. Und als Blaupause übertragbar ist das, was wir machen sicher auch nicht auf jeden – egal ob behinderter Mensch oder nicht. Dafür sind die Vorlieben, Erwartungen und Vorstellungen einfach viel zu unterschiedlich. Auch tragen das Reiseland, die Bedingungen vor Ort und die Zeit und das Geld, die einem zur Verfügung steht, erheblich dazu bei, wie man seine Reise gestalten kann oder sogar muss. Auch unsere Reiseplanungen sind sehr unterschiedlich: mal buchen wir fast alles im Voraus, ein anderes Mal lassen wir etliches auf uns zukommen. Hier ein paar Beispiele:

 

Städtetrip: Nur Flug oder Bahn und Hotel buchen, der Rest ergibt sich vor Ort. Wobei ich bereits von zu Haus aus recherchiere, welche Museen und Attraktionen wie erreichbar sind, ob man sich z. B. vorher anmelden muss.


1-2 Wochen am Strand: Flug und Hotel buchen, weitere Verkehrsmittel ergeben sich nach Bedarf vor Ort: Bus, Taxi oder nicht umgerüstetes Mietauto


2-3 Wochen (oder gar mehr?!) Reise: ggf. Flug buchen, komplette Route planen, auf Handbetrieb umgerüsteten ("paraplegic hand controls") Mietwagen und ggf. andere Transfers buchen und alle Unterkünfte buchen

Wovon die Reiseplanung abhängt

Impalas
Impalas

Oder anders gesehen: ob wir Reisedetails vorher planen und buchen, hängt neben unseren ganz persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben von einigen weiteren Faktoren ab:

 

Reisen wir nur an einem Ort oder geht es auf eine Rundreise?
Wenn wir nur an einem Ort bleiben, reicht es aus, die Anreise und die Unterkunft zu buchen. Alles Weitere ergibt sich dann vor Ort. Bei einer Rundreise brauchen wir ganz klar wesentlich mehr an Planung.


Reisen wir in der Haupt- oder Nebensaison?
Nicht nur bei beliebten Reisezielen, häufig bei den von uns benötigten erschwinglichen Hotels mit barrierefreien Zimmern (von denen es nicht so viele gibt – leider) kann es vorkommen, dass Vieles bereits ausgebucht und/oder wesentlich teurer ist. Also bleibt nur: planen und vorbuchen.


Wie viel Zeit steht mir zur Verfügung?
Je mehr Zeit ich für eine Reise habe, umso weniger muss ich vorher planen denn nicht jeder Tag zählt. Wenn wir aber einiges sehen möchten und nur begrenzt Zeit haben, wird die Planung sicher sinnvoller.


Haben wir unterwegs Internetzugang?
Dann können wir uns unter Umständen auf kurzfristige Buchungen für die Weiterreise einlassen.

Reiseplanung im Detail

Die Excel-Tabelle mit der Planung unserer Südafrika-Reise 2012
Die Excel-Tabelle mit der Planung unserer Südafrika-Reise 2012

Vom Grundsatz her ist die Planung einer Reise recht einfach. Unser erster Schritt (nachdem das Ziel klar ist…) ist die Buchung der Flüge. Damit haben wir den fix vorgegebenen zeitlichen (und evtl. auch örtlichen) Rahmen. Dann erstelle ich eine Excel-Liste mit allen Tagen, die wir „vor Ort“ sind. Auf diese Tage verteile ich dann geografisch sinnvoll die Orte, die wir auf jeden Fall sehen möchten. Nicht nur, wenn es besonders viel zu sehen gibt, auch weil wir nicht gern tagtäglich neu ein- und auspacken wollen, versuchen wir, an den meisten Orten für mindestens zwei Nächte zu bleiben. In der Tabelle jongliere ich dann manchmal noch ein wenig mit den Daten, etwa nach Verfügbarkeit von Unterkünften oder weil an einem bestimmten Tag ein besonderes Fest irgendwo stattfindet. Irgendwann kommt der Punkt, wo wir dann einfach wissen: ja, das ist es, das ist unsere Reise.

Die Vorzüge der Reiseplanung

Kirstenbosch
Kirstenbosch

Planung hat noch einige weitere Vorteile:

 

Wir erfahren durch das Lesen von Reiseführern, von Reiseberichten anderer Urlauber, durch Recherchen im Internet bereits im Vorfeld viel über unser Urlaubsziel. (Und das ist schon fast so schön wie das Reisen selbst!)
Durch die vorherige Planung haben wir das Gefühl, viel mehr zu erleben als ohne.
 
Wir können in Ruhe nach schönen und barrierefreien Unterkünften Ausschau halten, in Ruhe am Laptop die Preise vergleichen und Anfragen nach Details (wie Türbreiten, Badausstattung oder ähnliches) per Mail klären.
 
Die Planung bietet uns eine gewisse Sicherheit und gewährleistet auch die Entspannung im Urlaub. Diese Zeit ist ja kostbar und kommt uns ohnehin immer schon recht kurz vor, wir wollen sie nicht noch mit nervendem Suchen und Organisationsfragen vor Ort vertun. Und: durch die vorherigen Mailkontakte haben wir oft genug das Gefühl, wir kommen zu Freunden - denn ein wenig kennen wir uns ja schon...
 
