Alles fließt – Flüsse begleiten uns

Düsseldorf am Rhein
Düsseldorf am Rhein

Wer den Weg nicht kennt, auf dem er zum Meer gelangen kann, der sollte sich einen Fluss als Begleiter suchen. (Viam qui nescit, qua deveniat ad mare, eum oportet amnem quaerere comitem sibi.)

Plautus Poenulus

 

Für die Anregung zum Thema für diese Blogparade sage ich Beate herzlich Danke – nach dem round up der ersten Blogparade hat sie sich viele mögliche neue Themen einfallen lassen und per Mail an mich weitergereicht. Das ein oder andere wird Euch sicher begegnen.

 

Ein Fluss ist ein natürliches, fließendes Gewässer auf dem Land. Um genau zu sein, spricht man von einem Fluss bei „Fließgewässern mittlerer Größe“, im Unterschied zu den größeren Strömen und den kleineren Bächen. Aber:  allgemeingültige Grenzwerte für diese sprachlichen Unterscheidungen gibt es nicht. Die Eigenschaften eines Flusses sind bestimmt durch seine Einzugsgebiete, die dortigen Gesteine und besonders die klimatischen Bedingungen wie Niederschlagsreichtum oder Frostdauer. Viele größere Flüsse sind in ihrer Region von herausragender Bedeutung für die kulturgeschichtliche Entwicklung, den Naturhaushalt, den Verkehr und natürlich die Wasserversorgung. Wirtschaftlich werden Flüsse vor allem für den Transport, zur Trinkwassergewinnung, zur Elektrizitätserzeugung genutzt. Besonders in trockenen Gegenden können Flüsse sehr stark zur Bewässerung genutzt werden.

Rheinschiffahrt bei Nacht (Düsseldorf)
Rheinschiffahrt bei Nacht (Düsseldorf)

Die weltweit vier längsten Flüsse sind mit 6.670 km der Nil, der Amazonas mit 6.448 km, der Jangtsekiang (6.380 km) und der Missouri-Mississippi (6.051 km). Daneben gibt es Flüsse, die zwar nicht Spitzenreite der Länge nach sind, aber eine besondere kulturelle, spirituelle Bedeutung haben wie etwa der Ganges (2.600 km) oder der Rhein (1.238 km).

 

Die besonderen Eigenheiten des Nil ließen an seinen Ufern eine der frühesten Hochkulturen entstehen. Auch heute noch ist er für Ägypten von entscheidender wirtschaftlicher Bedeutung. Ohne ihn wäre das Land eine einzige Wüste. Erst durch den fruchtbaren Schlamm, den der Nil bei seinen alljährlichen Hochwassern über das Land verteilt, konnten Nutzpflanzen angebaut und Landwirtschaft betrieben werden.Bereits die alten Römer waren auf der Suche nach den Quellen des riesigen Stromes. Viele Afrikaforscher haben versucht, die tatsächliche Quelle des Nil zu finden. 1866 machte sich der britische Forscher David Livingstone auf Expeditionen zu den Quellen des Nil und des Kongo; er meinte sie im viel weiter südlich liegenden Bangweulusee gefunden zu haben, erreichte die wirkliche Quelle aber nie. Die Quelle des Kagera-Nil wurde 1893 von Oscar Baumann und Oskar Lenz gemeinsam entdeckt.

 

Die Mündung des Amazonas wurde 1499 oder 1500 zum ersten Mal von Europäern entdeckt. Der Italiener Amerigo Vespucci und der Spanier Vicente Yáñez Pinzón kamen fast gleichzeitig mit ihren Schiffen an. Francisco de Orellana befuhr den Fluss von 1541 bis 1542 als erster Europäer von der Quelle des Amazonas-Nebenflusses Napo im heutigen Ecuador bis zur Atlantikmündung. Samuel Fritz, ein deutscher Jesuitenmissionar, kartographierte den Amazonas 1707 als erster. Viele Südamerikaforscher erkundeten den Amazonas, darunter Alexander von Humboldt. Erst 1971 wurde die Quelle des längeren Quellflusses Ucayali vom Amerikaner Loren McIntrye erkannt und 2001 die Quelle des Apurímac als Ursprung des Amazonas von der National Geographic Society bestätigt, so dass die bis dahin geltenden Längenangaben für den Amazonas entsprechend korrigiert werden mussten.

 

Thomas (Tom) Sawyer und Huckleberry Finn sind Helden meiner Lesejugend, die Hauptfiguren von Mark Twains Geschichten über das Leben in einer Kleinstadt am Mississippi. Der Waisenjunge Tom lebt bei seiner Tante Polly, zusammen mit seinem Halbbruder Sid, seiner Cousine Mary und dem schwarzen Sklaven Jim. Sid ist brav und verpetzt Tom bei jeder Gelegenheit. Tom andererseits schwänzt gern die Schule, prügelt sich und treibt sich mit seinem besten Freund Huckleberry Finn herum. Dieser hat keinen festen Wohnsitz, seine Mutter ist tot, sein Vater ist ein stadtbekannter Trinker. Die Bücher liefern eine lebendige Darstellung der Menschen und Orte am Mississippi und geben ernüchternde und bissige Einblicke in Rassismus und Sklaverei.