Bei der Kostenübersicht können wir uns über unser Budget klar werden. Sind vielleicht noch Extras drin? Oder müssen wir irgendwas aussparen oder unser Budget erhöhen? Ihr wisst ja: auch Sparen für/auf/beim Reisen ist für uns ein Thema.

 

Die finalisierte Tabelle mit all den notwendigen Daten und hilfreichen Links haben wir dann auf der Reise immer griffbereit. Und unsere Lieben zu Haus freuen sich über einen (gekürzten) Ausdruck, auf dem sie unsere Reise „mitreisen“ können.

 

Ja und dann, das haben wir durch Erfahrung gelernt, habe ich mir inzwischen angewöhnt, ein paar Tage, bevor es losgeht bzw. bevor wir am nächsten, übernächsten Ziel ankommen, dort nochmal per Mail, Fax oder Anruf daran zu erinnern, dass wir kommen und dass wir wegen des Rollstuhls besondere Wünsche haben. Nur zur Sicherheit... man weiß ja nie...

 

Und wie haltet Ihr es auf Euren Reisen? Plant Ihr oder lasst Ihr Euch treiben?

Wie sind Eure Erfahrungen, seid ihr schon einmal mit einer geplanten Reise hereingefallen

oder habt ungeplant etwas besonders Schönes erlebt?

Gelegentlich möchte ich gern in der Kiste kramen und alte Blogbeiträge wieder neu einstellen - keine Sorge, ich hole nicht alle alten Schätzchen wieder vor - aber das ein oder andere Thema ist sicher wert, nicht in Vergessenheit zu geraten. Dieser Beitrag wurde erstmals am 06.10.2013 veröffentlicht und ist für die Neu-Veröffentlichung nur hinsichtlich der Links aktualisiert worden.

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Kommentare: 2
  • #1

    Beate (Sonntag, 06 Oktober 2013 14:17)

    Hallo Ulli,
    ich bin ziemlich sicher, Ihr würdet auch ohne die „Rollstuhl-Problematik“ Eure Reisen bis ins Detail planen und vorbereiten, denn für Euch gehört das einfach dazu; Deine Aufzählung der Vorteile dabei hat Dich verraten! ;-)))

    Mein Mann und ich versuchen, so wenig wie möglich im Vorfeld einer Reise festzulegen: Flüge, Hotel für die erste Nacht, Mietwagen, ev. Tickets für eine bestimmte Bahnfahrt werden gebucht, und den Rest lassen wir auf uns zukommen.
    Ich „überfliege“ im Vorfeld einen bis zwei Reiseführer, und wir wissen, was in etwa wir sehen wollen. Aber wir haben die Freiheit, links herum oder rechts herum zu fahren, nämlich immer dem guten Wetter nach. Oder auch mal einen bis zwei Tage länger irgendwo zu bleiben, wo es uns besonders gut gefällt. „Mut zur Lücke“ gehört dementsprechend unbedingt zu dieser Art des Reisens.
    Müssen wir aus Zeitgründen dann doch mal etwas mehr planen und vorab buchen, dann überlassen wir die ganze Kleinarbeit dem Reisebüro unseres Vertrauens; nur so kann ich schon entspannt losfliegen.

    Meinen enttäuschendsten Urlaub hatte ich übrigens 1974 auf Rhodos: nahezu alles geplant und vorgebucht, Unmengen von Büchern gelesen und Fotos angesehen … und dann waren wir auf der Insel, und sie war natürlich nicht so wie auf den Hochglanzfotos der Bildbände, und durch den wilden Thymian im zerfallenen Amphitheater stapfte auch kein bocksfüßiger Pan …
    Seitdem gilt für mich das Tucholsky-Wort: „Entwirf deinen Reiseplan im Großen - und lass dich im Einzelnen von der bunten Stunde treiben.“
    LG Beate

  • #2

    Simone (Sonntag, 06 Oktober 2013 14:52)

    Hallo Ulrike!
    Wieder mal ein schöner und hilfreicher Beitrag.
    Ich bin zwar nicht in der selben Situation, daß ich einen Rollstuhl dabei habe, aber mit einem Kinderwagen stößt man auf ähnliche Probleme. Vorher fällt einem das gar nicht so auf, erst jetzt, wo man mit dem Kinderwagen unterwegs ist, stößt man an einigen Stellen auf nicht ganz so einfach zu überwindende Stellen im Gegensatzt zum durchschnitts Fußfußgänger. Ich habe jedoch auch schon festgestellt, daß es oft hilfsbereite Leute gibt, die einem Helfen. Sei es Tür aufhalten oder mit anfassen, wenn Stufen zu überwinden sind.
    Normalerweise plane ich einen Urlaub nur grob, aber für den nächsten werden wir das wohl etwas genauer machen, alleine schon wegen des Kinderwagens und den vielen kleinen Extras die man so mitnehmen muß. Trotzdem stimme ich zu, daß sich vieles vor Ort ergbit. Ich kann ja mal berichten wie so unser erster Urlaub verlaufen ist ...
    LG Simone