 

Varanasi fällt uns zum Ganges ein und auch Kalkutta, was ja bekanntlich am Ganges liegt (und wo Tante Jutta herkommt…). Besonders bedeutsam, jetzt mal ernsthaft, ist der Fluss gerade zu Beginn dieses Jahres zur Maha Kumbh Mela gewesen, der Mutter aller religiösen Badefeste. Alle zwölf Jahre kommen mehr als 100 Millionen Hindus zum Zusammenfluss der Flüsse Ganges und Yamuna, um im heiligen Wasser ihre Sünden wegzuwaschen.

 

Wegen seiner Bedeutung im Vergleich zu anderen deutschen Flüssen wird der Rhein auch als Vater Rhein bezeichnet. Er steht für die manchmal schon arg ins kitschig-verklärte abdriftende Rheinromantik. Denkt nur an Rheinsagen mit Rittern und Drachen, an das Nibelungenlied, an die einsame Jungfrau Loreley auf hohem Felsen, an unachtsame Schiffer im verunglückenden Kahn oder an die Heinzelmännchen. In diese Kategorie fallen auch die zahlreichen Lieder, die dem Strom gewidmet sind. Das Repertoire reicht von „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ (Heinrich Heine) bis zu Karnevalsschlagern wie „Einmal am Rhein“ (Willi Ostermann).

Flüsse in der Stadt machen oft, eigentlich immer, ihren besonderen städtebaulichen Reiz aus. Was wäre Berlin ohne die Spree, Dresden ohne das Elbufer? Kann ich mir Florenz ohne die Ponte Vecchio über den Arno vorstellen, was täte Köln ohne den Rhein? Nach Paris kommt man der Liebe wegen, zum Eiffelturm, aber auch, um an den Ufern der Seine zu bummeln. Und eigentlich könnte ich diese Aufzählung noch eine ganze Weile fortsetzen (sorry München, Hamburg, London…)

 

Iller, Lech, Isar, Inn fließen rechts zur Donau hin.

Altmühl, Naab und Regen fließen links dagegen.

Die Donau kommt vom Schwarzwald her und mündet in das Schwarze Meer.

Eselsbrücke aus meiner Schulzeit

 

Flüsse eignen sich aber auch als Reisebegleiter: denke ich zum Beispiel an die Donau, Ziel vieler Flusskreuzfahrten oder auch Radtouren entlang des Ufers. Von der Quelle (den Quellen) nach Ulm, Ingolstadt, Regensburg, Passau, Linz, Melk und Wien, weiter über Bratislava nach Esztergom und Budapest, schließlich durch Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien nach Moldawien und zur Mündung in das Schwarze Meer in der Ukraine. Auch hier viel Kultur, Geschichte, gutes Essen und Weinanbau, die eine Reise höchst angenehm begleiten.

Havel
Havel

Uns hat die Havel begeistert, die wir mit einem Hausboot befahren haben. Das war ein Urlaub, bei dem sich Ruhe, Natur, Einsamkeit und Sehenswertes auf das Schönste miteinander verbunden hat. Unser Fazit nach einer Woche mit dem Hausboot ist rundum begeistert. Es war eine traumhafte Zeit, wir hatten unglaubliches Glück mit dem Wetter, das Leben auf dem Wasser war ruhig, naturnah, entspannend, fast meditativ. Das Boot bietet alle notwendigen Annehmlichkeiten und auch Platz genug, das Befahren der Gewässer ist, nach einer anfänglichen Eingewöhnung auch mit dem Charterschein kein Problem. Wir werden eine solche Reise sicher noch einmal wiederholen und können diese Art des Reisens guten Gewissens weiterempfehlen!

 

Es genügt nicht, zum Fluss zu kommen mit dem Wunsche, Fische zu fangen. Man muss auch das Netz mitbringen.

chinesisches Sprichwort

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Kommentare: 3
  • #1

    Beate (Montag, 22 April 2013 06:42)

    Hallo Ulli,
    eine wunderbare und interessante Einleitung zum neuen Blogthema … und ich bin schon gespannt, was da noch alles zusammenkommen … pardon: fließen wird!
    LG Beate

  • #2

    Tina (Montag, 22 April 2013 11:17)

    Hallo Ulli,

    diesmal möchte ich sehr gerne mitmachen.
    Habe auch schon so eine Idee ( afrikanische Flüsse betreffend..), aber bin momentan bissle im Stress. Ich melde mich, sobald ich weiß, ob ich es schaffe, mitzumachen.
    Viel Erfolg!
    Tina

  • #3

    loire2012 (Dienstag, 23 April 2013 19:27)

    Moin, ich habe ein kleines Fischerboot von der Loire im Kopf mitgebracht, das mich nicht loslässt - jeder hat so seine besonderen Erinnerungen an das meist ruhig dahinfließende Wasser. Besonders gut erinnere ich mich an den Geruch des Brackwassers, wenn ich an der Elbe am Anleger von Stader Sand mit meiner Oma stand . . .
    LG eo